Wenn Mütter den Wunsch haben, die Familienmitglieder in Liebe, Frieden und Evangeliumseinsicht zu vereinigen

Veröffentlicht auf von Bettina

Sonntag ist der Tag dafür!

Seit der Geburt unserer Kinder haben wir uns jeden Sonntag gefragt: „Was kann die Familie tun, um den Sabbat zu heiligen?” Es hat für meinen Mann und mich nichts Wichtigeres gegeben, als daß unsere Kinder den himmlischen Vater kennen und Seine Gebote halten lernen. Wir haben alle den Sabbat heiligen wollen und haben stets auf das geachtet, was ein jedes von uns tut, in der Hoffnung, daß unser Tun dem Herrn angenehm sei.

Die Priestertumsversammlung, die Sonntagsschule, die Abendmahlsversammlung und andere angesetzte Kirchenversammlungen sind für uns am Sonntag das Wichtigste. Die Anwesenheit bei diesen Versammlungen nimmt den größten Teil des Tages in Anspruch. Gleichwohl finden wir während des Tages Zeit, in der Familie etwas Besonderes zu tun. Viel von dem, was am Sonntag erlaubt und was nicht erlaubt ist, haben wir den Schriften und Ansprachen unserer Propheten entnommen. Anderes haben wir nach Bewertung unserer Erfahrungen bestimmt. Wir haben folgende Kriterien für die Bestimmung gelten lassen:

1.   Erweitert die Tätigkeit unsere Evangeliumskenntnis?

2.   Vereint sie die Familie?

3.   Bringt sie Liebe und Frieden in unsere Familie?


4.      Ist sie einzigartig für den Sonntag?

 

Der Sonntag ist der Tag gewesen, wo wir die Großeltern zu uns eingeladen oder wo wir sie besucht haben. Wir sind mit vier liebevollen, großmütigen und geistigen Großeltern gesegnet. Wir haben viele glückliche Sonntage mit Zuhören verbracht, wenn sie uns von Erlebnissen ihrer Jugend und denen berühmter Vorfahren erzählt haben. Welch große Gabe können wir den Kindern schenken: daß sie Vorfahren haben, die ihr Leben in den Dienst Gottes und ihrer Mitmenschen gestellt haben. Diese Erkenntnis erfüllt uns mit dem Wunsch, so zu leben, daß wir ihres Vorbilds würdig sind.

Der Sonntag war der von meinem Mann und mir auserwählte Tag, um mit unseren Kindern den Missionarsplan durchzunehmen, den wir mit Untersuchern auf unseren Missionsfeldern benützt hatten. Wir wollten, daß unsere Kinder dieselbe Freude über die Beantwortung von Gebeten erfahren sollten wie die Bekehrten, wenn sie das Buch Mormon und die Evangeliumsgrundsätze studieren und nach einem Zeugnis trachten. Dies ist der Tag, wo andere Evangeliumslektionen aus Leitfäden und Zeitschriften der Kirche gelehrt und wo Ansprachen geschrieben werden.

Einige unserer jetzigen Sonntagsbeschäftigungen sind nicht mehr die gleichen wie vor einigen Jahren. Unsere älteste Tochter ist das zweite Jahr an der Oberschule und unser jüngstes Kind, unser einziger Sohn, geht in die sechste Klasse. Der Geist des Sabbats bleibt dennoch in unserer Familie derselbe, da wir neue Wege finden, ihn auszudrücken.

Der Sonntag ist immer noch der Tag, wo wir unsere persönlichen Photoalben und Tagebücher ergänzen. Jedes Familienmitglied hat mindestens drei mit bestimmten Erinnerungen und persönlicher Geschichte gefüllte Sammelalben.

Der Sonntag ist der einzige Tag, wo wir Zeit gefunden haben, innerhalb der Familie zu singen. Wir sind von klugen Großeltern ermuntert worden, an besonderen Anlässen — wie Geburtstagsessen, Zusammenkünfte, Erntedankfest, Weihnachten und Heimabend — Programme darzubieten. Dies macht notwendig, daß wir Manuskripte schreiben, Instrumente und Theater spielen und zusammen singen. Unsere Kinder haben sich nicht nur, solange sie klein waren, für Marionettenaufführungen interessiert — erst letzte Woche haben unsere Teenager am Sonntagabend zwei Stunden damit verbracht, eine Dramatisierung ihres eigenen Theaterstücks auf Tonband aufzunehmen, um der Familie eine Marionettenvorstellung zu geben. Der Sonntag ist der Tag, wo wir unsere beste Wäsche, unser bestes Besteck und unsere besten Gläser für die Mahlzeiten verwenden, obschon das Essen meistens einfacher vorbereitet wird als an anderen Tagen, und zwar wegen unserer vielen Beschäftigungen in der Kirche.

Dies ist ein Tag, wo wir hoffen, daß uns Freunde besuchen kommen — mit oder ohne Einladung.

Es ist der eine Tag in der Woche, wo sich die Familie um den Küchentisch versammelt und die Tätigkeiten der vergangenen Woche bewertet und für die folgende plant. Wir erzählen einander diejenigen Geschehnisse der Woche, worüber wir uns freuen, und die, die wir ändern möchten. Wir bringen unsere Wünsche und Gefühle dem Leben gegenüber — unser Interesse für öffentliche Ereignisse — unsere Liebe zu einander in Worte.

Dies ist der Tag, wo mein Mann von jedem Kind eine Feststellung über die in den nächsten Wochen kommenden besonderen Schul- und Kirchenaufgaben verlangt – damit keine Aufgabe auf den „Abend vorher“ aufgeschoben wird. Er ermutigt ebenso jedes von ihnen, die anderen an seiner Steinsammlung, an Prüfungsarbeiten, an der Ehrenabzeichen-Aufgabe, an der Pfadfinderauszeichnung, an einem gelesenen Buch – am Erreichtem und Gelerntem – teilhaben zu lassen, damit jedes für die Familie zu einem Lehrer wird. Wir bezeugen einander in unseren Gesprächen gelernte Wahrheiten und Segnungen, die wir vom himmlischen Vater erhalten haben.

Dies ist der Tag, wo wir nicht ins Kino gehen, nicht Ball spielen, nicht einkaufen und nicht schwimmen gehen. Dies ist der Tag, wo wir wissen, dass wir schlafen, uns ausruhen oder eine ruhige Stunde mit Lesen verbringen können.

Der Sonntag ist für uns der wichtigste Faktor gewesen,  um in unserer Familie den Wunsch wachzuhalten, miteinander zu sein und sich für einander zu interessieren. Wir danken dem himmlischen Vater für diesen Tag, wo wir uns an Ihn erinnern und uns weihen, ihm mehr ähnlich zu werden.

Von Ethna R. Reid, Mai 1970

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