Sie war Torwart

Veröffentlicht auf von Bettina

Mensch, Jodi! Es ist doch nur ein einziges Fußballspiel! Gott wird dich schon nicht hassen, nur weil du ein einziges Mal an einem Sonntag spielst."

„Das stimmt, dachte Jodi Allen, ein siebzehnjähriges Mädchen aus Sandy, Utah, der beste Torwart der Fußballmannschaft. Aber wenn sie spielte, brach sie damit ein Versprechen, das sie dem himmlischen Vater vor Jahren gegeben hatte.

Nur – wie konnte sie das ihren Mannschaftskameradinnen erklären, die sie bedrängten, sie solle doch mitspielen? Die Mannschaft hatte sich die ganze Saison lang sehr angestrengt und die Meisterschaft in Utah gewonnen. Dann waren sie zur Regionsausscheidung nach San Francisco gefahren, um gegen die anderen Siegermannschaften aus dem Westen der USA anzutreten. Sie hatten einige Spiele erfolgreich hinter sich gebracht und sollten jetzt gegen eine Mannschaft spielen, gegen die sie ein Jahr zuvor verloren hatten..Jodis Mannschaft dürstete nach Rache, und wenn sie gewannen, kamen sie in die Endausscheidung.

Aber das Spiel war für Sonntag angesetzt.

„Ach, Jodi! Was du dir bloß einbildest! Ein paar von uns sind auch Mitglieder der Kirche, und wir spielen Sonntag auch mit. Meinst du etwa, du wärst etwas Besseres als wir?”

Darum ging es doch gar nicht. Es war einfach so: Als Jodi zur Highschool gekommen war und angefangen hatte, Fußball zu spielen, da hatte sie dem Herrn versprochen, niemals am Sonntag zu spielen, und sie hatte ihn gebeten, ihr zu helfen, damit sie ihr Bestes geben konnte. Und er hatte ihr geholfen – viel mehr, als sie erwartet hatte. Weil Jodi ihr Versprechen gehalten hatte, hatte sie viele Gelegenheiten gehabt, mit anderen über die Kirche zu sprechen.

„Bei einem Turnier habe ich einen Fußballspieler aus einem anderen Bundesstaat kennengelernt, der wissen wollte, warum ich sonntags nicht spiele, erzählt Jodi. „Daraufhin habe ich ihm vom Evangelium erzählt. Als wir wieder zu Hause waren, haben wir einander geschrieben. Ich habe ihm ein Buch Mormon geschickt. Dabei hatte ich ein bißchen Angst, weil ich nicht wußte, wie er reagieren würde. Aber er hat es gelesen und wollte mehr darüber wissen. Da habe ich ihm ein paar Broschüren von der Kirche geschickt, und nach einer Weile hat er sich taufen lassen.

Dann waren wir einmal mit dem Bus zu einem Fußballspiel unterwegs. (Die Mädchen- und Jungenmannschaften fahren gemeinsam.) Ich las im Buch Mormon. Ich hatte eine dicke Vierfachkombination mit, die ziemlich auffällig war.

der Nähe von San Francisco wohnte, und baten sie, Jodi beizustehen.

Am nächsten Morgen stand Jodi auf und zog das Kleid an, das sie auch trug, als sie dann am Spielfeldrand stand, um ihrer Mannschaft zuzusehen. Das Spiel endete eins zu eins - unentschieden. Nach dem Spiel entschuldigten sich viele

Ein Junge, der in Utah wohnte, sagte, er habe noch nie ein Buch Mormon gesehen, und wollte es sich ansehen. Er hat es sich angeschaut und dazu Fragen gestellt. Bald war der hintere Bus in eine Diskussion über das Buch Mormon verwickelt. Es war, als sei zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil des Busses ein Vorhang zugezogen worden; vorne wurden nämlich unanständige Witze erzählt."

Jodi hat zusammen mit ihrem Fußballdreß immer extra ein Buch Mormon in der Tasche, und sie hat schon viele Exemplare verschenkt. Sie hört es zwar gern, wenn man ihr Fußballspiel lobt, aber noch lieber ist es ihr, wenn die Leute sehen, daß sie „nach ihrer Religion lebt”.

Es ging also gar nicht darum, oh sie am Sonntag spielen sollte oder nicht - auch nicht bei diesem Turnier, sondern es ging darum, wie sie es ihren Mannschaftskameradinnen begreiflich stachen sollte.

Sie versuchte es so: „Wenn ich Sonntag nicht spiele, enttäusche ich meine Mannschaft, und das mag ich gar nicht. Aber wenn ich Sonntag doch spiele, enttäusche ich noch viel mehr Leute. Ich enttäusche mich selbst, weil ich mein Versprechen brechen würde. Ich würde meine Eltern enttäuschen, die wissen, wie wichtig mir dieses Versprechen ist. Ich würde meine Vettern und Kusinen enttäuschen, die wegen mir sonntags nicht spielen, und ich würde meine Seminarlehrer enttäuschen, die mir etwas anderes beigebracht haben. Vor allem aber würde ich Gott enttäuschen, und das kann ich nicht.

Das war eine großartige Erklärung, aber sie nützte Jodi nicht viel. Den ganzen Samstagabend bemühte sich ihre Mannschaft noch, sie umzustimmen. Sie machten sich über sie lustig und beschimpften sie. Gegen Mitternacht rief Jodi weinend ihre Eltern an, nicht weil sie versucht gewesen wäre nachzugeben, sondern weil sie sich so einsam fühlte.

Ihre Eltern hörten zu und verstanden sie. Ihr Vater und ihre Mutter kamen ans Telefon und beteten gemeinsam mit ihr. Anschließend riefen sie noch eine Freundin an, die in

ihrer Mannschaftskameradinnen bei ihr, weil sie sie so heftig kritisiert hatten.

Die Mannschaft kam hei dem Turnier auf den dritten Platz; so weit vorne waren sie noch nie gewesen. Jodi meinte, das sei ein Höhepunkt, an dem sie ihre Fußballkarriere beenden sollte.

„Ich habe so ungefähr alles erreicht, was ich im Fußball erreichen wollte, meint sie. Sie war als bester weiblicher Torwart in ihrem Bundesstaat eingestuft worden, und mehrere Universitäten hatten sie darauf angesprochen, ob sie für sie spielen wolle, dann aber abgewunken, als sie hörten, sie spiele sonntags nie. „Ich möchte jetzt auch mal meine anderen Talente entwickeln - zum Beispiel Musik und Theaterspielen. Außerdem bin ich im Seminarrat, und das kostet auch viel Zeit, meint Jodi.

Und so wird Jodi in ihrem letzten Jahr an der Highschool sehr beschäftigt sein, auch wenn sie nicht mehr Fußball spielt, was sie lange so intensiv getan hat. Sie meint, sie werde das nicht so sehr vermissen, und was sie dabei gelernt habe, werde ihr auch in anderen Lebensbereichen helfen.

„Alles hat seine Stunde', und die Stunde des Fußballs ist vorbei, sagt Jodi. „Es tut mir nicht leid. Durch das Fußballspielen haben sich mir in missionarischer Hinsicht viele Türen geöffnet. Der Herr hat mich sehr gesegnet und durch mich auch andere Menschen. Ich habe meinen Lohn erhalten. Ich hin gedemütigt und herumgestoßen worden, aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich damit fertig werde. Der Herr weiß, daß er auf mich zählen kann, und ich weiß auch, daß ich auf mich zählen kann.”

Und Jodi ist sehr froh, daß sie sich all das nicht durch ein einziges Fußballspiel verdorben hat.

Lisa A. Johnson, September 1990

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