Aus dem Tagebuch

Veröffentlicht auf von Bettina

Als das Segelschiff, an dessen Bord sich Missionspräsident Ernest C. Rossiter und seine Frau befanden, in den Hafen von Takaroa einlief — Takaroa liegt eine Drei-Tage-Reise von Tahiti entfernt —, bemerkten sie besorgt, daß sich die Kokospalmen auf der Insel gelb gefärbt hatten und die Palmenzweige schlaff herunterhingen. Am nächsten Morgen stellten sie fest, daß dies auch den Eingeborenen auf der Insel große Sorge bereitete. Auf einer feierlichen Ratsversammlung trugen die Dorfbewohner Bruder Rossiter ihr Problem vor.
Äußerst würdevoll nannte ihn der Häuptling bei seinem Namen, den ihm die Eingeborenen beigelegt hatten, und sagte: „Ereneta, seit vielen, vielen Monaten versuchen wir Geld aufzubringen, um unsere Schulden abzutragen, die wir bei den weißen Händlern haben, aber der Herr ist uns nicht gnädig gewesen. Unsere Kokospalmen sind von einer Fäule befallen. Ihre Zweige hängen schlaff herunter, und die Nüsse fallen herab, ehe sie reif sind. Die Händler haben damit gedroht, Anspruch auf unsere Plantagen zu erheben, wenn wir nicht bezahlen, was wir ihnen schulden. Jedes Jahr, wenn die Saison dafür gekommen ist, brechen wir zum Perlentauchen auf, aber wenn wir zurückkehren, haben wir bei den Händlern noch größere Schulden als vorher. Du siehst also, daß wir deine Hilfe dringend brauchen, sonst verlieren wir alle unsere Habe.”
Bruder Rossiter war tief bekümmert und bat sich eine Frist von drei Tagen aus, wo er fasten und beten und über die Verschuldung der Eingeborenen nachdenken wolle. Seine Nachforschungen brachten eine erschreckende Erkenntnis: Die Leute befolgten das Wort der Weisheit nicht noch bezahlten sie den Zehnten und das Fastopfer; auch hielten sie ihr Priestertum nicht in Ehren.
Am Nachmittag des letzten Fasttags berief Bruder Rossiter eine Versammlung aller Heiligen ein. Im Gemeindehaus der Insel überkam ihn die Macht des Hejrn. Mit großem Nachdruck gab er seine Feststellungen bekannt und forderte die Mitglieder zur Buße auf. Er sagte ihnen, sie sollten sich vor dem Herrn demütigen und alle seine Gebote halten, dann werde Gott sie segnen und ihre Plantagen gesunden lassen, so daß sie wieder grün aussehen und reichlich Früchte tragen würden.
Sodann begann Bruder Rossiter mit der Ausführung eines Planes, womit er den Eingeborenen helfen wollte, ihre Schulden abzutragen. Er kehrte nach Tahiti zurück, und mit großer Überredungskunst gelang es ihm, ein Schiff und Ausrüstung zu mieten, welche die Eingeborenen während der Saison des Perlentauchens benutzen sollten. Er brachte das Schiff nach Takaroa, wo die Eingeborenen mit ihren Tieren und ihren Habseligkeiten an Bord gingen und zu einer anderen Insel segelten, wo man nach Perlen zu tauchen pflegte.
Unter Bruder Rossiters Aufsicht richteten sich die Heiligen dort Wohnstätten ein, führten strenge Vorschriften zur Beseitigung des Unrats ein und begannen mit den langen Stunden des mühseligen Perlentauchens: Sie waren jetzt sparsamer und arbeiteten härter und länger als je zuvor. Am Ende der Saison hatten die Perlentaucher, die der Kirche angehörten, 75% mehr Muscheln heraufgeholt als jede andere Gruppe von Tauchern auf der Insel. Einige Händler neideten ihnen jedoch ihre Einigkeit und ihren Erfolg und schlossen sich zusammen, um den Preis für die Perlmuscheln niedrig zu halten. Sie boten Bruder Rossiter und seinen Leuten nur 15 Cents für das Pfund, während sie anderen Gruppen 20 Cents zahlten.
Bruder Rossiter blieb jedoch fest. Er weigerte sich, die Muscheln zu diesem Preis zu verkaufen, und kündigte an, daß er sie ein Jahr lang lagern lassen würde, bis der Preis gestiegen wäre. Die Lagerung erübrigte sich aber, denn der größte Händler gab nach und erklärte sich nicht nur bereit, 30 Cents für das Pfund zu bezahlen, sondern auch, die Eingeborenen kostenlos zu ihrer Insel zu befördern.
Der Verkauf der Perlmuscheln brachte in dieser Saison über 50.000 $ ein. Auch während der nächsten und übernächsten Saison verfuhr man nach diesem Plan. Nach Ablauf dieses Zeitraums waren die Eingeborenen völlig schuldenfrei. Darüber hinaus hatten sie auch ihren Zehnten und ihr Fastopfer bezahlt und die Abendmahlsversammlungen besucht.
Als die Eingeborenen am Ende der ersten Saison auf ihre Heimatinsel zusegelten, betrachtete jeder ängstlich den Strand der geliebten Heimat. Sobald sie sich dem Strand so weit genähert hatten, daß sie die Plantagen deutlich sehen konnte, füllten sich die Augen aller treuen Heiligen, die zu den Eingeborenen gehörten, mit Tränen der Dankbarkeit. Im strahlenden Licht der Morgensonne sah man, daß das kranke Grün der Kokospalmenzweige in eine tiefe wächserne Farbe übergegangen war. Jeder Baum trug mehr Nüsse als je zuvor.
So hatten die Heiligen nach drei Jahren ihre Schulden bezahlt. Die Pflanzungen waren gesundet, und die Heiligen waren demütig und dem Herrn dankbar für diese großen Segnungen. Die Worte des Herrn hatten sich erfüllt: „Ich, der Herr, bin verpflichtet, wenn ihr tut, was ich sage .
September 1977

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