Friday, 11. april 2008 5 11 /04 /Apr. /2008 22:30

Sonntag ist der Tag dafür!

Seit der Geburt unserer Kinder haben wir uns jeden Sonntag gefragt: „Was kann die Familie tun, um den Sabbat zu heiligen?” Es hat für meinen Mann und mich nichts Wichtigeres gegeben, als daß unsere Kinder den himmlischen Vater kennen und Seine Gebote halten lernen. Wir haben alle den Sabbat heiligen wollen und haben stets auf das geachtet, was ein jedes von uns tut, in der Hoffnung, daß unser Tun dem Herrn angenehm sei.

Die Priestertumsversammlung, die Sonntagsschule, die Abendmahlsversammlung und andere angesetzte Kirchenversammlungen sind für uns am Sonntag das Wichtigste. Die Anwesenheit bei diesen Versammlungen nimmt den größten Teil des Tages in Anspruch. Gleichwohl finden wir während des Tages Zeit, in der Familie etwas Besonderes zu tun. Viel von dem, was am Sonntag erlaubt und was nicht erlaubt ist, haben wir den Schriften und Ansprachen unserer Propheten entnommen. Anderes haben wir nach Bewertung unserer Erfahrungen bestimmt. Wir haben folgende Kriterien für die Bestimmung gelten lassen:

1.   Erweitert die Tätigkeit unsere Evangeliumskenntnis?

2.   Vereint sie die Familie?

3.   Bringt sie Liebe und Frieden in unsere Familie?


4.      Ist sie einzigartig für den Sonntag?

 

Der Sonntag ist der Tag gewesen, wo wir die Großeltern zu uns eingeladen oder wo wir sie besucht haben. Wir sind mit vier liebevollen, großmütigen und geistigen Großeltern gesegnet. Wir haben viele glückliche Sonntage mit Zuhören verbracht, wenn sie uns von Erlebnissen ihrer Jugend und denen berühmter Vorfahren erzählt haben. Welch große Gabe können wir den Kindern schenken: daß sie Vorfahren haben, die ihr Leben in den Dienst Gottes und ihrer Mitmenschen gestellt haben. Diese Erkenntnis erfüllt uns mit dem Wunsch, so zu leben, daß wir ihres Vorbilds würdig sind.

Der Sonntag war der von meinem Mann und mir auserwählte Tag, um mit unseren Kindern den Missionarsplan durchzunehmen, den wir mit Untersuchern auf unseren Missionsfeldern benützt hatten. Wir wollten, daß unsere Kinder dieselbe Freude über die Beantwortung von Gebeten erfahren sollten wie die Bekehrten, wenn sie das Buch Mormon und die Evangeliumsgrundsätze studieren und nach einem Zeugnis trachten. Dies ist der Tag, wo andere Evangeliumslektionen aus Leitfäden und Zeitschriften der Kirche gelehrt und wo Ansprachen geschrieben werden.

Einige unserer jetzigen Sonntagsbeschäftigungen sind nicht mehr die gleichen wie vor einigen Jahren. Unsere älteste Tochter ist das zweite Jahr an der Oberschule und unser jüngstes Kind, unser einziger Sohn, geht in die sechste Klasse. Der Geist des Sabbats bleibt dennoch in unserer Familie derselbe, da wir neue Wege finden, ihn auszudrücken.

Der Sonntag ist immer noch der Tag, wo wir unsere persönlichen Photoalben und Tagebücher ergänzen. Jedes Familienmitglied hat mindestens drei mit bestimmten Erinnerungen und persönlicher Geschichte gefüllte Sammelalben.

Der Sonntag ist der einzige Tag, wo wir Zeit gefunden haben, innerhalb der Familie zu singen. Wir sind von klugen Großeltern ermuntert worden, an besonderen Anlässen — wie Geburtstagsessen, Zusammenkünfte, Erntedankfest, Weihnachten und Heimabend — Programme darzubieten. Dies macht notwendig, daß wir Manuskripte schreiben, Instrumente und Theater spielen und zusammen singen. Unsere Kinder haben sich nicht nur, solange sie klein waren, für Marionettenaufführungen interessiert — erst letzte Woche haben unsere Teenager am Sonntagabend zwei Stunden damit verbracht, eine Dramatisierung ihres eigenen Theaterstücks auf Tonband aufzunehmen, um der Familie eine Marionettenvorstellung zu geben. Der Sonntag ist der Tag, wo wir unsere beste Wäsche, unser bestes Besteck und unsere besten Gläser für die Mahlzeiten verwenden, obschon das Essen meistens einfacher vorbereitet wird als an anderen Tagen, und zwar wegen unserer vielen Beschäftigungen in der Kirche.

Dies ist ein Tag, wo wir hoffen, daß uns Freunde besuchen kommen — mit oder ohne Einladung.

Es ist der eine Tag in der Woche, wo sich die Familie um den Küchentisch versammelt und die Tätigkeiten der vergangenen Woche bewertet und für die folgende plant. Wir erzählen einander diejenigen Geschehnisse der Woche, worüber wir uns freuen, und die, die wir ändern möchten. Wir bringen unsere Wünsche und Gefühle dem Leben gegenüber — unser Interesse für öffentliche Ereignisse — unsere Liebe zu einander in Worte.

Dies ist der Tag, wo mein Mann von jedem Kind eine Feststellung über die in den nächsten Wochen kommenden besonderen Schul- und Kirchenaufgaben verlangt – damit keine Aufgabe auf den „Abend vorher“ aufgeschoben wird. Er ermutigt ebenso jedes von ihnen, die anderen an seiner Steinsammlung, an Prüfungsarbeiten, an der Ehrenabzeichen-Aufgabe, an der Pfadfinderauszeichnung, an einem gelesenen Buch – am Erreichtem und Gelerntem – teilhaben zu lassen, damit jedes für die Familie zu einem Lehrer wird. Wir bezeugen einander in unseren Gesprächen gelernte Wahrheiten und Segnungen, die wir vom himmlischen Vater erhalten haben.

Dies ist der Tag, wo wir nicht ins Kino gehen, nicht Ball spielen, nicht einkaufen und nicht schwimmen gehen. Dies ist der Tag, wo wir wissen, dass wir schlafen, uns ausruhen oder eine ruhige Stunde mit Lesen verbringen können.

Der Sonntag ist für uns der wichtigste Faktor gewesen,  um in unserer Familie den Wunsch wachzuhalten, miteinander zu sein und sich für einander zu interessieren. Wir danken dem himmlischen Vater für diesen Tag, wo wir uns an Ihn erinnern und uns weihen, ihm mehr ähnlich zu werden.

Von Ethna R. Reid, Mai 1970
von Bettina
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Friday, 28. march 2008 5 28 /03 /März /2008 06:46
In meinem ganzen Leben habe ich nie den Glauben meines Vaters in Frage gestellt. Seine Überzeugung hat in meinem Leben einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen. Sie war mir so fest eingeprägt, daß sie jeder Prüfung, jeder Anfechtung und jeder Herausforderung standhielt.
Als ich ein Junge war, wohnten wir auf einer kleinen Farm in Utah, wo es wenig Geld, dafür aber genug Arbeit gab. In diesen frühen Jugendjahren erschienen mir die Sommer besonders schwierig und voll endloser langweiliger Arbeit. Die Rüben mußten ausgedünnt werden, der Mais geharkt. die Bewässerungsgräben ausgeputzt; das lästige Unkraut wuchs immer wieder nach, und die Heuernte nahm kein Ende.
Die einzige Rettung, die einzige Oase in der ganzen Sommerarbeit war der Sabbat. Wir wußten alle: der Sonntag war der Tag des Herrn. Das Unkraut, das Heu auf den Wiesen und das schnittreife Korn mußten bis Montag warten.
Am Sonntag nicht zu arbeiten war nicht ganz so einfach. Es war nicht damit getan, das Arbeitsgerät hinzuhängen und daheim zu bleiben. Es gab Komplikationen. Der Sommer war nämlich die einzige Zeit, wo sich der Farmer finanziell absichern konnte. Wenn er in den kurzen Sommermonaten nicht gut wirtschaftete, folgte ein langer und karger Winter. Die Ernte mußte einfach gut ausfallen, und meistens war das Wasser dafür ausschlaggebend, ob man diesen bescheidenen Erfolg erzielte. Und Wasser war in Utah Mangelware. Es kam nur selten in Form von Regen, sondern mußte im Winter und Frühling sorgfältig in einem Reservoir aufgefangen und dann über die heißen, trockenen Sommerwochen verteilt werden.
Jede Farm war auf den Bewässerungskanal angewiesen. Der Kanal mit seinem lebensspendenden Wasser bewahrte den Farmer vor dem sicheren Ruin. Bewässerung war eine Grundvoraussetzung, und manchmal ergab sich daraus ein regelrechtes Sabbatdilemma. In manchen Jahren war ein Farmer am Montag an der Reihe, manchmal am Dienstag und manchmal an einem anderen Wochentag. Gelegentlich aber fiel der Tag auf einen Sonntag. Dem Farmer blieb keine Wahl.
So wie alle anderen war auch Vater in manchen Jahren am Sabbat an der Reihe. Ich kann mich gut an diese Jahre erinnern, weil mich die Entschlossenheit meines Vaters. den Sabbat heilig zu halten, immer sehr beeindruckte. Der Herr hätte ihn wahrscheinlich nicht verdammt. wenn er seine Farm am Sabbat bewässert hätte. Er kannte das Herz meines Vaters. und er kannte die Umstände, unter denen er und die anderen Farmer arbeiten mußten. Vater wollte aber sogar diese Sabbatarbeit vermeiden. Er war überzeugt davon, daß niemand am Sabbat eingeteilt würde, wenn der Herr die Einteilung selbst vornähme. Ich habe Vater nie ein Wort über seinen Entschluß, am Sonntag nicht zu arbeiten, sagen hören, aber sein Leben spiegelte diesen Entschluß wider.
Wenn Vater am Sonntag an die Reihe kam, tat er alles in seiner Macht Stehende, damit er am Sabbat nicht bewässern mußte. Er wartete Freitag und Samstag am Kanal, ob von den Farmern über ihm überschüssiges Wasser kam. Er holte jeden Tropfen aus dem Kanal, und am Sonntag waren die Felder bewässert. Ich kann mich nicht entsinnen, daß er jemals gezwungen gewesen wäre, am Sabbat zu arbeiten. Es bedeutete, daß er mehr zu tun hatte, aber er brachte das Opfer gern. wenn er dafür am Sabbat ruhen konnte. Es schien immer alles gutzugehen. Ich beobachtete ihn im Lauf der Jahre, und seine Hingabe und Entschlossenheit waren mir immer ein Zeugnis, daß der Herr jeden segnet, der sich bemüht, seine Gebote zu halten.
Eines Jahres aber kam für ihn eine besondere Glaubensprobe. Die sengende Sommerhitze schien in diesem Jahr früher als sonst zu kommen – schlimme Anzeichen für eine Trockenheit. Die Tage zogen sich langsam dahin, und die Sonne verbrannte alles: den Rasen, den Gemüsegarten und die Felder, die unter ihren sengenden Strahlen verdorrten. Ausgerechnet in diesem Jahr kam Vater am Sonntag zum Bewässern an die Reihe. Die Felder brauchten Wasser. Am Freitag und Samstag kam kein überschüssiges Wasser, und so waren die Felder am Sonntag trocken.
An einem Sonntagmorgen wandte sich meine Mutter sorgenvoll an meinen Vater. „Joseph”, sagte sie, „ich glaube. du solltest lieber Wasser vom Kanal herleiten. wenigstens auf den Rasen und in den Garten. Alles wird welk.”
Und so war es auch. Ohne Wasser verbrannte alles. Es blieb nichts anderes übrig. Die Felder brauchten Wasser, und wenn Vater nicht wässerte, solange er an der Reihe war, würde es erst am folgenden Sonntag wieder Wasser geben. Eine ganze Woche würden die Felder nicht mehr überstehen.
Vater verließ also das Haus. bevor er sich für die Versammlungen kleidete. Die Schaufel trug er auf der Schulter. Es muß für ihn furchtbar enttäuschend gewesen sein, an diesem Morgen hängenden Kopfes den Berg hinaufzugehen. All die Jahre hatte er sich bemüht, diese Arbeit zu vermeiden, und jetzt konnte er nicht anders. Wir waren sicher, daß der Herr ihn nicht verdammen würde. Trotzdem hatte er den starken Wunsch, einen Ausweg zu finden.
Er kam an den Kanal und stellte das Wehr aus Zelttuch auf, aber bevor er noch irgend etwas anderes tat, hielt er inne und überlegte, immer noch über den Kanal gebeugt. Was sollte er tun? Er dachte an das Gebot des Herrn, den Sabbat heilig zu halten. Glaubte er das wirklich? War es nicht nur ein Lippenbekenntnis. sondern lebte er auch danach?
Während er noch in Gedanken versunken war, empfing er eine machtvolle und deutliche Kundgebung, die er nie vergessen sollte: „Zieh das Wehr heraus. Nimm die Schaufel und das Werkzeug. Ich werde für alles sorgen. Vielleicht nicht früh am Tag, aber ich sorge dafür. Was den Sommer angeht, überlaß das mir. Ich sorge für dich.”
Mein Vater richtete sich auf. Es war niemand da. Er blickte zum Himmel – er war klar und blau, keine Wolke war in Sicht. Es wehte eine trockene Brise. Der Tag würde heiß und drückend werden. Die Sonne stach herab, und die Erde war ausgedörrt und staubtrocken. Vater zog das Zelttuchwehr heraus, kehrte dem Kanal den Rücken und ging nach Hause. Er hatte ein Gebot empfangen, das war ihm klar. Er wußte nicht, auf welche Weise für ihn gesorgt werden würde, aber soviel stand fest, daß er eine Verheißung empfangen hatte. Er zog sich an und ging zu den Sonntagsversammlungen. Die Farm überließ er der Macht, auf die er sein Leben lang vertraut hatte.
Der Himmel war noch immer wolkenlos, die Luft heiß, und die Felder welkten immer noch unter der sengenden Sonne, als sie von den Versammlungen nach Hause kamen. Da kein Anzeichen der Besserung zu erkennen war, wandte sich Mutter in ihrer Sorge um den Garten an Vater, der ihr gegenüber von seinem Erlebnis am Morgen noch nichts erwähnt hatte: „Es sieht nicht nach Regen aus”, sagte sie. „Was wirst du wegen des Gartens tun?”
Zum zweiten Mal an diesem Tag stieg Vater den Hügel zum Bewässerungskanal hinauf, bedrückt von der Lage, in der er sich befand. Zögernd stellte er wieder das Wehr auf. aber dann hielt er inne, verwundert über seine schwindende Überzeugung. „Wo ist denn dein Glaube?” fragte er sich.
Von einem neuen Vorsatz erfüllt, zog er das Wehr wieder aus dem Kanal und ging den Hügel hinab, fest entschlossen, nie wieder am Sabbat zum Kanal zu gehen. Als er den Hügel herabkam, blickte er zum Himmel auf und sah, wie Wolken aufzogen. Eine Stunde später goß es in Strömen. Die trockene Erde sog das ersehnte Naß auf, und Rasen, Garten und Felder belebten sich.
Dieser Regen war ein Wunder, aber es war nur ein Anfang. Der Sommer begann erst richtig. Die heißen Monate Juli und August standen noch bevor. Doch Vater machte sich keine Sorgen. Der, der das Gesetz gab, hatte ihm seine Hilfe verheißen. Er würde es möglich machen, das Gesetz zu befolgen. Eine Woche darauf bat ein Nachbar meinen Vater, ob er nicht einen Teil seines Wassers am Sonntag gegen eine kurze Bewässerungszeit am Samstag tauschen wolle. Vater freute sich. Während dieser kurzen Zeit am Samstag konnte er wenigstens den Garten und den Rasen bewässern. Trotzdem würde er es unmöglich schaffen, all die Hektar Mais, Gerste und Wiese zu bewässern. Doch der Herr segnete ihn auf andere Weise. Immer wieder zogen während des Sommers Wolken herauf, es fiel Regen, und die Felder bekamen Wasser – gerade dann, wenn es am notwendigsten war.
Mein Vater war sich so gewiß, daß der Herr für ihn sorgen würde, daß er den ganzen Sommer keinen einzigen Wassergraben ausputzte und in den Maisfeldern die Bewässerungsfurchen nicht nachzog. Und das im heißen, trockenen Utah, wo der Farmer bedingungslos auf die Bewässerung angewiesen ist. In diesem Sommer wurden die Wassergräben auf Vaters Feldern kein einziges Mal gebraucht. Noch nie hatte Vater einen ganzen Sommer lang auf das Bewässern verzichten können, aber dieser Sommer war anders. Es war der Sommer des Herrn, und er sorgte für uns.
Als der Sommer vorüber war, hatte Vater drei Rekordernten Heu eingebracht, der Gersteertrag war überreichlich und auch Silomais war im Überfluß vorhanden. Des Himmels Schleusen hatten sich wahrlich aufgetan, und der Herr hatte in der Tat für uns gesorgt.
Seitdem ist schon einige Zeit vergangen, doch mein eigener Glaube ist seit jenem Sommer nur stärker geworden. Wie oft möchte uns der Herr segnen, doch wir hindern ihn daran. Wir wagen es nicht, auf ihn zu vertrauen, der uns ja alles gegeben hat, und doch möchte er nichts lieber, als uns das Wasser des Lebens zu senden. Sein Segen erwartet uns, doch müssen wir ihm ganz und rückhaltlos vertrauen. Vielleicht müssen wir manchmal zusehen, wie unsere Träume welken und verdorren, ohne daß am Horizont das geringste Zeichen der Besserung sichtbar ist. Dann aber, nachdem unser Glaube geprüft ist, folgt das Wunder
Alma J. Yates, Februar 1983

von Bettina
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Friday, 14. march 2008 5 14 /03 /März /2008 15:07
Einmal an einem Herbsttag fuhr ich auftragsgemäß zu einer Pfahlkonferenz in einem ländlichen Gebiet im Westen der Vereinigten Staaten. Ich traf am Samstagabend ein und übernachtete bei der Familie des Pfahlpräsidenten. Am nächsten Morgen brachen wir auf, um die zwölf bis fünfzehn Kilometer zum Gemeindehaus zu fahren. Unterwegs kamen wir an mehreren Farmen vorbei. Augenscheinlich hielten die Bewohner dieser Farmen den Sabbat heilig.
Wir sahen schöne Felder mit reifem Weizen. Die Landmaschinen standen noch auf dem Feld, wo man sie am Abend davor hatte stehen lassen. Dazu sahen wir Heuhaufen, die noch nicht fertig aufgeschichtet waren, und auf den Feldern befand sich weiteres Heu. das noch eingebracht werden mußte. Ein Teil des Getreides war bereits geerntet. das andere stand noch auf dem Feld. Es schien, als würde das Land selbst ruhen. Wir gelangten ins Dorf und fanden auch dort alles friedlich und heiter vor. Man hörte weder Hammerschläge, noch das Geräusch von Maschinen oder irgendeiner Arbeit. Statt dessen sahen wir, wie die Leute aus allen Richtungen des Tales zum Gemeindehaus strömten.
Ich sprach mit dem Pfahlpräsidenten über diesen ungewöhnlichen Anblick und fragte, ob die Heimlehrer das ganze Gebiet des Pfahles bestürmt und die Menschen darauf hingewiesen hätten, daß aus Salt Lake City Besuch erwartet werde. „Nein", sagte er, „wir sind sehr zufrieden damit, wie unsere Mitglieder den Sabbat heiligen. Fast jede Familie im Pfahl ist jeden Sonntag bei unseren Versammlungen vertreten." Die Berichte bestätigten seine Worte.
Es war ein schöner, stiller Tag. Ein sanfter, angenehm warmer Wind wehte. Die fernen Hügel nahmen allmählich herbstliche Farben an. Es gab dort schöne Farmen und Felder, anheimelnde Häuser und eine Atmosphäre der Zufriedenheit. Die Versammlungen und Ratssitzungen dieses Tages waren bemerkenswert friedlich, produktiv und zufriedenstellend.
Als ich eine Pfahlkonferenz in einer anderen Ortschaft besuchte, erlebte ich das krasse Gegenteil. Sehr früh am Sonntagmorgen wurde ich durch beträchtlichen Lärm geweckt. Ich stellte fest, daß er von einer Anzahl Männer herrührte. die Jägerkleidung und Gewehre trugen. Sie waren auf dem Weg zu den Bergen und Canyons, um Rotwild zu jagen.
An einem anderen Sabbat fuhr ich durch ein ländliches Gebiet und erblickte zahlreiche Mähmaschinen sowie Maschinen, mit denen das Heu zu Ballen zusammengepackt wurde, dazu schwitzende Menschen auf den Feldern beim Einbringen der Heuernte.
An einem weiteren Sabbat bemerkte ich lange Menschenschlangen vor den Kinos, die auf ihre Eintrittskarte warteten. Andere waren augenscheinlich auf dem Weg zum Strand oder zum Canyon und trugen Picknickkörbe und Sportausrüstungen.
Unsere Welt ist überwiegend eine Welt von Sabbatschändern geworden. Am Sabbat sind die Seen mit Booten geradezu übersät, an den Stränden drängen sich die Menschen, und bei Shows werden die höchsten Besucherzahlen erreicht. Auf den Golfplätzen wimmelt es von Spielern. Der Sabbat wird für Rodeos, Tagungen und Picknickausflüge der Familie bevorzugt, selbst Wettspiele werden für diesen heiligen Tag angesetzt. Viele führen wie üblich ihre Geschäfte weiter, und so ist Aus unserem heiligen Tag ist ein Vergnügungstag geworden. Und weil viele Menschen diesen Tag als Vergnügungstag begehen, stellen sich zahlreiche andere auf die Wünsche derer ein, die dem Geld und dem Vergnügen nachjagen.
Vielen erscheint das Entheiligen des Sabbats nur als geringfügiger Verstoß, aber unser Vater im Himmel sieht darin die Übertretung eines seiner wichtigsten Gebote. In alter Zeit kam Mose von dem bebenden und rauchenden Berg Sinai herab und brachte den Kindern Israel, die durch die Wüste zogen, die Zehn Gebote als Grundregeln der Lebensführung. Es waren aber keine neuen Gebote. Schon Adam und seine Nachkommen hatten sie empfangen: ihnen war von Anbeginn geboten worden, danach zu leben. Der Herr wiederholte diese Gebote lediglich gegenüber Mose. Sie wurden bereits vor dem irdischen Dasein erlassen als Teil der Prüfung, die beim Rat im Himmel für die Menschen beschlossen wurde, um zu erweisen. „ob sie alles tun werden. was immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebieten wird” (Abraham 3:2)).
Das erste der Zehn Gebote verlangt vom Menschen, den Herrn zu verehren, während das vierte den Sabbat eigens für die Gottesverehrung bestimmt:
„Du sollst keine anderen Götter haben neben mir .. .
Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest.
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling. der in deiner Stadt lebt.
Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn” (2. Mose 20:3. 8-11).
Somit brachte Mose, als er vom donnernden Berg Sinai herabkam, ein feierliches Gebot mit: „Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest." Dieses Gebot ist niemals für nichtig erklärt noch verändert worden, im Gegenteil, der Herr hat in der Neuzeit abermals Nachdruck darauf gelegt:
„Bedenke aber, daß an diesem, dem Tag des Herrn, du dem Allerhöchsten deine Gaben und heiligen Gelübde darbringen und deine Sünden vor deinen Brüdern und dem Herrn bekennen sollst.
An diesem Tage aber sollst du nichts tun als mit lauterem Herzen deine Speise bereiten. damit ... deine Freude vollkommen sei" (LuB 59:12,13).
Wer am Tag des Herrn auf die Jagd geht oder angelt, der heiligt den Sabbat nicht. Ebenso verstößt man gegen das Gebot der Sabbatheiligung, wenn man an diesem Tag sein Land bestellt oder die Ernte einbringt. Das gleiche gilt für alle, die am Sabbat, anstatt der Heiligkeit dieses Tages zu gedenken, Picknickausflüge unternehmen und zu Ballspielen oder Wettkämpfen, Shows oder anderen Vergnügungen gehen.
Seltsamerweise gibt es einige Heilige der Letzten Tage, die zwar sonst in jeder Hinsicht getreu sind, aber gelegentlich den kirchlichen Versammlungen fernbleiben, um sich zu erholen. Sie führen allerlei als Rechtfertigung dafür an: Sie hätten als Angler am Sonntag das meiste Glück, oder der Urlaub sei nicht lang genug, wenn sie nicht schon am Sonntag dazu aufbrechen, oder sie versäumen einen Film, den sie gern sehen möchten. Häufig verleiten sie dabei ihre ganze Familie, das Gebot der Sabbatheiligung zu übertreten.
Der Erlöser hat gesagt. „Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich" (Matthäus 5:19).
Es ist nichts dagegen einzuwenden, daß man sich in legitimer Weise erholt — Sport treibt, Picknickausflüge und Spiele unternimmt oder ins Kino geht. Dies alles ist dazu angetan, neue Lebenskraft zu spenden, und die Kirche fördert als Organisation selbst derartige Aktivitäten. Doch muß man für jede lohnende Betätigung die rechte Zeit und den rechten Ort wählen für .Arbeit, Spiel und Gottesverehrung.

Manche stellen die Sabbatheiligung als ein Gebot hin, das Opfer und Selbstverleugnung verlangt. Diese Ansicht trifft indes nicht zu. Man braucht seine Zeit nur richtig einzuteilen und für jede Betätigung den geeigneten Zeitpunkt zu wählen. Die sechs Wochentage, die uns für Arbeit und Spiel zur Verfügung stehen, bieten genug Zeit für alles, vor allem in der heutigen Zeit. Man könnte vieles unternehmen, um Aktivitäten an Wochentagen zu organisieren und zu fördern.
Ein Pfadfinderrat legte den Zeitplan für das Zeltlager im Sommer gewohnheitsmäßig so fest, daß die Pfadfinder am Sabbat anreisten und am nächsten Sabbat zurückfuhren. Dadurch wurde den Jugendlichen, die der Kirche angehörten, an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen die Möglichkeit zu religiöser Betätigung genommen. Den Beamten des Pfadfinderrates wurde daraufhin freundlich ein Vorschlag unterbreitet, der Abhilfe schaffte. Die Lagerfahrt begann jetzt am Freitag und endete auch am Freitag. Der Sonntag wurde so gestaltet, daß die Jungen im Zeltlager einem Gottesdienst beiwohnen konnten.
Eine Seminargruppe wollte an einem Sonntag in den Bergen Gottesdienst halten. Die Jugendlichen meinten, gegen den Ausflug sei nichts einzuwenden, weil sie eine Zeugnisversammlung in den Tagesablauf eingeplant hatten. Sie veranstalteten die Zusammenkunft wie geplant und erlebten gemeinsam eine Stunde der Geistigkeit. Die übrigen Stunden des Tages wurden jedoch mit Picknicken und Spielen, Wandern und Klettern zugebracht: an den Sabbat dachte man nicht weiter. Die eine andächtige Stunde machte den Sonntag nicht zu einem heiligen Tag.
Das Gebot der Sabbatheiligung ist nicht dazu bestimmt, dem Menschen etwas zu nehmen. Jedes Gebot, das Gott seinen Dienern gegeben hat, soll denen nützen, die es empfangen und befolgen. Der Mensch hat nur Nutzen davon, daß er den Sabbat gewissenhaft heiligt, und er selbst nimmt Schaden, wenn er Gottes Gesetze bricht.
Das Gebot, daß man den Sabbat heiligen soll, schließt ein Verbot und ein Gebot ein: „Dies ist der Tag, für dich zur Ruhe von deiner Arbeit bestimmt" und: „Du (sollst) zum Hause des Gebets gehen (und) am Abendmahl teilnehmen,.... damit du dem Allerhöchsten deine Verehrung bezeugest mit freudigem Herzen und fröhlichem Angesicht.' (LuB 59:9, 10, 15).
Der Sabbat ist nicht dazu bestimmt, daß man träge im Haus herumlungert oder sich im Garten zu schaffen macht. Vielmehr soll man am Sabbat regelmäßig die Versammlungen besuchen, um den Herrn zu verehren und zu lernen, sich am Familienleben zu erfreuen und sich mit Musik und Gesang zu erbauen.
Der Sabbat ist ein heiliger Tag, wo man sich mit schönen und heiligen Dingen befassen soll. Zwar ist es wichtig, daß man sich jeglicher Arbeit und aller Vergnügungen enthält, doch genügt dies nicht. Der Sabbat verlangt vorn Menschen, daß er Positives denkt und tut, und wenn jemand am Sabbat untätig herumlungert, so verstößt er gegen das Gebot, diesen Tag zu heiligen. Um den Tag richtig zu begehen, kniet man sich zum Beten nieder, bereitet sich auf Unterrichtsstunden vor und vertieft sich in das Evangelium, denkt nach und besucht Kranke und Betrübte, schreibt an Missionare, schlummert ein wenig, liest gute Bücher und besucht alle Versammlungen, wo die Anwesenheit von einem erwartet wird.
Ich kenne einen guten Mann, der irrigerweise behauptet hat, er habe sonntags mehr davon, wenn er ein gutes Buch lese, als wenn er die Gottesdienste besuche, denn die Predigten reichten, wie er erklärte, kaum an sein Niveau heran. Wir gehen am Sabbat nicht zu den Versammlungen, um unterhalten zu werden, nicht einmal nur, um etwas zu lernen. Wir besuchen die Versammlungen, um den Herrn zu verehren. Dies ist die Pflicht jedes einzelnen. Ganz gleich, was am Rednerpult gesprochen wird — wer den Herrn im Geist und in der Wahrheit anzubeten wünscht, der kann dies tun, indem er den Versammlungen beiwohnt, am Abendmahl teilnimmt und über die Schönheit und Erhabenheit des Evangeliums nachsinnt. Wer den Gottesdienst als Mißerfolg betrachtet, ist selbst erfolglos gewesen. Niemand kann Gott stellvertretend für einen anderen verehren, jeder muß es selbst tun.
Laßt uns, was dieses und andere Gebote angeht, auf die Worte des Propheten Josua hören: „So fürchtet nun den Herrn und dient ihm treulich und rechtschaffen ... Wählt euch heute, wem ihr dienen wollt... Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen” (Josua 24:14, 15).
Unter diesen Bedingungen können wir auf die Segnungen hoffen, die den Kindern Israels verheißen wurden: „Haltet meine Sabbate und habt Ehrfurcht vor meinem Heiligtum. Ich bin der Herr.
Werdet ihr in meinen Satzungen wandeln und meine Gebote halten und tun, so will ich euch Regen geben zur rechten Zeit, und das Land soll sein Gewächs gehen und die Bäume auf dem Felde ihre Früchte bringen.
Und die Dreschzeit soll reichen bis zur Weinernte, und die Weinernte soll reichen bis zur Zeit der Saat. Und ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen.
Ich will Frieden geben in eurem Lande, daß ihr schlafet und euch niemand aufschrecke” (3. Mose 26:2-6).
In vielen Industriezweigen gibt es angeblich Arbeitsprozesse, die am Sabbat nicht unterbrochen werden können. Dort „muß" das Personal auch am Sonntag arbeiten. Dies mag wahr sein. Doch „Not macht erfinderisch". und ich habe mich oft gefragt, wie lange es dauern würde, neue Produktionsmethoden zu entwickeln, die keine Sonntagsarbeit verlangen, wenn sich jeder in einem bestimmten Industriezweig einfach vornähme, den Sabbat zu heiligen.
Der Erlöser hat gewußt, daß der Ochse zuweilen in den Schlamm fällt, und wenn es notwendig ist, muß man ihn herausziehen. Man stößt den Ochsen aber nicht mutwillig jede Woche in den Schlamm und sieht auch nicht tatenlos zu, wie er von selbst hineingerät.
Gewiß, einige Leute müssen am Sabbat arbeiten. Einige Arbeiten, die am Sonntag unbedingt notwendig sind, können sogar der Sabbatheiligung dienen, z. B. die Krankenpflege. Bei solchen Aktivitäten kommt es freilich entscheidend auf unsere Motive an.
Wenn Männer und Frauen nur deshalb am Sabbat arbeiten, weil sie ihren materiellen Wohlstand vergrößern wollen, übertreten sie die Gebote. Geld, das man für unnötige Sonntagsarbeit einnimmt, ist unreines Geld. Können Sie sich vorstellen, wie jemand entgegen dem ausdrücklichen Gebot des Herrn am Sabbat arbeitet und ihm dann den Zehnten oder einen anderen Anteil an den unrechtmäßig erworbenen Früchten seiner Arbeit darbringt? Für Opfergaben gilt auch heute noch die Vorschrift des Alten Testaments, nämlich daß sie makellos sein müssen. Dies kann man jedoch keineswegs von Einnahmen behaupten, die man durch unnötige Sonntagsarbeit erzielt hat.
Ein Sabbatschänder ist auch, wer am Sonntag einkauft oder Vergnügungsstätten aufsucht, denn er trägt dazu bei, daß Geschäfte und Vergnügungsstätten auch sonntags geöffnet sind, was sonst nicht der Fall wäre. Wenn wir am Sonntag etwas kaufen, verkaufen oder Handel treiben oder derlei Aktivitäten unterstützen, sind wir ebenso widersätzlich wie einst die Kinder Israels. Weil sie diese und andere Übertretungen begangen haben, mußten sie schreckliche Folgen dafür tragen, die uns ständig als Warnung dienen sollten.
Die Gesetze im alten Israel sahen vor, daß Sahbatschänder auf der Stelle streng bestraft wurden. Dennoch brauchen wir nicht anzunehmen, daß diesem Gesetz damals mehr Bedeutung beigemessen wurde als heute.
Der Herr hat dem Propheten Joseph Smith in unserer Zeit erneut offenbart, wie wichtig es ist, den Sabbat zu heiligen: „Und um dich noch völliger von der Welt unbefleckt zu halten, sollst du zum Hause des Gebets gehen, am Abendmahl teilnehmen und deine Gelübde an meinem heiligen Tage darbringen" (I.uB 59:9).
Man beachte, daß es in diesem Gebot „Du sollst" heißt!
,.Denn wahrlich, dies ist der Tag, für dich zur Ruhe von deiner Arbeit bestimmt und damit du dem Allerhöchsten deine Verehrung bezeugest.
Dessenungeachtet sollen deine Gelübde jeden Tag und zu allen Zeiten in Gerechtigkeit dargebracht werden. Bedenke aber, daß an diesem, dem Tag des Herrn du dem Allerhöchsten deine Gaben und heiligen Gelübde darbringen.
Verantwortlich werden ist etwas Allmähliches und kommt nicht plötzlich, und die schon reifere Vorstellung, daß man Jesus ein Versprechen macht und dafür Segnungen von ihm empfängt, kann und soll ihren Anfang nehmen, bevor das Kind acht Jahre alt ist.
Sowohl im Gottesdienst der Juniorsonntagsschule als auch in der Abendmahlsversammlung sehen die Kinder ihre Familie und ihre älteren Freunde am Abendmahl teilnehmen, und diese wöchentliche Wiederholung vom Kleinkindalter bis hinauf zu acht Jahren hilft ihnen beim Versuch, so zu werden wie diese für sie wichtigen Menschen.
Unter den eben genannten Umständen kann die Teilnahme am Abendmahl nicht nur der Anfang einer Verhaltensweise sein, die sich ein ganzes Leben hindurch fortsetzt, sondern es kann auch ein dynamisches, belebendes und sozusagen ausbaufähiges Fundament für geistiges Wachstum werden. Deshalb ist es nicht bloß eine müßige Geste, Kinder am Abendmahl teilnehmen zu lassen, wenn sie emotional noch relativ unreif sind und nicht viel über den Plan der Erlösung wissen. Geist kann zu Geist sprechen, eine Einstellung kann entstehen. Obwohl Kinder das Abendmahl vielleicht nicht im gleichen Maße verstehen wie Erwachsene, so kann man doch einigen ihrer wichtigen Bedürfnisse durch diese heilige Handlung entsprechen.

Präsident Spencer W. Kimball, Juli 1978
von Bettina
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Thursday, 6. march 2008 4 06 /03 /März /2008 03:49

 AIs mein Sohn Davy in der vierten Klasse in die Geländelauf-Mannschaft seiner Schule eintrat, kam seine große Laufbegabung rasch zum Vorschein. Bei Wettläufen war er immer einer der Schnellsten, und wir waren sehr stolz auf ihn.

Bald wurde er aufgefordert, in einen Leichtathletikverein einzutreten, den mehrere Trainer am Ort gegründet hatten. Es war eine großartige Chance, aber es war auch ein Problem dabei — viele Wettbewerbe fanden am Sonntag statt. Deshalb trat Davy nicht in den Verein ein.

Als Davy auch im nächsten Jahr nicht in den Verein eintreten wollte, nahmen die Trainer an, mein Mann und ich wollten ihn davon abhalten. Aber wir teilten ihnen mit, Davy habe sich selbst entschieden.

Davy erklärte den Trainern: „Ich würde wirklich gerne in den Verein eintreten, aber sonntags laufe ich nicht.”

Bis zum sechsten Schuljahr war Davy schon ein so guter Läufer geworden, daß er hei jedem schulischen Wettbewerb unter den ersten Drei war. Wieder wurde er aufgefordert, dem Verein beizutreten. Diesmal war noch ein weiterer Anreiz dabei — die Jungen hatten vor, in den ganzen Vereinigten Staaten umherzureisen und an der Landesfinale für ihre Altersklasse teilzunehmen. Die Trainer und die Mannschaft wünschten sich sehr, daß Davy mitmachte.

Davy empfing in dem Jahr das Priestertum und wurde zum Diakon ordiniert. Als er uns von der Einladung des Leichtathletikvereins erzählte, fragten wir nur: „Und was ist mit deinen Priestertumsaufgaben!”

Davy antwortete dem Verein: „Ich muß sonntags in der Kirche sein.”

Der Verein kam ins Landesfinale und trat gegen Mannschaften aus dem ganzen Land an und gewann; jetzt waren sie US-Meister. Als die Jungen nach Hause kamen, waren die Schule, die Eltern und die Trainer völlig aus dem Häuschen. In der Schule fand eine Versammlung statt, zu der auch Zeitungsreporter und Leute vom Fernsehen kamen. Die Jungen wurden einer nach dem anderen aufgerufen, und das Publikum klatschte laut.

Davy saß da und sah zu, wie die Jungen die Anerkennung erhielten, die auch er hätte bekommen können, wenn er sich anders entschieden hätte. Mir tat das Herz weh, als ich die Tränen in seinen Augen sah. Ich klopfte ihm auf die Schulter, und wir verließen die jubelnde Menge. An einer abgeschiedenen Stelle nahm ich ihn fest in die Arme, und wir weinten beide ein bißchen. Dann erklärte ich ihm, wie stolz ich auf ihn sei. Davy hatte das getan, was der himmlische Vater von ihm erwartete. Die Bewunderung der Menge und die Anerkennung der Welt besitzen große Anziehungskraft, aber mit unserem ewigen Fortschritt haben sie wenig zu tun.


SonntagMai93-Bild.jpg
Ein paar Tage darauf erzählte ich einer Freundin davon. Kurz danach schickte sie ihm einen Brief, zusammen mit einer Trophäe. Darauf war eingraviert: „Für Davy, einen jungen Champion.”

In dem Brief stand: „Du hast Entscheidungsfreiheit bekommen. Danke für dein Beispiel. Du bist wahrhaftig ein Champion.”

 

Susan E. Tanner; Mai 1993

 

von Bettina
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Monday, 11. february 2008 1 11 /02 /Feb. /2008 18:05

Das Einhalten des Sabbats ist keine Einschränkug, sonder ein Schutz und eine Quelle der Kraft. Der Herr erkl#rte Mose auf dem Berg Sinai noch einmal, wie wichtig dieser Tag ist, und gebot dem Volk Israel: Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!"

Immer wieder, von Generation zu Generation, tauchen diese Fragen auf: Warum können wir am Sonntag nicht das gleiche tun wie an den anderen Tagen? Was nützt es einem, wenn man den Sabbat heilig hält?

Das sind keine Fragen, die nur von Kindern gestellt werden, die zu klein sind, um zu begreifen, welchen Lohn es mit sich bringt, wenn wir die Gebote des himmlischen Vaters befolgen. Ein Student meinte: „Es fällt mir immer schon schwer, zu begreifen, wofür der Sonntag eigentlich da ist. Es ist anscheinend der einzige Tag in der Woche, an dem ich nichts mit meinen Freunden unternehmen kann. Ich war schon in Familien, wo die Kinder am Sonntag überhaupt nichts tun dürfen. Das schafft doch bloß eine feindselige Stimmung.”

Ein zurückgekehrter Missionar gab zu: „Ich mache mir Gedanken, weil ich seit meiner Rückkehr von Mission so wenig geistigen Fortschritt mache, und ich glaube, das liegt teilweise daran, daß ich den Sonntag nicht so begehe, wie ich sollte. Ich bin sicher, daß es noch mehr Mitglieder gibt, für die der Sonntag einfach bedeutet, daß sie drei Stunden in den Versammlungen sitzen, nicht einkaufen und nicht arbeiten und daß sie am Fastsonntag das Frühstück auslassen. Ich habe das Gefühl, daß viel Verwirrung darüber herrscht, wie man den Sonntag richtig lebt.”

Der Herr erklärte Mose auf dem Berg Sinai noch einmal, wie wichtig dieser Tag ist, und gebot dem Volk Israel: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!”

 

DIE ANWEISUNGEN IN DEN HEILIGEN SCHRIFTEN

Nachdem Gott die Erde erschaffen hatte, segnete er seinen Ruhetag — den siebten Tag — und erklärte ihn für heilig (siehe Genesis 2:2,3). Als er Mose auf dem Berg Sinai noch einmal erklärte, wie wichtig dieser Tag sei, gebot er dem Volk Israel: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!” (Exodus 20:8; Hervorhebung hinzugefügt.) Das Wort gedenke ist wichtig — wir sollen an diesen Tag denken. Die meisten von uns müssen täglich daran erinnert werden, den Herrn und sein Werk im Herzen zu behalten, zum Beispiel durch das Beten und das Schriftstudium, aber wir brauchen auch einen ganzen Tag von den sieben Tagen, an dem wir ihm unsere Aufmerksamkeit und unser Herz ganz zuwenden—an dem wir von weltlichen Dingen ausruhen, die bei vielen auf der Prioritätenliste ganz oben stehen.

Im Hebräischen bedeutet Sabbat „Ruhe” oder „mit der Arbeit aufhören”. Wir sollen aber nicht bloß aufhören, zu arbeiten, sondern den Tag für heilig erklären, ihn heilig machen. Das tun wir, indem wir uns bemühen, Gott näher zu kommen, indem wir ihn verehren und indem wir unseren Mitmenschen dienen.

 

EIN GESETZ FÜR ALLE ZEIT

In alter Zeit waren die Israeliten als Volk bekannt, das einen von sieben Tagen zur Ruhe und Gottesverehrung bestimmt hatte. Der Herr sagte: „Die Israeliten sollen also den Sabbat halten, indem sie ihn von Generation zu Generation als einen ewigen Bund haken. Für alle Zeiten wird er ein Zeichen zwischen mir und den Israeliten sein." Exodus 31:16.17.)  Die Strafe für die Mißachtung dieses Gesetzes zum Sabbat war der Tod (siehe Exodus 31:14,15; 35:2; Numeri 15:32-36).

Heuie steht auf die Entweihung des Sabbats nicht mehr die Todesstrafe. Aber genauso wie die Israeliten, die in alter Zeit das Gesetz übertraten, aus dem Lager Israel ausgeschlossen wurden, sagen die heutigen Kinder Gottes, die das Gebot bewußt mißachten, sich vom Geist ios und bringen eine Art geistigen Tod über sich.

Zur Zeit des Neuen Testaments waren die Juden dafür bekannt, daß sie das Sabbatgesetz strikt befolgten. Als Jesus getadelt wurde, weil ei den Sabbat: angeblich entweiht hatte, verurteilte er die pedantischen und übertriebenen Zusätze zu seinem Gesetz aus alter Zeit. „Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat", sagte er (Matthäus 12:8). Außerdem sagte er: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat." (Markus 2:27.)

Durch sein Beispiel zeigte der Erretter, wie wir den Sabbat heilighalten können; es ist erlaubt, anderen am Sabbat zu helfen, so wie er es getan hat (siehe Matthäus 12:10-13), sich der Grundbedürfnisse anzunehmen und Kummer zu lindern (siehe Lukas 13:11-16) und sogar Lebewesen aus Gefahr zu befreien (siehe Lukas 14:5). Er zeigte auf, daß der Schlüssel zur rechten Sabbatheiligung wie beim Befolgen anderer Grundsätze des Evangeliums in unserem Herzen zu finden ist. Wenn wir den Herrn lieben, werden wir den Sabbat gar nicht in irgendeiner Weise entweihen wollen.

Aus Liebe zum Herrn begannen die Urchristen, den Sahbat am „Tag des Herrn" (Offenbarung 1:10) zu feiern, „am ersten Wochentag" (Apostelgeschichte 20:7), um an das größte Ereignis seit der Erschaffung der Welt - die Auferstehung ihres Schöpfers - zu erinnern. Die Heiligen der Letzten Tage sind schon häufig aufgefordert worden, dem Herrn ihre Liebe zu erweisen, indem sie den Sabbat heilighalten. 1993 hat die Erste Präsidentschaft beispielsweise den folgenden Rat gegeben:

„Wir haben das Gefühl, daß viele Heilige der Letzten Tage in der Beachtung des Sabbats etwas lau geworden sind. Wir sollten am Sabbat nicht einkaufen und uns auch nicht an anderen kommerziellen und sportlichen Aktivitäten beteiligen, mit denen der Sabbat heute so häufig entweiht wird.

Wir fordern alle Heiligen der Letzten Tage auf, diesen heiligen Tag aus allen weltlichen Aktivitäten herauszuheben und sich zu weihen, indem sie den Geist der Gottes Verehrung und Danksagung, des Dienens und der familienbezogenen Aktivitäten pflegen, wie sie für den Sabbat angemessen sind. Wenn die Mitglieder der Kirche bestrebt sind, das, was sie am Sabbat tun, auf die Absicht und den Geist des Herrn auszurichten, wird ihr Leben von Freude und Frieden erfüllt sein." (Ensign, Januar 1993, 80.)

 

RICHTLINIEN FÜR DEN SABBAT

Die Propheten in alter und neuer Zeit haben nicht in allen Einzelheiten gesagt, was wir am Sabbat tun müssen beziehungsweise nicht tun dürfen, aber sie haben uns Schriftstellen genannt, die als allgemeine Richtlinien fungieren. Einige davon wollen wir hier betrachten.

Der Prophet Jesaja hat eine der deutlichsten und am besten formulierten Richtlinien für die Heilighaltung des Sabbats gegeben: „Wenn du am Sabbat nicht aus dem Haus gehst und an meinem heiligen Tag keine Geschäfte machst, wenn du den Sabbat (den Tag der) Wonne nennst, einen Ehrentag den heiligen Tag des Herrn,
wenn du ihn ehrst, indem du keine Gänge machst, keine Geschäfte betreibst und keine Verhandlungen führst." (Jesaja 58:13.)

Nehemia, der Gouverneur der persischen Provinz Juda im fünften Jahrhundert v.Chr. war ein geistig gesinnter und demütiger Führer, der unerschrocken für die Israeliten eine Reform in Gang setzte. Unter seiner Führung gingen die Juden, die aus dem Exil in ihre Heimat zurückgekehrt waren, einen Bund ein, in dem sie Gott Gehorsam gelobten und sich unter anderem zu folgendem verpflichteten: „Wenn die Völker des Landes Waren, besonders Getreide jeder Art, am Sabbat zum Verkauf anbieten, werden wir ihnen am Sabbat oder an einem anderen heiligen Tag nichts abnehmen. (Nehemia 10:32.)

Als manche Händler dann doch weiterhin am Sabbat ihren Geschäften achgingen, bewies Nehemia ihnen, daß es ihm ernst damit war, den Tag des Herrn zu ehren:

„Da machte ich den Vornehmen von Juda Vorwürfe und sagte zu ihnen: Wie könnt ihr eine solche Untat begehen und den Sabbat entweihen?

Haben das nicht schon eure Väter getan? Dafür ließ unser Gott all dieses Unheil über uns und diese Stadt kommen. Wollt ihr neuen Zorn über Israel bringen, indem ihr den Sabbat entweiht?

Ich ließ von da an vor dem Anbruch des Sabbats, wenn es in den Toren Jerusalems dunkel wurde, die Tore schließen und befahl, sie erst nach dem Sabbat wieder zu öffnen. Auch stellte ich einige meiner Leute an die Tore, damit am Sabbattag keine Lasten hereingebracht wurden. (Nehemia 13:17-19.)

Ich habe vor kurzem von einer Geschichte aus der heutigen Zeit erfahren, die so ähnlich ist wie die Begebenheit aus der Zeit des Alten Testaments.

Ein Ehepaar,
Mitglieder der Kirche, kaufte ein Restaurant, das bisher nicht sehr erfolgreich gewesen war. Sie hatten aber einige Veränderungen vor, um den Betrieb neu zu beleben. Der Sonntag war einer der Tage gewesen, an dem das Restaurant immer voll gewesen war, und manche ihrer Bekannten — darunter ein guter Freund, der ihnen Geld geliehen hatte, damit sie das Restaurant kaufen konnten — rieten ihnen dringend, das Restaurant auch am Sonntag offen zu halten. Die beiden überlegten hin und her, ob sie das Restaurant am Sonntag schließen sollten; schließlich widersprach es den geschäftlichen Gepflogenheiten. Aber schließlich entschieden sie sich für den sonntäglichen Ruhetag; sie wollten nach ihrem Glauben leben und dem Herrn vertrauen. In den darauffolgenden Monaten gingen die Einnahmen sofort nach oben, und seitdem ist das Geschäft stetig besser geworden.

Die Erfahrung dieser beiden sowie die Erfahrungen anderer lehren uns, daß der Herr diejenigen, die seine Gebote befolgen, belohnt. So wie er den Israeliten zur Zeit des Mose verhieß, sie würden am Tag vor dem Sabbat zweimal soviel Manna auflesen (siehe Exodus 16:29) und im sechsten Jahr eine reiche Ernte einbringen, so daß für das siebte und achte Jahr gesorgt war (siehe Levitikus 25:3–7, 20—22), so kann er in einem Restaurant der heutigen Zeit dafür sorgen, daß das Geschäft am Freitag und Samstag so gut läuft, daß das, was man am Sonntag hätte einnehmen können, auch hereinkommt — oder sogar noch mehr.

Wir dürfen natürlich nicht annehmen, daß wir immer in finanzieller Hinsicht gesegnet werden, wenn wir den Sabbat ehren. Manchmal müssen wir finanzielle Schwierigkeiten durchmachen, auch wenn wir nach dem Evangelium leben. Aber wenn wir das Gesetz des Sabbats befolgen, segnet der Herr uns mit dem, was er für uns am besten erachtet.

 

SCHUTZ VOR DEM BÖSEN

In unserer Zeit hat der Herr uns erklärt, daß wir, wenn wir den Sabbat heilighalten, besser vor dem Bösen in der Welt, die ja in geistiger Hinsicht immer mehr verfällt, geschützt sind. In einer Offenbarung an Joseph Smith hat der Herr das vierte Gebot folgendermaßen umformuliert: „Und damit du dich selbst noch mehr von der Welt unbefleckt halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens gehen und deine heiligen Handlungen darbringen.” (LuB 59:9; Hervorhebung hinzugefügt.)

Hier finden wir einen inspirierten Plan für Schutz vor Unmoral, Auflehnung, der Zerrüttung der Familie und vor anderen geistigen Gefahren, die uns bedrohen: jeden Sabbat können wir das Abendmahl nehmen, und dazu gehört, daß wir regelmäßig Umkehr üben und geloben, uns rein und „von der Welt unbefleckt” zu halten Der Herr fährt fort: „Denn wahrlich, das ist der Tag der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest.” (LuB 59:10.) Wenn wir den Sabbat dazu nutzen, den Herrn aufrichtig zu verehren, wenn wir uns und unsere Kraft dem Dienst an Gott und unseren Mitmenschen weihen, bewahren wir uns vor dem Bösen um uns herum.

„Denke daran: An diesem Tag, am Tag des Herrn, sollst du dem Allerhöchsten deine Gaben und deine heiligen Handlungen darbringen und deinen Brüdern sowie vor dem Herrn deine Sünden bekennen.” (LuB 59:12.) Die Gaben, die wir dem Herrn darbringen können, sind unsere Zeit, unsere Talente, unsere Habe — für Gott und unsere Mitmenschen genutzt. Aus diesem Schriftvers geht hervor, daß wir uns nicht nur schürzen, indem wir alles, was wir haben, dem Dienst des Herrn weihen, sondern auch indem wir ihm, denen, die wir beleidigt haben, und, wo dies angemessen ist, auch den dazu bestimmten Dienern des Herrn, unsere Sünden bekennen.

Der Herr definiert weiter, was an seinem heiligen Tag annehmbar ist: „Und an diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzenslauterkeit deine Speise bereiten, ... damit deine Freude vollständig sei.” (LuB 59:13.) Hier haben wir ein konkretes Beispiel dafür, wie wir diesen Tag heilighalten können: wir sollen unsere Essenszubereitung einfach halten, damit wir Gott verehren können, statt uns um unsere physische Befriedigung zu kümmern.

Aber es gilt noch mehr zu bedenken. Elder Mark E. Petersen vom Kollegium der Zwölf hat einmal die Bedeutung des Gebots erklärt: „An diesem Tag sollst du nichts anderes tun.”

,Wenn wir am Sonntag nichts anderes tun sollen, als den Tag heiligen Zwecken zu weihen, wie steht es dann tun uns, wenn wir uns dafür entscheiden, am Sonntag unseren Geschäften nachzugehen, oder wenn wir am Sonntag einkaufen gehen oder wenn wir am Sonntag Vergnügungsstätten aufsuchen?

Wir wissen, daß es Menschen gibt, die in bestimmten wesentlichen Dienstleistungsbereichen arbeiten, zum Beispiel im Krankenhaus und in anderen Einrichtungen, die 24 Stunden am Tag in Betrieb sind, und die daran nichts ändern können. Von ihnen ist nicht die Rede. Aber die meisten Menschen haben keinen solchen Beruf und können sich ihre Zeit einteilen.

Würden sie am Sonntag lieber Ski fahren oder schwimmen oder ins Kino gehen oder ihren Geschäften nachgehen, statt in die Kirche zu gehen? Wenn die Antwort ja lautet, sollten sie sich fragen, ob sie wirklich schon so weit vom Glauben abgekommen sind und ein anderes Evangelium angenommen haben – ein Evangelium des Sonntagsvergnügens und der sonntäglichen Geschäfte. .. .

Die Art, wie wir den Sabbat verbringen, ist ein Zeichen für unsere innere Einstellung gegenüber Gott.

Die Art, wie wir den Sabbat begehen, ist ein Anzeichen dafür, wie tief unsere Bekehrung geht." (Ensign, Mai 1975, 49; Hervorhebung hinzugefügt.)

Elder Spencer W. Kimball vom Kollegium der Zwölf hat zur rechten Sabbatheiligung, die folgenden Vorschläge geäußert:

„Der Sabbat ist ein heiliger Tag, an dem man sich entsprechend heilig beschäftigen soll. Sich von Arbeit und Vergnügungen fernzuhalten ist wicht:g, aber nicht genug. Der Sabbat verlangt konstruktives Denken und Handeln, und wenn jemand an dem Tag nur faulenzt und nichts tut, so begeht er eine Übertretung. Wer den Sabbat hält, wird zum Beten niederknien, einen Unterricht vorbereiten, das Evangelium studieren, Kranke und Betrübte besuchen, schlafen, wertvolle Lektüre lesen und alle Versammlungen besuchen, zu denen er erwartet wird. Wenn man das, was recht ist, nicht tut, übertritt man durch Unterlassung.” (The Miracle of Forgiveness, 1969, 96f)

Elder L. Toni Perry vom Kollegium der Zwölf hat die Meinung geäußert, daß selbst die Art, wie wir uns kleiden, einen Einfluß auf unsere Einstellung und unsere Neigungen am Tag des Herrn hat: „Ich frage mich häufig, was aus der guten alten Sonntagskleidung geworden ist. Wenn man sich so kleidet wie alle Tage, paßt sich anscheinend auch das Verhalten der Kleidung an.

Natürlich erwarten wir von unseren Kindern nicht, daß sie den ganzen Tag ihre Kirchenkleidung tragen, aber wir erwarten auch nicht, daß sie etwas anziehen, was dem Sabbat nicht angemessen ist.” (Ensign, November 1984, 19.)

 

EINE QUELLE DER SEGNUNGEN

Denen, die den Sabbat einen Tag der Wonne nennen und ihn zum heiligen Tag erklären, sind große Segnungen verheißen: „Und wenn ihr dies mit Danksagung tut, mit fröhlichem Herzen und Angesicht ... so gehört euch die Fülle der Erde ... und alles Gute, was aus der Erde kommt.” (LuB 59:15–17.)

Manchmal treten die Segnungen nicht sofort ein; es kann uns sogar große Opfer abverlangen, wenn wir zu unserem Glauben stehen. Aber dafür, daß wir den Sabbat so verbringen, wie es dem Geist dieses Tages entspricht, sind uns Freude und Frieden verheißen und daß sich für uns alles zum Guten auswirkt (siehe LuB 98:3).

Vor mehreren Jahren schrieb mir eine Studentin, die am Jerusalem-Center der Brigham Young University studiert hatte, kurz nach ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten. Sie berichtete von einer großen Herausforderung in bezug auf die Sonntagsarbeit: „Mit das Schwerste war, daß ich meinem Chef sagen mußte, daß ich nicht mehr sonntags für ihn arbeiten konnte. Die letzten beiden Sommer hatte es mir nichts ausgemacht, sonntags zu arbeiten, aber aufgrund der Einsicht, die ich seitdem gewonnen habe, könnte ich das jetzt nicht mehr rechtfertigen.”

Ihre Bewunderung für ihren Chef machte es ihr schwer, es ihm zu sagen. „Ich glaube, ich wollte es ihm deshalb nicht sagen, weil er zu mir so gut gewesen ist. Ich konnte mich immer darauf verlassen, daß ich dort einen Job hatte.”

Sie brauchte drei Tage, darunter einen Fasttag, um den Mut aufzubringen. „Ich wollte bloß, daß er meine Einstellung verstand. Ich nahm eine geschnitzte Figur aus Ölbaumholz als Friedensangebot mit — für alle Fälle. Natürlich drehte das Gespräch sich um Jerusalem und uni alles, was ich in Israel gemacht hatte. Ich versuchte, ihn darauf vorzubereiten, warum ich sonntags nicht mehr arbeiten konnte.

Wir kamen schließlich auf meine Arbeit zu sprechen. Meine Nerven hielten nicht durch, und meine Stimme zitterte ein bißchen, aber schließlich konnte ich über meine Gefühle sprechen. Der Geist muß mit mir gewesen sein, denn er hatte Tränen in den Augen, und auch ihm fiel das Sprechen schwer. Er erklärte mir, er respektiere meine Entscheidung und sei froh, daß ich zu meinem Glauben stände.

Er erklärte mir auch, seine Glaubensvorstellungen seien etwas anders und er müsse gerecht sein und alle seine Angestellten gleich behandeln. Er sagte nicht eindeutig, daß ich nicht mehr für ihn arbeiten konnte, aber wir wußten es beide. Ich hatte ein Gefühl, als sei mir eine schwere Laste von den Schultern genommen worden. Ich habe jetzt keine Arbeit, aber das ist in Ordnung; irgend etwas wird sich schon finden."

 

DER SABBAT UNSERER ZUKUNFT - HEUTE

Zur Vorbereitung auf das Millennium können die Heiligen der Letzten Tage schon jetzt darauf hinarbeiten, daß sie ein Volk werden, das im Herzen rein ist und den Willen Gottes tut. Ein solches Volk beachtet den Sabbattag, das es ihn heilighält (siehe LuB 68:29). Wie wird der Sabbat im Zion des Millenniums aussehen?

Aus dem, was geschrieben steht, geht hervor, daß es am Tag des Herrn keine körperliche Arbeit gehen wird, keine Einkäufe, keine offenen Geschäfte und keine Sportveranstaltungen oder andere Vergnügungen. Wir erwarten auch, daß die Menschen in Zion sich am Abend vorher nicht überarbeiten oder so lange aufbleiben, daß sie am Sabbat völlig erschöpft sind.

Vielmehr werden diese Heiligen ihre Versammlungen in der Kirche besuchen, allein und mit ihrer Familie die heiligen Schriften studieren und darüber nachsinnen und andere aufbauende Literatur lesen. Wir würden wahrscheinlich sehen, daß sie an ihrer Lebensgeschichte und an ihrer Familiengeschichte schreiben, daß sie andere aufbauen, die Kranken besuchen, sich mit Genealogie und Missionsarbeit beschäftigen, singen und sich inspirierende Musik anhören und noch vieles mehr tun, so wie der Geist des Herrn es ihnen eingibt. Indem sie den Sabbat heilighalten und den Herrn des Sabbat ehren, werden sie gewiß mit dem Frieden und der Freude, die er verheißen hat, gesegnet.

Erscheint Ihnen das wie ein schönes Bild des Sabbat? Das Erstaunliche daran ist, daß wir es nicht erst im Millennium zu erleben brauchen. Wenn wir es wollen, kann es für uns schon am kommenden Sonntag Wirklichkeit werden - und wir werden die Segnungen für den Gehorsam sofort erhalten.



 D. Kelly  Ogden,  Mai  1998

von Bettina
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Sunday, 3. february 2008 7 03 /02 /Feb. /2008 07:03

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„Bist du wahnsinnig?" tobte Erroll Bennetts Vater, als er von der Absicht seines Sohnes erfuhr, sich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage anzuschließen. „Bist du völlig verrückt geworden? Du mußt doch alles aufgeben - alles, wofür du gearbeitet hast. Du weißt wohl nicht, was du tust!"

Die Einwände seines Sohnes fegte er vom Tisch und blieb fest: „Wenn du das tust, kenne ich dich nicht mehr. Nimm alles in diesem Haus, was dir gehört, und komm mir nicht mehr über diese Schwelle." Es war natürlich nicht das erste Mal, daß schwerwiegende Zweifel jemand daran hinderten, das Evangelium anzunehmen. Hier ging es aber um mehr als nur den Widerstand gegen eine neue religiöse Lehre.

Daß Erroll Bennett sich der Kirche anschloß, hätte durchaus das Ende seiner aufsehenerregenden Karriere als Spitzenstar des tahitischen Fußballs bedeuten können. Auf dieser südpazifischen Insel hat der Fußball eine ähnliche Bedeutung wie etwa in Südamerika oder in Teilen Europas. Er hat in Tahiti weit mehr Anhänger als jede andere Sportart, und für viele Fans ist dieser Sport ihr Leben. Ein Fußballstar ist ein gefeierter Nationalheld. Erroll Bennett hatte mit 27 Jahren diesen Status als Mannschaftskapitän der ersten Garnitur der Tahiti Honours Division schon erreicht. Jedes Kind kannte seinen Namen, und vieles deutete darauf hin, daß er sich lange an der Spitze halten würde. Sein eher schmächtiger Körperbau und seine Körpergröße von 1,75 m ließen nicht erahnen, wie er das Feld beherrschte. Außerdem schienen sein häufiges Lächeln und seine ruhige Art mit den Schlagzeilen in den tahitischen Zeitungen völlig im Widerspruch zu stehen; „Bennett, Terror des Stadiums", ,,Bennett ohne Gnade". „Bennett: Bester Torschütze der Saison".

Während er an dem Abend im Jahr 1977 mit seiner Frau zum Haus seiner Eltern unterwegs war und überlegte, wie er ihnen die Neuigkeit beibringen sollte, dachte er an die jüngsten Ereignisse, die sein Leben so dramatisch verändert hatten.

Da es in Tahiti keinen Profisport gibt, hatte Bennett tagsüber in der Hauptstadt Papeete als Polizist gearbeitet. Ein Freund in der Finanzabteilung der Stadtverwaltung hatte ihn mit der Kirche bekanntgemacht. Es handelte sich um Lysis Terooatea, den Bischof der 3. Gemeinde im Pfahl Tahiti. Er hatte den Fußballspieler mit seiner Frau zum Familienabend eingeladen.

Den Bennetts hatte der Abend gefallen. Der Film „Des Menschen Suche nach Glück", hatte sie tief beeindruckt. Es folgten weitere Einladungen, und das Interesse der Bennetts wuchs. Später erzählte Bruder Bennett: „Der Bischof erläuterte die Evangeliumsgrundsätze mit großer Klarheit, Meine Frau und ich spürten im Innersten, daß die Taufe notwendig ist,"

Diese Entscheidung hatte in Erroll Bennetts Fußballklub Central, Tabellenführer der Honours Division, wie eine Bombe eingeschlagen, und das hatte nichts mit religiöser Intoleranz zu tun. In Tahiti wie an vielen anderen Orten im Südpazifik finden Fußballspiele nur am Sonntag statt. Die Leute im Klubvorstand wußten, daß Mormonen am Sonntag anderes zu tun haben, als Fußball zu spielen. Bennetts Entscheidung, ein Heiliger der Letzten Tage zu werden, war also fast mit Sicherheit gleichbedeutend mit dem Ende seiner Karriere.

Das mit dem Sonntag stimmte, Erroll Bennett verkündete bereits, daß er am Sonntag nicht mehr spielen würde, wenn er sich taufen ließe. Die Kirche würde für ihn an erster Stelle stehen - noch vor seinem geliebten Fußball. Verzweifelt hatte Napoleon Spitz, Präsident des Central-Klubs und FB-Ligapräsident, ein sehr einflußreicher und mächtiger Mann im tahitischen Sport, den damaligen Pfahlpräsidenten des Pfahls Tahiti und jetzigen Regionalrepräsentanten Victor D. Cave angerufen. Er fragte, ob es denn keine Möglichkeit gäbe, Erroll Bennett für Spiele am Sonntag freizustellen. Es ging ja nicht nur um Fußball, sondern um den Nationalstolz Tahitis. Die Antwort des Pfahl Präsidenten war höflich, aber bestimmt: „Fragen Sie ihn selbst. Es ist seine Entscheidung, sich taufen zu lassen, und er wird Ihnen sagen, wie er darüber denkt."

Das alles war aber nicht halb so schwierig wie die Aussicht, seinem Vater gegenübertreten zu müssen, den er sehr liebte und respektierte, und der auf die sportliche Leistung seines Sohnes überaus stolz war.

Wenn man Bruder Bennett heute zuhört, wie er diese Situation schildert, wird einem klar, daß sie ihn tatsächlich zutiefst getroffen hat. Er hatte zu seinen Eltern immer ein enges Verhältnis gehabt, aber nun war sein Vater unerbittlich. „Du hast zwischen uns eine Mauer errichtet. Ich möchte mit dir nichts mehr zu tun haben." Außerdem wollte er auch das dritte Kind seines Sohnes nicht sehen, das Baby, das seine Frau damals erwartete, Bennett und seine Frau verließen das Haus seiner Eltern unter Tränen. Sie waren zutiefst unglücklich, wußten aber, daß sie sich nicht vom Evangelium abwenden konnten. Jetzt mußte es sich zeigen, ob ihre Überzeugung jedem Druck standhalten konnte.

Obwohl Bennett noch kein Mitglied war, wandte er sich an seinen Freund, Bischof Terooatea, um Rat. Der Fußballspieler erinnert sich gern daran, wie ihm der Bischof zuhörte und ihn dann drängte, den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun. Er riet ihm, mit der Taufe noch bis nach diesem letzten Versuch zu warten. Dann erklärte er ihm, was ein Priestertumssegen ist und wie ihm die Vollmacht des Priestertums helfen könne. An diesem Abend bekam Erroll Bennett seinen ersten Priestertumssegen, und zwar von seinem alten Freund, dem Fußballenthusiasten Noel Tarati. Bruder Tarati gab ihm ruhig die Verheißung, daß sein Vater ihn empfangen würde, wenn er zu ihm ginge, auch wenn harte Worte gefallen waren.

Am nächsten Tag fuhr er wieder zu seinem Vater. Als er sich dem Haus näherte, sah er seinen Vater an der Gartentür stehen. Er hatte Tränen in den Augen. „Verzeih mir, Erroll", sagte er. „Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich immer an dich denken mußte. Wenn du nicht hergekommen wärst, wäre ich zu dir gekommen." Dann fuhr er fort: „Du weißt, daß Tausende Menschen von dir enttäuscht sein werden. Wenn du am Sonntag nicht spielst, ist das das Ende deiner Laufbahn, Dir ist doch klar, daß Napoleon Spitz nicht den ganzen Spielkalender umstoßen wird, nur um es dir recht zu machen. Trotzdem, die Entscheidung liegt bei dir. Ich bitte dich nur, daß du dieses Thema nie wieder anschneidest. Es ist erledigt." Obwohl die Beziehung zu seinem Vater heute genau so eng ist wie eh und je, übten beide Seiten der Familie bis zum Tag der Taufe Druck auf ihn aus. ,.Ich weiß noch, was ich an diesem Tag empfunden habe", sagt Bruder Bennett heute. „Wir waren großem Druck ausgesetzt, und wir wußten, was wir zu tun hatten. Trotzdem hatte ich irgendwie das Gefühl, daß ich eine letzte Bestätigung brauchte, ein letztes Zeichen vom Herrn, daß alles in Ordnung war und wir den Schritt tun sollten.

Ich ging auf den Berg in der Nähe meines Hauses, wo ich immer jogge, und dort schüttete ich dem himmlischen Vater mein Herz aus. Ich bat um eine Bestätigung, vielleicht um irgendeine Botschaft, daß ich im Begriff war, den richtigen Schritt zu tun. Auf dem halben Rückweg den Berg hinab sprach ich dasselbe Gebet noch einmal.

Als ich mein Haus erreichte, sah ich ein Auto davor stehen. Es gehörte Gabriel Vaianui, einem seit etwa zehn Jahren inaktiven Mitglied. Er besuchte nur hin und wieder die Versammlungen. Er war auf dem Markt gewesen und hatte jemand sagen hören, daß sich Erroll Bennett doch nicht der Mormonenkirche anschließen werde. Daher war er hergekommen, um selbst herauszufinden, was nun stimmte."

Er erkannte Bruder Vaianui als den Überbringer der Botschaft, die er gesucht hatte, und fragte ihn: „Gabriel, soll ich mich heute taufen lassen?" Ohne Zögern kam die Antwort: ,,Erroll, was immer du auch tust, du mußt dich taufen lassen! Kehre der Kirche nicht den Rücken." Bruder Bennett ist heute dankbar für Gabriel Vaianuis Rat. ,,Genau das hatte ich gebraucht - den kleinen Anstoß, der mir den fehlenden Mut gab,"

Die Taufe fand wie geplant statt, und hinterher hatte Erroll Bennett Zeit zum Nachdenken. Vom Fußballklub meldete sich niemand mit Glückwünschen oder Kritik, und am Ende dieses stillen Abends hatte er seine Entscheidung getroffen. Es half nichts, sich über einen ungewissen Kompromiß den Kopf zu zerbrechen, und es hatte auch keinen Sinn zu trainieren, wenn er sonntags doch nicht spielen würde. Am nächsten Tag würde er mit Napoleon Spitz sprechen und sich vom aktiven Fußball zurückziehen. Seine Position stünde dann einem anderen hoffnungsvollen Spieler offen. Spitz reagierte in unerwarteter Weise, „Warte ein paar Tage", sagte er. „Warte die Ligasitzung ab, die diese Woche stattfindet." Als Bennett ein paar Tage später den neuesten Stand der Dinge erfuhr, traute er seinen Ohren nicht. Napoleon Spitz hatte den Vorstandsmitgliedern der Liga mitgeteilt, daß Tahiti Central in Zukunft nicht mehr am Sonntag spielen würde. Er erklärte, die Spiele am Sonntag hielten die Mannschaft davon ab, mit ihren Familien zusammen zu sein, und das sei ein untragbarer Zustand. Central würde also am Sonntag nicht mehr spielen, was immer auch die andren Mannschaften täten.

Es wurde abgestimmt, und die Entscheidung war einstimmig. Von nun an würden alle Spiele der Honours Divison wochentags abend stattfinden. Michael Ferrand, leitender Sportreporter der tahitischen Tageszeitung „La Depeche", war als Delegierter eines anderen Klubs bei dieser Sitzung dabei und erinnert sich noch gut daran. Er berichtete mit einem Lächeln; „Natürlich kannten wir alle den wirklichen Grund der geforderten Änderung. Napoleon Spitz sprach bei der Sitzung als Delegierter des Central-Klubs. Er nannte ein paar gute Gründe, weshalb diese Änderung vorzunehmen sei - die Spieler stünden wegen ihrer Familien unter Druck, und so weiter —, aber wahrscheinlich wußten alle Anwesenden, daß der Beitritt Erroll Bennetts zur Mormonenkirche die eigentliche Ursache war." Ferrand sagt, daß den Spielern die neue Regelung nur recht war, wenn auch die Reaktion der Öffentlichkeit gemischt war, „Es ist nicht leicht, eine alte Tradition zu ändern", sagte Ferrand. – „Die Leute waren seit Jahren sonntags zum Spiel gegangen, und nun sollten die Spiele plötzlich an einem Wochentag stattfinden. Ein paar Sportreporter waren ein wenig unzufrieden, doch blieb die Kritik eher gedämpft. Man muß bedenken, daß Erroll Bennett in Tahiti ungeheuer populär ist. Kein Sportreporter wird einen Nationalhelden offen angreifen." Seit Erroll Bennetts Taufe im Jahre 1977 spielen alle zwölf Klubs der tahitischen Honours Division nur noch wochentags. Die neue Regelung hat sich so fest eingebürgert, daß sich daran wahrscheinlich auch nichts mehr ändern wird, wenn Bennett nicht mehr Fußball spielt. Michael Ferrand. der auch Führungsekretär des College La Mennais, der größten katholischen Schule in Tahiti ist, freut sich über die Neuerung.

„Ich persönlich finde das gut" sagte er. „Wenn es dazu beiträgt, daß der Sonntag geheiligt wird, umso besser." Natürlich behauptet niemand, daß die Fußballenthusiasten nun statt auf den Sportplatz massenhaft in die Kirche strömen. Aber abgesehen davon, daß die Änderung, zu der Bennetts Taufe vor fünf Jahren den Anstoß gab, auf die Sabbatheiligung aufmerksam gemacht hat, scheint sie sich auch auf den tahitischen Fußball selbst positiv auszuwirken. Napoleon Spitz, der die Auswirkungen wie kein anderer beobachten konnte, macht keinen Hehl aus seiner Meinung: „Es besteht kein Zweifel daran, daß die Mannschaft lieber wochentags spielt. Die Spieler haben festgestellt, daß sie den Sonntag gern mit der Familie verbringen. Sie scheinen auch besser ausgeruht zu sein, und sie trainieren und spielen besser. Vielleicht war die Öffentlichkeit anfangs unsicher, aber ich glaube, die Leute wissen die zusätzliche freie Zeit am Sonntag zu schätzen, wo sie mit der Familie unternehmen können, was sie gern möchten. Es ist für alle von Vorteil."

Bruder Bennetts Grundsatz, am Sonntag nicht zu spielen, bedeutete, daß er in den letzten fünf Jahren lediglich zwei Spiele in Tahiti versäumte, beide im Jahr 1977. Das erste fand am Tag nach seiner Taufe statt, vor der historischen Sitzung der Ligavorstände, bei der die Spielzeiten geändert wurden. Das zweite Spiel war das Finale um den Tahiti-Pokal, einer offenen Ausscheidung für alle 112 tahitischen Klubs. Napoleon Spitz sagt, es sei einfach zu kompliziert gewesen, in diesem ersten Jahr so kurzfristig das Finale auf einen anderen Tag zu verlegen. Im nächsten und in allen weiteren Jahren wurde um den Tahiti-Pokal nie mehr am Sonntag gespielt - wegen Erroll Bennett, Bennetts Festhalten an einem bestimmten Grundsatz wäre allein schon sehr bemerkenswert gewesen, auch wenn es sich in sonst keiner Weise ausgewirkt hätte. Trotzdem wurde seine Überzeugung im Lauf der nächsten paar Jahre immer wieder auf die Probe gestellt, und jedes Mal spielte Napoleon Spitz eine entscheidende Rolle.

Auf Tahiti lebt die Mehrheit der weit verstreuten 150000 Einwohner Französisch-Polynesiens. eines autonomen französischen Territoriums, das seine eigenen Abgeordneten ins französische Parlament wählt. Da Tahiti französisches Territorium und keine unabhängige Nation ist, kann es nicht am Fußball-Weltcup oder an den Olympischen Spielen teilnehmen. Tahiti kann aber an der Südpazifischen Meisterschaft teilnehmen, die alle vier Jahre stattfindet.

Bei der Südpazifischen Meisterschaft, die 1979 in Suva auf Fidschi stattfand, sollte Erroll Benntts Beharren auf der Heitighaltung des Sonntags bemerkenswerte Folgen haben.

Bei den Vorverhandlungen mit Fidschi, die einige Monate vor dem Spiel geführt wurden, hatte Napoleon Spitz erwartet, daß die Sache mit dem Sonntag erneut problematisch werden könnte. Er hatte recht. Fidschi setzte das Endspiel für einen Sonntag an, und die Frage war noch immer ungelöst, als die tahitischen Mannschaften mit Napoleon Spitz ab Leiter in Suva eintrafen. Das Sonntagsproblem war bei dieser Meisterschaft allerdings nicht neu. Tonga und Samoa hatten in früheren Jahren ebenfalls religiös begründete Einwände erhoben, jedoch keine Änderung bewirken können. 1979 kam aber alles anders.

Napoleon Spitz war wohlgerüstet. Er verwies auf eine halb vergessene und lange mißachtete Klausel In den Spielsatzungen für die Südpazifische Meisterschaft, worin es hieß, daß Spiele am Sonntag verboten waren. Spitz bestand darauf, daß diese Klausel befolgt wurde „Der Sonntag wurde vom Spielplan gestrichen", erzählte er. ,,Es wäre für mich untragbar gewesen, wenn Erroll Bennett nicht gespielt hätte, und da er nicht am Sonntag spielte, gab es nur einen einzigen Ausweg. Sie stimmten damals zu, auch die Basketballausscheidung am Samstag durchzuführen, weil in der tahitischen Mannschaft fünf Spieler Mormonen waren.'' Und er lacht über das ganze Gesicht, als er sagt: „Ihr Mormonen habt den Sport im Südpazifik völlig durcheinandergebracht!"

Nach den monatelangen Verhandlungen kam endlich der Tag der Meisterschaft für das Jahr 1979 heran. Die tahitische Fußballmannschaft gewann unter der Führung ihres HLT-Mannschaftskapitäns das Viertelfinale gegen die Neuen Hebriden (nunmehr der unabhängige Staat Vanuatu), nachdem der Spieltermin von Sonntag auf Montag verlegt worden war. Im Halbfinale besiegte Tahiti Neukaledonien. Der Höhepunkt war ein tahitischer Sieg über Fidschi im Finale.

Man könnte meinen, Erroll Bennett sei vielleicht starrköpfig oder sogar eingebildet, weil man ihm aufgrund seines besonderen Könnens so weit entgegenkommt, doch sein Verhalten zeigt keine derartige Einstellung. Auf Fragen antwortet er ruhig, fast schüchtern. Sein jugendhaftes Lächeln täuscht darüber hinweg, daß er ein Mensch ist, der viel denkt und feste Grundsätze hat. Diese Eigenschaft dürfte der Grund dafür sein, daß führende Persönlichkeiten mit großem Durchsetzungsvermögen wie Napoleon Spitz ihn so gern mögen und daß sein Team ihn so respektiert.

Daß Erroll Bennett es mit der Sabbatheiligung ernst meint, steht außer Frage. Wenn er sagt, er versäumt lieber ein wichtiges Spiel, als am Tag des Herrn Fußball zu spielen, so meint er das auch. Dies zeigte sich mehrmals, als er wegen seiner religiösen Überzeugung nicht an internationalen Spielen teilnahm. Diese Spiele fanden jedesmal außerhalb von Tahiti statt, wo der Gastgeber das Recht hatte, den Spieltermin festzusetzen, und keinen Vorteil darin sah, dem Gast Tahiti entgegenzukommen.

Eines der bemerkenswerteseten Erlebnisse ereignete sich 1978 bei der Ausscheidung um den begehrten Frankreich-Cup, an der Manschaften aus ganz Frankrech und den französischen Territorien teilnehmen. Da die tahitische Fußballiga der Feedération Francaise de Football angehörte, spielen auch tahitische Clubs um den Frankreich-Cup.

Einer schon lange praktizierten Übereinkunft gemäß spielen die beiden besten tahitischen Clubs gegen die beiden besten vom Territorim Neukaledonien, das unter französischer Herrscshaft steht. Dabei fällt die Entscheidung, welchen Club aus dem südpazifischen Raum nach Frankreich fährt, um beim jährlichen Frankreich-Cup gegen die französichen Profis anzutreten. Die Ausscheidung findet einmal in Tahiti, einmal in Neukaledonien statt.

 

1978 sollte Tahiti Ceniral, Erroll Bennetts Club, gegen die Neukaledonier spielen, doch das Spiel sollte außerhalb von Tahiti und an einem Sonntag stattfinden. Nicht einmal das Verhandlungstalent des Napoleon Spitz konnte die Neukaledonier dazu bewegen, das Spiel auf einen anderen Tag zu verlegen, und so blieb Bennett dem Spiel fern. Wie er es im Jahr zuvor getan hatte, nachdem er seine Mannschaft bis zur Cupausscheidung geführt hatte. Während sich seine Teamkollegen auf die entscheidende Begegnung später am Tag vorbereiteten, ging er zur Kirche. Als zum Anstoß gepfiffen wurde, war der Mannschaftskapitän des Central Clubs allein in seinem Hotelzimmer.

„Ich werde diesen Tag nie vergessen". berichtet Bruder Bennett. „Gegen Ende des Spiels hatte ich sehr deutlich Gefühl, daß es um uns schlecht stand. Ich überlegte, ob es wohl recht sei, wegen eines Fußballspiels zum Herrn zu beten, doch wußte ich, daß er meine Lage kannte und daß ich mich bemüht hatte, das Rechte zu tun. Schließlich kniete ich mich hin und bat den Herrn, er möge meiner Mannschaft helfen, ihr Bestes zu geben."

Er erfuhr später an diesem Sabbat, daß Central 60 Sekunden vor Spielende 1:2 unterlag und dann auf 2:2 erhöhte. In der folgenden Verlängerung schoß Central das Siegestor, Es war eins der denkwürdigsten Spiele des Clubs.

Im Jahr 1980 wurde Central erneut zu einem Spiel gegen Neukaledonien im Frankreich-Cup eingeladen, und zwar außerhalb Tahitis. Erroll Bennett sträubte sich gegen die Teilnahme. „Es war ein internationales Match", sagt er, „und es war klar, daß es zu bösen Gefühlen kommen würde, wenn wir bis ins Finale gelangten und ich dann wegen eines Spiels am Sonntag ausstieg. Ich schlug vor, daß es für alle Seiten fairer wäre, wenn ich meinen Platz abträte, aber Napoleon Spitz wollte davon nichts wissen. Er redete den Neukaledoniern so lange zu, bis sie am Samstag spielten." Bennett schoß beim Spiel das entscheidende Tor - 4:3.

Da es in Tahiti keinen Profisport gibt, könnte man die Französisch-Poiynesier leicht als unbedeutend für den internationalen Fußball abtun. In Wirklichkeit aber ist gerade das Gegenteil der Fall. Fast 25 Prozent der Bevölkerung sind zahlende Mitglieder von Sportklubs. Tahiti steht, was Können, Taktik und Ausdauer anbelangt, ganz oder doch fast an der Spitze der 14 Nationen und Territorien des Südpazifiks. Erroll Bennett, die Verkörperung des tahitischen Fußballerfolgs, hat bereits erlebt, daß sein Einfluß bis über die Grenzen des eigenen Landes hinaus wirkt.

Bruder Bennett erzählt gern von einem Gespräch, das er während der Südpazifischen Meisterschaft 1979 mit einem Zeitungsreporter führte. Beeindruckt von der Weigerung des Mannschaftskapitäns, am Sabbat zu spielen, bat der Journalist ihn um ein Interview. Während des Gesprächs fragte er: „Welche heute lebende Persönlichkeit bewundern Sie am meisten?"

„Er lehnte sich zurück und wartete auf meine Antwort", erzählte Bruder Bennett. Wahrscheinlich hatte er den Namen irgendeines großen Sportlers erwartet. Stattdessen sagte ich, ich bewunderte am meisten den 83jährigen Spencer W. Kimball, den Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Ich sagte, ich würde ihm gern eines Tages die Hand schütteln. Der Rest des Interviews drehte sich hauptsächlich um die Kirche."

Erroll Bennett konnte Präsident Kimball auch wirklich einmal die Hand schütteln. Am 13. Februar 1981 besuchte Präsident Kimball Tahiti, um den ersten Spatenstich für den Bau des Tahiti-Tempels vorzunehmen.

Erroll Bennett war beauftragt, die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Präsidenten der Kirche zu beaufsichtigen. Heute (1983) ist Bruder Bennett 32 Jahre alt und Vater von fünf Kindern. Er steht noch immer an der Spitze des tahitischen Fußballs. Die Regale im Wohnzimmer seines Hauses am Rande von Papeete sind voll von Fußballtrophäen. Seit zehn Jahren ist er jedes Jahr Torschütze Nummer eins in Tahiti. Es ist interessant, wie sich Bruder Bennetts Mut auf das Ansehen der Kirche im Inselreich ausgewirkt hat. Der Missionspräsident C. Jay Larson hat es nicht versäumt, Bruder Bennett bei Versammlungen einzusetzen, an denen auch Außenstehende teilnehmen. Jean Tefan, der kürzlich entlassene PR-Direktor der Region Tahiti, meint „Natürlich sind nicht alle Leute mit der Einstellung der Kirche zum Sabbat einverstanden. Aber ich glaube, man kann mit gutem Gewissen sagen, daß man uns deswegen respektiert. Viele bewundern die Tatsache, daß es immer noch Leute gibt, die für einen Grundsatz eintreten. Und es gibt heute viele Tahitier - nicht nur Fußballspieler, sondern auch Tausende Fans ‑ die nun den Sonntag mit der Familie verbringen, anstatt zu einem Match zu gehen - und das nur, weil ein Heiliger der Letzten Tage Charakter gezeigt hat."

Die größte Frage ist vielleicht immer noch offen: Warum war ein Mann in der Position von Napoleon Spitz bereit, so weit zu gehen, daß er Erroll Bennett wegen seiner Einstellung zum Sonntag unterstützte, obwohl er seine religiösen Anschauungen nicht teilt? Was bewundert der Präsident des mächtigen Comitee Territorial des Sports, der Französisch-Polynesischen Fußball-Liga und kürzlich gewählte Vizepräsident der französisch-polynesischen  gesetzgebenden Körperschaft an Enrroll Bennett so sehr? „Ich weiß, daß es für Erroll eine Frage tiefster religiöser Überzeugung war, und ich respektierte ihn deswegen", sagt Spitz. Dann lehnt er sich in seinem Stuhl im Amtsbüro im Parlamentsgebäude zurück und sagt mit großer Wärme: „Erroll Bennett ist mehr als nur ein Fußballspieler, Ich halte ihn für den größten tahitischen Fußballstar aller Zeiten - seine Einstellung und sein Geist als Spieler lassen erkennen, daß er ein großer Mann ist. Wenn er diese Eigenschaften hatte, bevor er Mormone wurde, so besitzt er sie jetzt in noch größerem Maß. Er ist in seiner ganzen Karriere nicht ein einziges Mal wegen unfairen Verhaltens verwarnt worden." Niemand kann sagen, wie lange Erroll Bennett noch Fußball spielen wird, doch man hat das Gefühl, daß ein ehrenvoller Abgang vielleicht nicht allzuweit in der Zukunft liegt. Als der Pfahl Tahiti Papeete am 20. Juni vorigen Jahres geteilt wurde, wurde Erroll Bennetts früherer Bischof, Lysis Terooatea, als Präsident des neuen Pfahls Prae berufen, Erroll Bennett als Mitglied des Hohenrates. Wie erwartet, haben für ihn die Sitzungen des Hohenrates Vorrang vor dem Training. Napoleon Spitz hofft, Bennett werde so lange weitermachen, bis die Südpazifische Meisterschaft, die dieses Jahr in Apia auf Samoa stattfindet, vorüber ist.

Bennett sagt über sein eigenes Leben in den letzten fünf hektischen Jahren - über den Druck, dem er ausgesetzt war, die Grundsätze, für die er eingetreten ist. und die Menschen, die er beeinflußt hat: „Ich bin wahrhaftig gesegnet worden."

 


In die Fußstapfen seines Vaters

Er wohnt auf Tahiti und spielt für sein Leben gerne Fußball, manchmal vier Spiele an einem einzigen Tag. Er spielt für die beste Mannschaft Tahitis. Und einer der berühmtesten Fußballspieler Tahitis wohnt im selben Haus wie er. Er nennt ihn Vater.


 

Naea Bennett empfindet das sowohl als Vorteil als auch als Nachteil. Jeder auf Tahiti kennt nämlich Erroll Bennett, Naeas Vater. Als junger Mann war er der beste Fußballspieler Tahitis, vielleicht sogar der beste Spieler im ganzen südpazifischen Raum. Dann lernte er die Kirche kennen und wollte sich taufen lassen. Die Missionare erklärten ihm, daß man den Sabbat heilighalten muß, aber sämtliche Fußballspiele fanden am Sonntag statt. Doch Erroll Bennett und seine Frau wollten sich unbedingt taufen lassen, und deshalb war er bereit, das Fußballspielen aufzugeben. Für ihn stand fest: wenn er sein Leben dem Herrn weihte, dann mußte er auch die Weisungen des Herrn befolgen, nämlich daß der Sabbat Geistigem vorbehalten war.

Erroll Bennetts Entschluß wirbelte viel Staub auf, denn Fußball gehört zu den beliebtesten Sportarten auf Tahiti, und er war der beste Spieler der besten Mannschaft. Seine Verwandten, seine Mannschaftskameraden und auch die Sportfunktionäre bedrängten ihn. Aber als Erroll Bennett sich taufen ließ und ganz deutlich machte, daß er in Zukunft nicht mehr am Sonntag spielen werde, verlegten die Sportfunktionäre die Fußballspiele auf andere Abende, damit Erroll Bennett spielen konnte. Sie änderten den Spielplan so, daß die Spiele, die eigentlich für den Sonntag angesetzt waren, während der Woche stattfinden konnten. Es stellte sich heraus, daß Erroll Bennetts Mannschaftskameraden sich sehr über den freien Sonntag freuten, weil sie dann Zeit für ihre Familie hatten. Nun spielte die Mannschaft noch besser als vorher, und Erroll Bennett schoß noch mehr Tore. Und weil die beste Mannschaft Tahitis nicht am Sonntag spielen wollte, fanden die Meisterschaften eben am Samstag statt. Selbst die Endspiele der Pazifikmeisterschaften wurden verlegt. Ein einziger Mann, der unerschrocken für seine Überzeugung eintrat, brachte es fertig, die Sportgewohnheiten eines ganzen Landes zu verändern.

So ist Erroll Bennett, Naeas Vater, der heute als Präsident des Pfahles Pirae auf Tahiti dient. Und wegen seines Vaters braucht Naea nicht am Sonntag zu spielen. Er mußte nicht eine so schwierige Entscheidung treffen wie sein Vater, ebensowenig die übrigen elf jungen Mitglieder in Naeas Mannschaft. Und Naeas Schwestern haben am Sonntag keine Basketballspiele. Jeder auf Tahiti weiß, daß man einen Heiligen der Letzten Tage gar nicht erst zu fragen braucht, oh er sonntags spielen wird. Wie steht Naea zu der Entscheidung seines Vaters? „Ich bin sehr stolz auf ihn. Es war die richtige Entscheidung, und jeder in Polynesien weiß davon.”

Das ist der Vorteil, wenn man einen berühmten Vater hat. Der Nachteil ist, daß jeder von einem erwartet, daß man genauso gut ist wie er. Präsident Bennett ist sich der Erwartungen, die an seinen Sohn gestellt werden, sehr wohl bewußt. „Die Menschen erwarten von ihm, daß er genauso ist wie ich”, sagt er. „Aber ich sage ihm immer, daß er sich darüber keine Gedanken machen soll. Er soll so spielen, wie er es für richtig hält, und nicht versuchen, jemand anders nachzumachen. Durch das Training, dem er sich unterzieht, wird er dann genau der Spieler, der er sein soll.”

Präsident Bennett spielt noch heute in dem Club, dem auch sein Sohn angehört, und zwar in der Ehrenmannschaft. Aber mit 42 Jahren ist er am Ende seiner Fußballkarriere angekommen, und er sagt, daß er sein Alter schon spürt. Es macht ihm Spaß, die jüngeren Spieler zu trainieren. Aber auf dem Spielfeld will er noch nicht alles seinem Sohn überlassen. Scherzend, aber mit unverkennbarem Stolz in der Stimme kommentiert er das Spiel seines Sohnes: „Er wird es schon schaffen. Ich sage nicht, daß er besser ist als sein Vater, aber er wird es schon schaffen.

Was den Fußball betrifft, tritt Naea in die Fußstapfen seines Vaters. Aber er hat auch noch andere Pläne: „Ich möchte gerne auf Mission gehen.” Erroll Bennett schloß sich der Kirche erst an, als er schon verheiratet war, und ging deshalb nicht auf Mission. Deshalb würde es ihm große Freude machen, seinen Sohn auf Mission zu unterstützen.

In ruhigen Augenblicken sitzen Vater und Sohn zusammen auf der Veranda ihres Hauses, und Präsident Bennett spricht von seiner Lieblingsschriftstelle, nämlich Alma 17:2,3. Dort wird berichtet, wie die Söhne Mosias nach vielen Jahren ihren Freund Alma wiedertrafen. Sie hatten alle eine Mission erfüllt und freuten sich sehr, daß ihr Glaube noch fest war und daß sie alle Gottesmänner waren.

Man kann sich leicht vorstellen, was Präsident Bennett sich für seinen Sohn wünscht. Ob Naea nun Fußball spielt oder etwas anderes macht – am meisten würde er sich freuen, wenn Naea Gott weiterhin treu diente

Janet Thomas, September 1995

 


von Bettina
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Saturday, 2. february 2008 6 02 /02 /Feb. /2008 13:33

Wie wurde zu Lebzeiten von Joseph Smith der Sabbat begangen? Haben wir auch von anderen Sabbat Vorstellungen übernommen? Was für öffentliche Gottesdienste gab es, bevor wir unsere geräumigen, geheizten Gemeindehäuser hatten? Warum wurde die Priestertumsversammlung von der Woche auf den Sonntag verlegt? Warum wurde der Fasttag vom ersten Donnerstag auf den ersten Sonntag des Monats verlegt? Was war beim Abendmahl anders? Was verstanden die Generationen vor uns unter dem richtigen und falschen Verhalten am Sabbat?

Aus den Antworten auf solche Fragen geht hervor, daß der heutige geschäftige Sabbat der Heiligen der Letzten Tage sich in manchen Einzelheiten von den Sabbatgewohnheiten früherer Generationen unterscheidet. In den vergangenen 154 Jahren haben die Propheten wiederholt Änderungen der Sabbatgewohnheiten genehmigt, um den Veränderungen im Leben der Mitglieder gerecht zu werden. Als die Kirche am 6, April 1830, einem Dienstag, gegründet wurde, war noch nicht durch Offenbarung geklärt worden, wie der Herr sich den Sabbat der Heiligen vorstellte. In einer Offenbarung wurde ihnen geboten: „Es ist ratsam, daß die Gemeinde sich oft versammelt, um zum Gedächtnis des Herrn Jesus vom Brot und Wein zu nehmen." (LuB 20:75.) Es stand allerdings nicht dabei, daß das sonntags zu geschehen hatte. Erst sechzehn Monate später wurde das Abendmahl durch Offenbarung mit dem Sonntag in Verbindung gebracht. (Siehe LuB 59.) 

Was taten also die Mitglieder damals am Sonntag? Im wesentlichen begingen sie den Tag genauso wie vorher als Protestanten. Die meisten stammten aus Neuengland und hatten deshalb ihre festen Sonntagsgebräuche. Ihre Vorväter aus der Kolonialzeit hatten die Sabbatheiligung gesetzlich geregelt; dazu hatte der regelmäßige Besuch des Gottesdiensts gehört, außerdem waren weder Arbeit noch geschäftliche Betätigung noch unnötige Reisen erlaubt gewesen. Zur Zeit von Joseph Smith war die Verpflichtung zum Sabbat als heiligem Ruhetag in der amerikanischen Gesellschaft noch immer vorherrschend; allerdings war es in Grenzgebieten wie beispielsweise Missouri auch üblich, daß man sich nicht mehr so streng daran hielt.

In manchen Kirchen gab es 1830 zwei Predigtgottesdienste, einen vormittags und einen nach dem Mittagsessen. Die damaligen Heiligen, die ja damit vertraut waren, übernahmen dieses Schema. (Dieses grundlegende Schema mit zwei Versammlungen am Sabbat wurde in den USA und vielen anderen Ländern beibehalten, bis 1980 in der Kirche das Kompaktversammlungsschema  eingeführt wurde.)

Die erste Sabbatversammlung der Heiligen der Letzten Tage, von der wir nähere Einzelheiten wissen, war eine Konferenz vom 9. Juni 1830. Joseph Smith hat dazu festgehalten:

 „Nach der Eröffnung mit Singen und Gebet nahmen wir gemeinsam von den Symbolen des Körpers und Blutes unseres Herrn Jesus Christus. Dann konfirmierten wir mehrere, die in letzter Zelt getauft worden waren, worauf wir mehrere zu den verschiedenen Priestertumsämtern aufriefen und ordinierten. Viel Ermahnung und Belehrung wurde erteilt." {History of the Church, 1:84.)

Hier sehen wir gerade zwei Monate nach der Gründung der Kirche die Grundelemente auch unserer heutigen Abendmahlsversammlung: Gebete, Abendmahl, Predigen, Singen.

Einen Monat nach dieser Versammlung bestätigte der Herr noch einmal die Bedeutung des Singens, indem er Emma Smith, die Frau des Propheten, anwies, „eine Auswahl von heiligen Liedern zu treffen", die in den Versammlungen der Kirche verwendet werden sollten. „Meine Seele erfreut sich am Lied des Herzens; ja, das Lied der Rechtschaffenen ist ein Gebet zu mir", sagte der Herr. (LuB 25:11-12.) Das Gesangbuch von Emma Smith, das zwar keine Noten aber dafür den Text zu neunzig Kirchenliedern enthielt, wurde dann fünf Jahre später gedruckt.

Unsere ausführlichste Offenbarung zum Sabbat, nämlich Lehre und Bündnisse", Abschnitt 59, kam im August 1831. Hier gebietet uns der Herr: „Und damit du dich selbst noch mehr von der Weit unbefleckt halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens gehen und deine heiligen Handlungen darbringen." (Vers 59:9). Zu diesem Tag sagte er außerdem: „Das ist der Tag, der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest." (Vers 59:10.) Außerdem: „An diesem Tag, dem Tag des Herrn, sollst du dem Allerhöchsten deine Gaben und deine heiligen Handlungen darbringen und deinen Brüdern sowie vor dem Herrn deine Sünden bekennen." (Vers 59:12). „An diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzenslauterkeit deine Speise bereiten." (Vers 59:13). Diese Offenbarung gibt uns die Richtlinien dafür an die Hand, wie wir den Sabbat begehen sollen.

Das „Haus des Betens" war damals oft ein Privathaus, eine kleine Schule oder für größere Gruppen auch eine Lichtung im Wald. Laut George A, Smith (1855)galt für die Jahre von Joseph Smith der allgemein übliche Spruch: „Der Mormonismus gedeiht im Freien am besten." George A. Smith hat außerdem gesagt: „Wir haben vor dem Tod des Propheten kein Gebäude errichtet, das groß genug gewesen wäre, die Heiligen aufzunehmen." Die größten Versammlungsräume, nämlich im Tempel zu Kirtland und Nauvoo, faßten nur 500 bis 1000 Leute. (Siehe Journa! of Discourses, 3:23.) 

Die sonntäglichen Gottesdienste In Kirtland liefen 1835 weiter nach dem üblichen Schema ab: Beten, Predigen, Abendmahl. Wir wissen nicht, was für Abendmahlsgefäße damals verwendet wurden, aber wahrscheinlich waren es Kelche oder Gläser — für den gemeinschaftlichen Gebrauch — und Teller oder Körbe. Während das Abendmahl von Mitglied zu Mitglied weitergereicht wurde, wurde üblicherweise gepredigt.

Gleich nach dem Abendmahl war die Predigt der wichtigste Teil des sonntäglichen Gottesdiensts. Die Predigten nahmen den größten Teil jeder öffentlichen Versammlung ein, und die Mitglieder waren davon oft zutiefst bewegt. Bei W. W, Phelps finden wir: .Letzten Sabbat predigte Präsident Smith... Er hielt eine der großartigsten Predigten, die ich je gehört habe, sie war etwa dreieinhalb Stunden lang und enthüllte mehr Geheimnisse, als ich jetzt aufschreiben kann."

Sonntags abends wurde alles mögliche unternommen: Hochzeiten, Gebetsversammlungen in Privathäusern, Kollegiumsversammlungen, Patriarchalische Segen, Festessen, Kirchengerichte oder auch bloß Besuche bei Verwandten und Freunden.

In Missouri sah der Sabbat bei den Heiligen ähnlich aus, John Bush erinnerte sich „Wir gingen regelmäßig jeden Sonntag nach Far West. Nur wenige Heilige hatten ein Pferdegespann, und außerdem durften auch die Tiere sonntags ausruhen; deshalb gingen die Leute zu Fuß zu dem großen Fachwerkhaus. Sonntag um Sonntag waren viele Männer, Frauen und Kinder zu sehen, die auf dem Weg zu der Schule waren." Wer nicht mehr hineinkam, stellte sich draußen ans Fenster. Anderswo in Missouri fanden Versammlungen in Privathäusern oder unter einem großen Baum statt, wobei dann ein Wagen als Kanzel diente.

In Nauvoo, wo die Mitgliederzahl rasch auf über 10.000 anwuchs, waren die besten Orte für die Sonntagsversammlungen ein Wäldchen beim Tempelplatz und der Tempelplatz selbst. „Heute morgen habe ich im Wäldchen zu über 8000 Leuten gepredigt", schrieb Joseph Smith am 3. Juli 1842. (History ot the Church, 5:56.)

Aus den Berichten geht nicht hervor, wie oft bei diesen riesigen Versammlungen das Abendmahl ausgeteilt wurde; allerdings beschloß Ende 1844 auf der anderen Seite des Flusses, in Iowa, eine Konferenz, jeden zweiten Sabbat das Abendmahl zu nehmen. In England und anderen Missionsgebieten nahmen  kleinen Gruppen von Mitgliedern wöchentlich das Abendmahl.

In Nauvoo wurden auch die ersten Gemeinden geschaffen, allerdings wegen des Zehnten und nicht zu Versammlungszwecken. Die Berichte verzeichnen für Nauvoo keine Gemeinde-Abendmahlsversammlung, nur die morgendlichen und nachmittäglichen Versammlungen für das ganze Gemeinwesen.

Während die Heiligen der Letzten Tag; dann nach Westen zogen, bemühten sie sich, Mensch und Tier sonntags Ruhe zu gewähren. „Jeden Samstagabend sollten wir die Zelte aufschlagen, die wir hatten und unser Lager auf die Sabbatruhe vor bereiten", schrieb Wilford Woodruff im April 1847. Manchmal mußten die Heiligen aber auch sonntags weiterziehen „Aufbruch vor dem Frühstück, weil wir kein Holz und kein Wasser mehr hatten" schrieb Eliza R. Snow am 23. August 1846.

Heber C. Kimballs Tagebuch schilderte einen sehr spirituellen Sabbat der Pioniere, und zwar den 30. Mal 1847: „Um neun Uhr morgens zogen sich die meisten Brüder an einen Ort ein wenig südlich des Lagers zurück und hatten eine Gebetsversammlung; alle, die wollten, brachten ihre Gefühle zum Ausdruck. Kurz vor zwölf kamen sie am selben Ort wieder zusammen, um das Abendmahl zu nehmen. Mittags verließ eine ausgewählte Gruppe das Lager, suchte sich zwischen den Felsen eine abgeschiedene Stelle, legte Tempelkleidung an und „betete zu Gott für uns selbst, für dieses Lager und alles was dazugehörte, die Brüder in der Armee (dem Mormonenbataillon), unsere Familien und alle Heiligen. Präsident Young sprach das Gebet. Wir freuten uns alle, daß wir uns an diesem abgelegenen Ort zum Beten versammeln durften." Der Rest des Tages war der Ruhe und dem Nachdenken gewidmet. „Es gibt keine Witze, kein Gelächter, keinen Unsinn", schrieb Eider Kimball — ein einfaches Essen, Gespräche und von 17 Uhr bis Anbruch der Dunkelheit wieder eine Gebetsversammlung der Führer.

Von 1850 bis 1900 änderte sich der Sabbat in der Kirche sehr. Ein Gemeindehaus für jede Gemeinde machte zum ersten  Mal  Gemeinde-Abendmahlsversammlung und Sonntagsschule möglich. Dadurch, daß der Reihe nach örtliche Versammlungen stattfanden, konnten sich mehr örtliche Mitglieder am Sabbat beteiligen: als Lehrer und Schüler, als Beamte, bei der Abendmahlshandlung, als Sprecher, beim Beten und Im Chor. Es wurden besondere Fastsonntage und der vierteljährliche Pfahlkonferenzsonntag eingeführt.

Zuerst fanden die Gottesdienste im Freien statt. Zwei Monate nachdem die ersten Pioniere das Salzseetal erreicht hatten, besuchte ein Neuankömmling eine Sonntagsversammlung und traf die Mitglieder neben einem Heuschober an. Ein Jahr darauf fand eine Sabbatversammlung südlich der Nordmauer des allen Forts statt. In Logan berechnete ein Gemeindesekretär die Besucherzahl nach der genutzten Fläche: „Die Versammlungen waren heute gut besucht; die Gemeinde nahm mehr als einen halben Morgen Land (rund 2000 Quadratmeter) ein."

Damit die Gemeinden vor der heißen Sommersonne geschützt waren, wurden Lauben gebaut: über ein Gerüst aus Holzpfählen kam Buschwerk. Die Natur, vor allem der Wind, machte den Mitgliedern aber trotzdem noch zu schaffen. In St. George mußten einmal rund um die Laube Wagenplanen genagelt werden, um die Versammlung vor dem Sturm zu schützen.

Die ersten Versammlungsgebäude waren Blockhütten- oder Adobeziegel-Schulgebäude. Sie waren aber oft so klein (in Toquerville in Utah gab es beispielsweise für neunzehn Familien nur ein sechs mal viereinhalb Meter großes Adobeziegelhaus), daß die Kinder und Jugendlichen zu Hause blieben und sich in die Sonntagsversammlungen nur Erwachsene quetschten. So bald wie möglich bauten die Gemeinwesen dann Stein- und Ziegelhäuser, manche sogar mit einem zweiten Stockwerk. Einige der bevölkerungsreicheren Orte wie St, George und Salt Lake City errichteten außer den Gemeindehäusern auch große öffentliche Tabernakel.

Ob draußen oder drinnen, die wesentlichen Sabbatversammlungen der Heiligen waren der Predigtgottesdienst am späten Vormittag und die Abendmahlsversammlung am Nachmittag, außer wenn das Wetter ungünstig war. In den Gebieten, wo mehrere Gemeinden die zwei Gottesdienste zusammen auf Pfahlebene abhielten, fand in der Gemeinde am Abend noch eine zusätzliche Versammlung statt. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts schrieb George Goddard an einem Sabbat in sein Tagebuch „Bin mit meiner Frau Betsy um 10 und um 14 Uhr in den Tabernakel gegangen ,., abends in die Versammlungen der 13. Gemeinde gegangen."

Allmählich traten Gemeindeversammlungen an die Stelle der Abendmahlsversammlungen auf örtlicher oder Pfahlebene. Die allgemeine Morgenversammlung im Tabernakel zu Salt Lake City wurde beispielsweise 1876 abgeschafft, die Nachmittagsversammlung in den neunziger Jahren

Um in die Gemeinde-Abendmahlsversammlungen etwas mehr Abwechslung zu bringen, wurden oft auch auswärtige Sprecher eingeladen. Die Generalautoritäten verbrachten viel Zeit mit Besuchen und Ansprachen in den Gemeinden. Die Predigten dauerten wenige Minuten bis fast zwei Stunden.

In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts schickten die Pfähle „Binnenmissionare" mit regulärem Predigtauftrag in die Gemeinden. Die Binnenmissionare besuchten die Gemeinden noch bis nach der Jahrhundertwende monatlich — ähnlich wie heute die Hohen Räte.

Ein Konferenzbesuch war in den ersten Jahren in Utah ein bemerkenswertes Ereignis. Auf der Reise zur General- oder Pfahlkonferenz mit dem Wagen, zu Pferd, zu Fuß oder mit dem Zug benutzten viele die Gelegenheit, alte Freundschaften aufzufrischen. Die vierteljährlichen Pfahlkonferenzen, die ab 1877 regelmäßig abgehalten wurden, fanden oft abwechselnd in den führenden Städten des Pfahls statt, und die Vorbereitung auf die Konferenzgäste war für viele Familien ein freudiger Anlaß.

In der Anfangszeit wurde in manchen Gemeinden das Abendmahl nur einmal im Monat gefeiert, nach den fünfziger Jahren war aber In den meisten Pioniersiedlungen die wöchentliche Abendmahlsversammlung üblich. Eine bemerkenswerte Ausnahme gab es 1856/57, als das Abendmahl den Heiligen vorübergehend entzogen wurde, um ihnen zu helfen, daß sie sich über Ihre Mitgliedschaft in der Kirche ernsthaft Gedanken machten. Oft vollzogen die Bischöfe die Abendmahlshandlung persönlich, und zwar sowohl in ihrer eigenen Gemeinde als auch in der Pfahl-Abendmahlsversammlung. Ein Bischof schrieb 1874, er habe mit Hilfe seiner beiden Ratgeber und der Gemeindelehrer im Neuen Tabernakel die Abendmahlshandlung vollzogen.

Für die Abendmahlsversammlungen im Tabernakel zu Salt Lake City wurden kunstvolle Abendmahlsgefäße gefertigt, und zwar zwölf Becher in massiver Arbeit aus Silber, mit zwei herrlich geformten Griffen und zwölf Teller (später Körbe) für das Brot. Als die Mitglieder in St George darüber sprachen, was für Abendmahlsgeschirr sie kaufen sollten, erzählte ein Bruder, wie Salt Lake City zu seinem Geschirr gekommen war: die Brüder hatten ihre silbernen Uhren, Löffel usw. zusammengetan, um es anzufertigen. Die Gemeinden erwarben auch ihr eigenes, aber weniger kostspieliges, Abendmahlsgeschirr, oft aus Glas statt aus Metall.

Die Sonntagsschule war vielen Mormonen aus der Anfangszeit von ihrer protestantischen Herkunft her vertraut, und aus den Aufzeichnungen geht hervor, daß es in Kirtland und Nauvoo und 1844 auch in England schon eine Art Sonntagsschule der Heiligen der Letzten Tage gab. Richard Ballantyne, der früher in einer protestantischen Sonntagsschule tätig gewesen war, eröffnete 1849 mit fünfzig Jugendlichen von acht bis vierzehn Jahren in einem besonderen Raum, der an sein Haus angebaut war, die erste Sonntagsschule in Utah. Andere machten es ihm nach, und so gab es bald in den meisten Gemeinden eine selbständige Sonntagsschule, In den siebziger Jahren gab es schon 200 Sonntagsschulen mit fast 15000 Jugendlichen und Erwachsenen. Zum ersten Mal waren Frauen und Kinder direkt als Lehrer und Schüler an einer Sabbatversammlung beteiligt, und auch viele Männer waren eifrig als Beamte und Lehrer tätig. Singen, Beten, Unterricht in der heiligen Schrift und Rezitationen gehörten dazu, außerdem auch Prüfungstage; Bischof Frederick Kesler berichtet über einen solchen Tag: „Das Haus war voll, die Stücke waren gut gesprochen, und viele Anwesende erhielten eine Belobigung in Form eines sorgfältig ausgewählten Buchs."

Weil die Sonntagsschulkinder normalerweise nicht die nachmittägliche Abendmahlsversammlung besuchten, bat die Erste Präsidentschaft darum, daß in der Sonntagsschule das Abendmahl gesegnet und ausgeteilt wurde. Dazu haben wir wieder eine Schilderung von Bischof Kesler:

 „Ich besuchte unsere Gemeinde-Sonntagsschule und sprach ein paar Minuten, während das Abendmahl ausgeteilt wurde. Das war das zweite Mal, daß es unseren Kindern In der Sonntagsschule ausgeteilt wurde. Ich belehrte sie darüber."

Eine weitere bemerkenswerte Änderung der Sabbatbräuche war die Beteiligung der Jugendlichen an der Abendmahlshandlung. Seit den siebziger Jahren wurden elf- bis siebzehnjährige Jungen zum Diakon ordiniert Bis dahin hatten meist Erwachsene die Ämter im Aaronischen Priestertum innegehabt und als „amtierende" Diakone, Lehrer und Priester gedient. Die jugendlichen Diakone erhielten für den Sonntag zwei Hauptaufgaben: den Türdienst bei den Versammlungen sowie die allgemeine Pflege der Gemeindehäuser und das Austeilen des Abendmahls. Den Diakonen in Salt Lake City wurde 1874 gesagt:

 „Wie schön ist es doch, wenn wir einen braven Jungen sehen, wie er mit sauberen Händen und ordentlich gekämmtem Haar auf Zehenspitzen geht, um den Leuten einen Platz zu suchen. Ein Diakon hilft sehr mit, eine Versammlung angenehm zu gestalten. Wir sollten wenigstens eine Stunde vor Versammlungsbeginn dasein. Haltet das Haus sauber und ordentlich. sorgt für einen sauberen Tisch und ein sauberes Tuch, und bemüht euch, beides reinzuhalten." (Brief der Ersten Präsidentschaft vom 11. Juli 1877 )

1896 wurde der Fasttag vom ersten Donnerstag auf den ersten Sonntag im Monat verlegt, damit auch Berufstätige und Schüler teilnehmen konnten. Gelegentlich wird der Fastsonntag einem bestimmten Anlaß geweiht. Als 1918 die Grippeepidemie wütete und öffentliche Versammlungen verboten waren, bat die Erste Präsidentschaft darum, daß in der Kirche der 22. Dezember als besonderer Fastsonntag bestimmt werde, und zwar „damit durch die göttliche Macht der verheerenden Geißel, die die Erde heimsucht, Einhalt geboten und ein baldiges Ende bereitet werde". 1946 gab es am 19. August einen besonderen Fasttag aus Dankbarkeit für die Kapitulation Japans und im Dezember 1947 einen besonderen Fasttag, damit die Heiligen die größtmögliche Summe beisteuern konnten, um den Leidtragenden im kriegsgeplagten Europa zu helfen.

Eine kleinere Veränderung der Sabbatgewohnheiten war in unserem Jahrhundert die Einführung der kleinen Abendmahlsbecher, aus denen immer nur einer trank. Die Idee dazu stammte schon aus den neunziger Jahren, wurde aber erst 1911 verwirklicht, als eine neue Art Tablett entworfen wurde, das die kleinen Becher aufnehmen konnte. Die bis dahin gebräuchlichen Becher verschwanden bald, und an ihre Stelle traten die Becher aus Metall, Glas, Pappe und Plastik.

Jahrelang war die Abendmahlshandlung von Predigen, Singen und Musikstücken begleitet gewesen 1946 schaffte die Erste Präsidentschaft alle diese Ablenkungen ab. Ideal sei die absolute Stille, hieß es: „Wir wünschen während dieser heiligen Handlung keine Gesangssoli, Duette, Chordarbietungen oder Instrumentalmusik " (Brief der Ersten Präsidentschaft vom 2. Mai 1946.)

Eine weitere Veränderung jüngeren Datums betrifft die Musik. Da die Gesangbücher aus dem neunzehnten Jahrhundert Lieder enthielten, die sich mehr für den Chor- als für den Gemeindegesang eigneten, ging der Gemeindegesang immer mehr zurück. Seit 1909 ist unser Gesangbuch aber auf die Gemeinde ausgerichtet, so daß die Mitglieder mitsingen können.

Die älteren Mitglieder können sich heute noch daran erinnern, daß die Gemeinde-Priestertumsversammlungen am Montagabend stattfanden, und zwar seit 1908. Manche Bischöfe waren allerdings dafür, daß die Pnestertumsversammlung sonntags stattfand, und zwar vor oder nach der Sonntagsschule, damit die Mitglieder, die weiter entfernt wohnten, nicht soviel reisen mußten Als es in den dreißiger Jahren den Gemeinden freigestellt wurde, ob sie die Priestertumsversammlung sonntags oder in der Woche halten wollten, entschieden sich die meisten für den Sonntag, was dann für die Kirche zur Norm wurde.

Seit der Anfangszeit der Kirche bemühen sich die Führer darum, zu verhindern, daß der Sabbat mit Versammlungen überladen wird, 1904 schrieb ein aufgebrachter Pfahlbeamter in Cache, Utah: „Der Sonntag war so ausgefüllt, daß es ein so schwerer Arbeitstag war wie jeder andere." Zwanzig Jahre später meinte Eider Melvin J. Ballard öffentlich, sonntags abends gebe es zu viele Veranstaltungen. Solche Gefühle haben immer wieder dazu geführt, daß das Versammlungsschema geändert wurde.

Ein Versuch wurde zwischen 1928 und 1938 gemacht, als in vielen Gemeinden die Pnestertumsklassen mit den Sonntagsschulklassen zusammengelegt wurden. Die Führer der Kirche hofften darauf, daß die Mitglieder die freie Zeit, die ihnen damit zur Verfügung stand, vernünftig nutzten:

„Die Sonntagsschule und die anderen Versammlungen sind so aufeinander abgestimmt worden, daß es für die Mitglieder einfacher wird und ein beträchtlicher Teil des Sonntags ohne kirchliche Verpflichtungen verbleibt. Wir bitten Sie alle dringend: gehen Sie treu zu Ihren Versammlungen, und nutzen Sie den Teil des Sonntags, der keiner Versammlung gewidmet ist, dazu, die Verbundenheit in Ihrer Familie zu fördern, zu größerer Treue anzuregen, daß Eltern und Kinder einander näherkommen und die Verwandten sich besser miteinander verstehen." (Verlautbarung der Ersten Präsidentschaft vom 1. September 1928.)

In jüngerer Zeit machten die jeweiligen Umstände es manchmal erforderlich, das Sonntagsschema auf manche Weise zu vereinfachen In manchen Missionsgebieten, wo das Reisen schwierig war, wurden die Sonntagsversammlungen alle hintereinander gelegt. Und die Energiekrise in den Vereinigten Staaten brachte die Erste Präsidentschaft dazu, daß sie im Dezember 1973 folgende Anweisung herausgab: „Die örtlichen Gemeinden in den Gebieten, wo die Mitglieder weit vom Gemeindehaus entfernt wohnen, können, wenn sie wollen, alle Sonntagsversammlungen direkt hintereinander abhalten."

Als 1980 das Kompaktversammlungsschema bekanntgegeben wurde, waren die Familien in der ganzen Kirche begeistert. Vorher waren die einzelnen Familienmitglieder oft zu verschiedenen Zeiten zu Versammlungen fortgewesen, während die Familien jetzt mehr Zeit für ein sinnvolles Beisammensein und Eltern und Kinder einander näherkommen können.

Während das Versammlungsschema aber im Laufe der Jahre immer wieder etwas anders aussah, hat sich daran, wie die Heiligen den Sabbat begehen sollen, wenig geändert. Eine Regel in den Satzungen der Vereinigten Ordnung lautet: „Wir wollen den Sabbat halten und heiligen und ihn der Gölte s Verehrung, dem Studium guter Bücher, der Ruhe, der Unterweisung und dem Versammlungsbesuch weihen." Seit 1830 sind die Sabbatversammlungen immer wieder dazu verändert worden, damit die Heiligen diese Ziele erreichen konnten. Die Versammlungen sind dazu von Ballast befreit worden, damit jeder persönlich einen geisterfüllteren Sabbat halten kann, wenn er mit seiner Familie nach Hause kommt und die Familie und jeder einzelne erhält, was er in spiritueller Hinsicht braucht.

Hundertfünfzig Jahre lang hat die Kirche für ausgezeichnete Versammlungen gesorgt, damit die Heiligen ihre persönlichen Bündnisse erneuern, von Sprechern und Lehrern und durch eigenen Unterricht und eigene Ansprachen lernen, damit sie singen und beten und nachdenken konnten. Mit dem Besuch der Sabbatversammlungen ist es aber nicht getan: die Verantwortung dafür, daß der ganze Tag heilig und geisterfüllt ist, ruht immer noch bei jedem Heiligen selbst.

 

William G. Hartley ist Geschichtsforscher des Joseph-Fielding-Smilh-lnstiluts für Kirchengesctiichte an der Brigham- Young-Universität- Außerdem ist er in der Gemeinde 37 In Sandy, Utah, Hohepriesterlehrer.


Juli 1984

von Bettina
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Thursday, 31. january 2008 4 31 /01 /Jan. /2008 04:34

In meiner Kindheit in Samoa bekamen meine Freunde und ich vom Schwimmen nie genug, es war einfach unsere Lieblingsbeschäftigung. Ich weiß noch, wie ich mit vier Jahren nach der Sonntagsschule mit meinen Freunden schwimmen gehen wollte, als gäbe es an den übrigen sechs Tagen der Woche zusammengenommen nicht genug Zeit zum Spielen. Ich bin aber in einer guten Mormonenfamilie aufgewachsen und weiß noch genau, wie meine gute Mutter sich bemühte, mir die Sabbatheiligung beizubringen.

 

Mutter löste das Problem, indem sie mich an die heiligen Schriften heranführte, Sie wußte, wie gern ich mich vor anderen in Szene setzte, indem ich aus Büchern rezitierte, und so fragte sie mich, oh ich nicht lernen wolle, Schriftsteilen zu lesen und aufzusagen. Ich war ganz außer mir vor Freude über diese Chance, und so sagte sie: „Also gut, wir setzen uns jeden Sonntag nach dem Essen hin, und ich helfe dir, Schriftstellen aus diesen beiden Büchern zu lernen." Dabei hielt sie die: Bibel und das Buch Mormon hoch. Die ersten Stellen, die ich auswendig lernte, waren die Zehn Gebote und der erste Psalm. Dann lernte ich, die Geschichte von Lehis Familie aus dem Buch Mormon nachzuerzählen. Je mehr ich lernte, desto mehr wurden die in diesen Schriftstellen enthaltenen Grundsätze zu einem Teil meines Lebens. Dies wurde durch das Vorbild meiner Eltern noch verstärkt, denn sie lebten mit großer Glaubenstreue nach dem Evangelium. Als ich 1962 zum College ging, waren die Lehren meiner Eltern fast in mir verwurzelt.

 

Ich besuchte das Church College in Hawaii (heute Brigham Young University - Hawaii Campus) und blieb dort auch nach dem Tod meiner Mutter am 2. April 1964. (Mein Vater war schon in meiner Kindheit gestorben.) Meine Mutter hatte mich finanziell voll unterstützt, und durch ihren Tod war ich plötzlich mittellos.

 

Einige Monate nach ihrem Tod wurde ich mit meinem Studium und dem Leben in Hawaii sehr unzufrieden und suchte daher um einen Wechsel des Studienplatzes an. Da mein Bruder Tu'ualofa damals in Tempe in Arizona lebte, riet man mir, ich solle mich um einen Studienplatz an der Arizona State University bewerben. Ich wurde angenommen, und Tempe wurde für ein Jahr meine neue Heimat. Im Jahr 1966 verspürte ich den Wunsch, nach Salt Lake City zu ziehen und dort meine Ausbildung fortzusetzen. Nach der Ankunft in Sah Lake City zog ich eine Handelsakademie in Betracht, deren Lehrplan mir sehr zusagte. Ich entschloß mich, dort weiterzustudieren, besaß aber nur 30 Dollar. Glücklicherweise ließ es sich einrichten, daß ich die Lehrveranstaltungen besuchen und meine Studiengebühr während des ersten Quartals in Raten bezahlen konnte. Ich war also gezwungen, eine Verdienstmöglichkeit zu finden.

 

Während meiner ersten Woche in Salt Lake City bin ich täglich wohl dreißig Straßen abgelaufen, um eine Teilzeitarbeit zu finden. Die meisten Geschäfte, in denen ich vorsprach, brauchten vollzeitige Angestellte, aber ich hinterließ trotzdem meine Bewerbung um eine Teilzeitstelle an mehreren Stellen. Zu meinem Erstaunen hatte ich schon nach wenigen Tagen eine ganze Reihe von Angeboten. Leider wurde in allen Fällen Sonntagsarbeit verlangt, und zwar am Nachmittag. Das bedeutete, daß ich jeden Sonntag die Abendmahlsversammlung versäumen würde. Ich dachte gründlich über die Sache nach. Ich brauchte das Geld dringend, aber die Sonntagsarbeit würde bedeuten, daß ich eins der Gebote des Herrn brach, die ich schon als Kind gelernt hatte. Ich wußte, wenn meine Eltern noch gelebt hätten, so hätten sie es nicht zugelassen, daß ich eine dieser Stellen annahm. Als Hilfe für eine richtige Entscheidung wandte ich mich an einen guten Freund um Rat. „Ich habe noch nie am Sonntag gearbeitet", sagte ich ihm, ,,Der Gedanke, die Versammlungen zu versäumen, stört mich. Ich möchte die Gebote des Herrn nicht brechen." ­­

„Ich bin sicher, der Herr weiß, was du brauchst", erwiderte er.  „Wenn dir der Herr jetzt keine andere Arbeit gibt, nimmst du sie vielleicht doch lieber an." Irgendwie war mir bei diesem Rat nicht wohl. „Meinst du wirklich, der Herr entschuldigt es, wenn ich am Sonntag arbeite und die Abendmahlsversammlung versäume?'' fragte ich. „Ich bin sicher, der Herr nimmt Rücksicht auf deine Bedürfnisse", sagte er. „Gerade jetzt brauchst du eben Arbeit, um deine finanziellen Bedürfnisse zu decken. Ich meine, du sollst die Arbeit annehmen." So entschloß ich mich eben, in einem Eisgeschäft als Kassierer zu arbeiten. Am darauffolgenden Samstag ging ich hin, um mich einweisen zu lassen, und am Mittwoch sollte ich zu arbeiten beginnen. Aber schon am Montag befand ich mich wieder im Büro meines Freundes.

 

„Ich glaube nicht, daß es richtig ist, wenn ich am Sonntag arbeite'', sagte ich. Er machte ein ernstes Gesicht. „Was hast du also vor?" fragte er. „Die erste Rate deiner Studiengebühr ist bald fällig."

 

Nachdem wir ein wenig geredet hatten, drängte er mich erneut, die Arbeit anzunehmen, und ich sagte, ich würde es mir überlegen. Trotzdem war mir bei seinem Rat noch immer nicht wohl zumute, und auf dem Heimweg gelangte ich zu dem Schluß, daß ich mich mit meinem Problem nur an den himmlischen Vater wenden konnte. Sonst schien ja niemand zu verstehen, wieviel mir dieses Gebot bedeutete, das ich mein Leben lang befolgt hatte. Als ich in meinem Zimmer allein war, kniete ich mich also nieder und betete zum himmlischen Vater. Ich schilderte ihm mein Problem in allen Einzelheiten und sagte, ich sei bereit, in allem seinen Willen zu tun. Dann sagte ich, ich würde Glauben haben, was immer er auch antwortete.

 

Ich fühlte mich danach sehr erleichtert, als wäre mir eine Last von den Schultern genommen worden. Ich nahm meine Bücher und ging mit einem glücklichen und ruhigen Gefühl zur Vorlesung.

 

Am selben Nachmittag erhielt ich einen Anruf vom Leiter eines großen Geschäfts im Stadtzentrums. Ich hatte mich dort mehrere Wochen zuvor um Arbeit beworben, aber noch keine Nachricht erhalten. Ich erfuhr, daß ich den Mathematiktest mit einer hohen Punktezahl bestanden hatte und die Stelle eines Verkäufers bekommen sollte, der die Firma verließ. Ich konnte schon am nächsten Tag nach den Vorlesungen am Vormittag zu arbeiten beginnen und würde sechs Tage pro Woche arbeiten - von Montag bis Samstag.

 

Ich legte den Hörer auf und lief mit Tränen der Freude und Dankbarkeit in mein Zimmer. Wieder kniete ich mich hin, um dem himmlischen Vater für seine Güte zu danken. Anstatt zuzulassen, daß ich eins seiner Gebote brach, hatte er mir eine andere Arbeit zukommen lassen.

 

Nach dem Gebet saß ich still auf meinem Bett. In meinen Gedanken bildeten sich die folgenden Worte, so, als würde ich sie in großen Buchstaben lesen: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!“ Diese Botschaft wurde mir erneut eingeprägt.

Nun wußte ich aus eigener Erfahrung, daß der Herr keinen Kompromiß schließt, wenn es um seine Gebote geht. Ich weiß ohne Zweifel, daß der Herr uns einen Weg bereiten kann und es auch tut, so daß wir auf eine Weise für unsere persönlichen Bedürfnisse sorgen können, die vor ihm angenehm Ist. Dem Herrn ist nichts unmöglich.  

von Bettina Siebert
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