Als Familie den Sonntag heilighalten

Veröffentlicht auf von Bettina

Richtige Vorbereitung ist die Voraussetzung dafür, daß man als Familie den Sonntag heilighalten kann. Für einen allein mag es möglich sein, ohne Vorbereitung einen schönen, friedlichen Sonntag zu genießen, aber für eine vielbeschäftigte Familie ist es unmöglich, den Sonntag so zu verbringen, wie der Herr es vorgeschrieben hat, wenn sie erst am Sonntagmorgen mit der Vorbereitung anfängt. Manches muß schon am Samstag vorbereitet werden.
Für die meisten Familien mit Kindern gehört es zur Vorbereitung auf den Sonntag, daß man die Sonntagskleider in Ordnung bringt und bügelt, die passenden Socken zusammensucht, Schuhe sucht und putzt und für jeden die heilige Schrift bereitlegt. Man muß einkaufen und anderes für den Sonntag Notwendige vorbereiten. Wenn wir rechtzeitig während der Woche einkaufen, bereiten wir uns nicht nur auf den Sonntag vor, sondern tragen auch dazu bei, daß andere den Sonntag heilighalten.
Wenn nicht alles richtig organisiert wird, ist es leider so, daß die Mutter bei der Vorbereitung das meiste zu tun hat. „Wenn das Haus am Sonntagmorgen nicht in Ordnung ist und das Essen nicht vorbereitet ist, brauche ich gar nicht auf einen schönen, ruhigen Sonntag zu hoffen”, seufzt eine Mutter.
„Wenn mein Mann und ich aber am Samstag Vorbereitungen für den Sonntag treffen, kann ich mich auf den Sonntag freuen, und er wird für mich wirklich ein Tag der Ruhe.”
Wenn der Vater bei der Vorbereitung auf den Sonntag mithilft, anstatt alles seiner Frau zu überlassen, wird sich das für seine Familie als äußerst segensreich erweisen. Ein Vater erzählt: „Bei uns gibt es am Sonntag viel weniger Durcheinander, wenn ich daran gedacht habe, rechtzeitig Vorbereitungen zu treffen, ehe die anfallenden Routineaufgaben den Frieden vertreiben, den ich mir für den Sonntag gewünscht habe. Deshalb sind meine Frau und ich übereingekommen, daß wir alle anstehenden Arbeiten früher als sonst erledigen, damit wir eher mit der Vorbereitung auf den Sonntag beginnen können.”
Auch eine alleinerziehende Mutter beziehungsweise ein alleinerziehender Vater können sich und ihre Kinder ebenso wie ein Elternpaar auf den Sonntag vorbereiten, wenn alles richtig organisiert wird und die Aufgaben verteilt werden.
Alle Eltern finden es nützlich, den Rat des Herrn zu befolgen, der ja geboten hat, daß wir am Sonntag nichts anderes tun sollen, als „mit Herzenslauterkeit” unsere Speise zu bereiten (siehe LuB 59:13). Manche Familien vereinfachen sich die Zubereitung des Sonntagsessens, indem sie es schon soweit wie möglich am Vorabend vorbereiten, bei anderen wiederum gibt es am Sonntag nur eine einfache Mahlzeit. Wenn der Vater und die Kinder mithelfen, hat die Mutter nicht soviel Arbeit mit dem Kochen, dem Tischdecken und dem Abräumen.

Angemessene Betätigungen

Der Herr hat für unsere Zeit nicht sehr viele Verhaltensregeln für den Sonntag offenbart. Er hat uns nur geboten, daß wir am Sonntag „ins Haus des Betens gehen” und unsere heiligen Handlungen darbringen sollen. Außerdem sollen wir von unserer Arbeit ruhen. (Siehe LuB 59:9,10.)
Wir müssen uns alle fest vornehmen, uns am Sonntag von der Arbeit und den weltlichen Ablenkungen der Woche auszuruhen. Das bedeutet, daß die ganze Familie am Sonntag nichts tut, was nicht während der Woche getan werden kann, und den Tag ausschließlich dem Herrn widmet.
Schon als die Israeliten aus Ägypten auszogen, gebot der Herr ihnen, daß sie den Sabbat heilighalten sollten. Er erklärte ihnen, daß sie an diesem Tag nicht selbst arbeiten und auch keinen Fremden arbeiten lassen durften. (Siehe Exodus 20:9-11.) Wenn wir also am Sonntag einkaufen oder essen gehen, dann sind wir zum Teil mit dafür verantwortlich, daß jemand anders am Sonntag arbeiten muß.
Wir dürfen am Sonntag nur dann arbeiten, wenn es unumgänglich notwendig ist. Junge Leute, die einen Job suchen, um sich Geld zu verdienen, meinen manchmal, daß es sich nicht vermeiden läßt, am Sonntag zu arbeiten. Wir müssen unsere Kinder aber davon abhalten, sich für einen Job zu entscheiden, bei dem sie regelmäßig sonntags arbeiten müssen.
Natürlich gibt es Berufe, in denen rund um die Uhr jemand präsent sein muß. Wenn jemand einen solchen Beruf hat, dann muß er seinen Kindern genau erklären, warum er am Sonntag arbeiten muß. Er kann ihnen auch zeigen, daß er am Sonntag zwar nicht zur Kirche gehen kann, sich aber die Zeit nimmt, gemeinsam mit seiner Familie das Evangelium zu studieren. Er kann mit seiner Familie und allein beten und sich vornehmen, während des ganzen Tages eine christusähnliche Einstellung zu haben, über das Evangelium zu sprechen und anderen Menschen Liebe zu erweisen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.
Wenn wir oder unsere Kinder entscheiden müssen, ob eine Betätigung für den Sonntag angemessen ist, können wir uns folgendes fragen:
Ehre ich damit den Herrn?
Tue ich damit Gutes?
Werde ich dadurch geistig erbaut? Wäre Jesus damit einverstanden?
Wenn wir uns so verhalten, werden wir am Tag des Herrn unsere Wonne haben (siehe Jesaja 58:13).

Kleidung am Sonntag

Der Sonntag ist der Tag des Herrn – der Tag, an dem wir uns von weltlichen Sorgen lösen sollen, um den Herrn zu ehren und anzubeten. Das tun wir, indem wir bestimmte Aufgaben beiseite legen, um die Versammlungen der Kirche zu besuchen und unser Leben nach Christus auszurichten. Wenn wir die Welt beiseite legen, sollen wir auch die bequeme Kleidung beiseite legen, die wir während der Woche tragen, und unsere besten Sachen anziehen. Damit zeigen wir, daß wir den Erretter achten und lieben.
Manche Menschen haben allerdings keine „Sonntagskleidung”; sie sollen dann die saubersten, ordentlichsten Sachen anziehen, die sie besitzen. Das Wichtigste dabei ist ja auch, daß die Kleidung nett und sauber ist und den Geist des Sabbats widerspiegelt; extravagante, auffallende Kleidung kann genauso vom Sabbat ablenken wie schmutzige oder unanständige Kleidung.
Die Eltern müssen ihren Kindern erklären, daß man den Sonntag auch noch nach den Versammlungen heilighalten muß. Manchmal ist es doch so, daß wir nach Hause kommen und unsere Alltagskleidung wieder anziehen. Natürlich muß man nicht den ganzen Tag Anzug und Krawatte tragen, aber man muß durch seine Kleidung doch den Geist bewahren, den man in den Versammlungen gespürt hat.

Gottesverehrung
Jesus hat gesagt: „Der Sabbat ist für den Menschen da.” (Markus 2:27.) Das heißt, daß der Sonntag einen Menschen bereichern und ihm zum Segen gereichen soll. Weiter hat der Herr gesagt, der Sonntag sei der Tag, „der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest” (LuB 59:10). Wenn wir am Sonntag von unserer Arbeit ruhen und Gott verehren, werden unser Geist und unser Körper erneuert. Das gilt vor allem für den Fastsonntag. Es gibt kaum etwas, was eine Familie besser eint, als wenn sie für ein gemeinsames Ziel fastet. Schon die kleinen Kinder können lernen, wie wichtig glaubenstreues, gebeterfülltes Fasten ist.
Kleine Kinder können auch lernen, wie wichtig es ist, in den Versammlungen stillzusitzen. Ein Ehepaar erzählt, wie es seinen Kindern geholfen hat, den Sonntag besser schätzenzulernen: „Wir fordern auch schon die Allerkleinsten auf, die Lieder mitzusingen. Sie dürfen mit ins Gesangbuch sehen, und wir deuten beim Singen auf die Wörter und Noten, die gerade an der Reihe sind.
Es ist auch hilfreich, wenn man die Kinder dazu anhält, bei Einsetzungen und Entlassungen die hand zu heben. Vor allem aber muß man sie dazu anhalten, das Abendmahl zu nehmen.
Während der Ansprachen flüstern wir den Kindern kurze Bemerkungen über das Thema des Sprechers zu.”
Eine andere Familie bringt Papier und Stifte mit zur Abendmahlsversammlung. Die älteren Kinder machen sich Notizen zu den Ansprachen und schreiben Fragen auf, über die sie später sprechen wollen.
Eine Familie hält jeden Sonntagmorgen am entsprechend gedeckten Tisch eine kurze Andacht ab. „Mein Mann oder ich sprechen über das Thema für den Sonntag”, erzählt eine Mutter. „Einmal haben wir über das Wort der Weisheit gesprochen. Dabei standen eine Schale mit frischem Obst, ein Glas mit selbsteingemachten Tomaten und etwas getrockneter Weizen auf dem Tisch. Andere Themen veranschaulichen wir, indem wir Lieder singen, Geschichten und Schriftstellen vorlesen und den ganzen Tag immer wieder auf Beispiele zu unserem Thema hinweisen.
Wenn wir uns am Abend wieder zu Tisch setzen, erzählen die Kinder, was sie über unser Thema gelernt haben. Und der Sonntag macht ihnen soviel Spaß, daß der Kasten mit den Vorschlägen für Sonntagsthemen immer voll ist.”

Evangeliumsstudium
Es gibt viele Möglichkeiten, die heilige Schrift zu studieren. Man kann zum Beispiel mit einem bestimmten Buch der heiligen Schrift beginnen oder sich mit einem Thema wie Glauben oder Sühnopfer beschäftigen und Schriftstellen dazu suchen.
Manche Familien forschen am Sonntag in der heiligen Schrift, während sie einander unter der Woche vorlesen. Andere wiederum nutzen den Sonntag zur Vorbereitung der Familienabendlektion. Noch andere besprechen die Lektion am Sonntag und unternehmen am Montagabend etwas gemeinsam. Die Familien, die sowohl am Sonntag als auch am Montag zusammen sind, berichten, daß die geistige Gesinnung innerhalb der Familie zugenommen hat und sie besser gegen Versuchungen gewappnet sind.

Viele Familien lesen während der Woche jeden Morgen in der heiligen Schrift; das gibt den Kindern die Möglichkeit, sich am Sonntag zwischen vielen familienorientierten Aktivitäten zu entscheiden und sich ausführlicher mit der heiligen Schrift zu befassen.
Man kann aber nicht nur gemeinsam in der heiligen Schrift lesen, sondern auch gemeinsam Tagebuch schreiben, Briefe an Verwandte und Missionare verfassen, evangeliumsbezogene Spiele machen und erbauende Musik hören.

Dienen
Wenn wir unseren Sonntag planen, müssen wir auch Zeit zum Dienst am Nächsten einplanen. Eine Familie hat sich beispielsweise fest vorgenommen, jeden Sonntag wenigstens etwas Zeit darauf zu verwenden, einem anderen Menschen zu dienen.
Nachharn oder Mitglieder der Gemeinde, die krank sind oder die im Krankenhaus liegen, freuen sich
bestimmt über einen Besuch. Eine Familie ist mit selbstgebackenen Plätzchen in ein nahegelegenes Altenheim gegangen, um Menschen zu besuchen, deren Angehörigen nicht in der Nähe wohnen.
Präsident Kimball hat gesagt, wir sollten am Sonntag „Verwandte und Freunde besuchen, Heimlehren gehen, an unseren genealogischen Aufzeichnungen arbeiten, ein Nickerchen machen, an Missionare, Soldaten oder Verwandte schreiben, uns auf den Unterricht am nächsten Sonntag vorbereiten, mit den kleinen Kindern spielen, mit einem Ziel vor Augen fasten, evangeliumsbezogene Gedichte schreiben und anderen angemessenen Betätigungen nachgehen, von denen es noch eine Vielzahl gibt." (Faith Precedes the Mirade, Salt Lake City, 1972, Seite 270f.)

Auf positive Weise lehren
Wir müssen unsere Kinder auf positive Weise dazu anhalten, den Sonntag heiligzuhalten. Eine Familie tut das folgendermaßen: Anstatt den Kindern immer wieder zu sagen, was sie nicht tun dürfen, hängen die Eltern eine Liste auf, auf der alles steht, was die Kinder tun dürfen. Immer wenn ein Kind sich beklagt, es dürfe dieses und jenes nicht tun, wird die Liste befragt. Je eher unsere Kinder das lernen, desto besser. Bei älteren Kindern wird es wahrscheinlich etwas länger dauern, bis sie sich an die neue Art gewöhnt haben, den Sonntag zu verbringen.
Vor allem aber müssen unsere Kinder am Sonntag spüren, daß wir sie und den Vater im Himmel lieben. Wir müssen nicht jede Minute des Tages mit Aktivitäten für die Kinder ausfüllen, im Gegenteil: wir brauchen alle etwas Zeit für uns allein, wo wir nachdenken, planen und uns entspannen können.
Wenn wir den Sonntag heilighalten, dann legen wir alles beiseite, was weltlich ist, und ziehen die Rüstung Gottes an.
Handbuch für die Familie, Februar 1991

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