Dienstag, 23. september 2008
Die Art und Weise, wie wir den Sabbat heilighalten, zeigt den Grad unserer Bekehrung und unserer Bereitschaft, die heiligen Bündnisse einzuhalten.
166. Frühjahrs-Generalkonferenz April 1996
Elder Earl Tingey von den Siebzigern:

Guten Morgen, Brüder und Schwestern. Ich spreche heute über den Sabbat, insbesondere im Zusammenhang mit dem Einkaufen am Sonntag. Von Anfang an hat Gott die Propheten angewiesen, sein Bundesvolk zu lehren, daß es den Sabbat in Ehren hält. Gott ruhte am siebten Tag von seinem Schöpfungswerk.1 Dieser Tag wurde gesegnet und als Tag des Herrn geheiligt.
Das vierte Gebot, das Mose erhielt, lautete: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!” 2 Elder Bruce R. McConkie hat gelehrt, daß die Sabbatheiligung ein Zeichen zwischen dem alten Israel und seinem Gott war, wodurch sich Gottes auserwähltes Volk auszeichnete.3
Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage betrachten den Sonntag als den Sabbat, und zwar in Erinnerung daran, daß Christus an einem Sonntag aus dem Grab hervorkam und die Apostel sich von da an am ersten Tag der Woche versammelten.4
Am Sonntag, den 7. August 1831 offenbarte der Herr dem Propheten Joseph Smith folgendes :
„Und damit du dich selbst noch mehr von der Welt unbefleckt halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens gehen und deine heiligen Handlungen darbringen; denn wahrlich, das ist der Tag, der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest; doch sollen deine Gelübde an allen Tagen und zu allen Zeiten in Rechtschaffenheit dargebracht werden; aber denke daran: An diesem Tag, am Tag des Herrn, sollst du dem Allerhöchsten deine Gaben und deine heiligen Handlungen darbringen und deinen Brüdern sowie vor dem Herrn deine Sünden bekennen.
Und an diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzenslauterkeit deine Speise bereiten, damit dein Fasten vollkommen sei oder, mit anderen Worten, damit deine Freude vollständig sei."5
In einer Regionsschulung für Priestertumsführer, die kürzlich stattfand, brachte Präsident Gordon B. Hinckley seine Sorge darüber zum Ausdruck, daß die Mitglieder der Kirche vielleicht dazu neigen, die Wege der Welt zu übernehmen. Er sagte:
„Wir nehmen sie nicht sofort an, aber leider übernehmen wir sie langsam. Ich wünschte, ich hätte die Macht, die ganze Kirche dazu zu bekehren, den Sabbat heiligzuhalten. Ich weiß, daß unsere Mitglieder reichlicher vom Herrn gesegnet würden, wenn sie, was die Sabbatheiligung angeht, treu wären. "6
Ein bedeutender Aspekt der richtigen Sabbatheiligung ist, nicht am Sonntag einzukaufen. Leider sind viele Geschäfte und Einrichtungen am Sonntag geöffnet. Die Welt findet nichts dabei, am Sonntag einzukaufen. Doch uns, den Mitgliedern der Kirche, raten die Propheten, daß wir uns „von der Welt unbefleckt halten"7 sollen. Wir sollen am Sonntag nicht einkaufen.
Präsident Hinckley unterwies die Priestertumsführer weiter: „Niemand in der Kirche muß am Sonntag Möbel kaufen. Wirklich niemand. Niemand in der Kirche muß am Sonntag ein neues Auto kaufen. Niemand. Niemand in der Kirche muß am Sonntag Lebensmittel kaufen, wenn er nur ein wenig vorausplant. Niemand.... Sie müssen am Sonntag auch kein Eis kaufen.... Sie dürfen den Sonntag nicht zum Einkaufstag machen. Wir sollten die Ladenbesitzer, die am Sabbat geöffnet haben, wirklich nicht unterstützen. Warum haben sie geöffnet? Um Kunden zu gewinnen. Wer sind diese Kunden? Nun, es sind nicht nur Leute, die nicht unserer Kirche angehören. Das wissen Sie so gut wie ich. "8
Im Buch Nehemia, im Alten Testament, wurde das Volk gelehrt, den Sabbat heiligzuhalten, und wurde angewiesen: „Wenn die Völker des Landes Waren, besonders Getreide jeder Art, am Sabbat zum Verkauf anbieten, werden wir ihnen am Sabbat oder an einem anderen heiligen Tag nichts abnehmen. "9
Elder Dallin H. Oaks vom Kollegium der Zwölf Apostel hat gelehrt: „Die Propheten unserer Zeit haben uns aufgefordert, am Sonntag nicht einzukaufen. Wenn jemand von uns am Sonntag einkauft, so kann er sich nicht der Verantwortung dafür entziehen, daß er Geschäftsleute dazu ermuntert, am Sonntag offenzuhaben. Gewiß, für notwendige Dienste muß gesorgt sein, aber die meisten geschäftlichen Tätigkeiten ließen sich am Sonntag vermeiden, wenn Geschäftsleute und Kunden entschlossen wären, am Tag des Herrn keine Geschäfte zu machen."10
Brüder und Schwestern, wir wollen am Sonntag nicht einkaufen. Eine Möglichkeit, dies zu vermeiden, besteht darin, im voraus zu planen. Tanken Sie schon am Samstag. Kaufen Sie die Lebensmittel für das Wochenende am Samstag ein. Geben Sie niemandem Grund dafür, am Sonntag zu arbeiten, weil Sie in seinem Geschäft etwas kaufen. Natürlich gibt es wichtige Einrichtungen, wo auch sonntags gearbeitet werden muß. Dazu gehören Notdienste, Krankenhäuser, der öffentliche Verkehr sowie Polizei und Feuerwehr. Wir sind den Leuten dankbar, die in diesen wichtigen öffentlichen Einrichtungen arbeiten und uns Schutz und Hilfe gewähren.
In vielen Ländern auf der Welt und in manchen amerikanischen Bundesstaaten ist das Einkaufen am Sonntag gar nicht möglich oder sogar gesetzlich untersagt. Wir als Gemeinschaft der Heiligen sollten unseren Einfluß in positiver Weise geltend machen, um andere Bürger dazu zu ermuntern, am Sonntag nicht einzukaufen. Wir müssen den Anfang machen. Wenn wir am Sonntag nicht einkaufen, haben Geschäfte, die sonntags geöffnet haben, keinen finanziellen Anreiz mehr, sonntags weiterhin geöffnet zu haben. So einfach ist das.
Ich fahre oft durch ländliche Gegenden und kleine Städte, wenn ich am Sonntagnachmittag von einer Pfahlkonferenz nach Hause fahre. Dabei stelle ich fast immer fest, daß die Traktoren stillstehen und niemand auf den Feldern arbeitet. Ich danke Gott für den Glauben der demütigen Landwirte. Wenn ich dann durch die größeren Städte fahre, sehe ich die Parkplätze vieler Geschäfte voll mit Autos, und es stimmt mich traurig, daß das Gesetz des Herrn nicht eingehalten wird. Die Inhaber und Geschäftsleiter solcher Geschäfte rechtfertigen sich oft damit, daß sie wettbewerbsfähig bleiben, sich den Geschäftsmethoden anpassen müssen usw.
Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch, das Präsident Spencer W. Kimball einmal mit einem treuen Mitglied der Kirche führte. Es verlief etwa so:
„Was sind Sie von Beruf?” Der Mann antwortete: „Ich betreibe eine Tankstelle.” Und ich fragte: „Haben Sie am Sonntag geöffnet?” Seine Antwort lautete: „Nein, habe ich nicht.” „Wie kommen Sie dann zurecht? Die meisten Tankstellenbesitzer sind doch wohl der Meinung, sie müßten auch sonntags geöffnet haben.” „Ich komme gut zurecht”, sagte er. „Der Herr ist gut zu mir.” „Ist die Konkurrenz nicht hart?” fragte ich. „Ja, das ist sie”, antwortete er. „Gegenüber ist eine Tankstelle, die den ganzen Sonntag über geöffnet hat.” „Und Sie haben nie geöffnet?” fragte ich. „Nein”, sagte er, „und ich bin dankbar dafür. Der Herr ist gut, und ich habe alles, was ich brauche."11
Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind ein Bundesvolk. Wir wissen, daß wir in der Welt leben, aber wir sind angewiesen worden, nicht von der Welt zu sein. Wie das alte Israel, das ebenfalls ein Bundesvolk war, sollten wir die richtige Sabbatheiligung fördern, indem wir am Sonntag nicht einkaufen. Das soll ein Zeichen zwischen uns und unserem Gott werden, das uns auszeichnet.
Das ist unser Erbe. In dieser Evangeliumszeit werden wir seit den Tagen unserer Pionier vorfahren darüber unterwiesen. Ich erinnere mich an eine Ansprache, die Präsident Hinckley vor einigen Jahren gehalten hat. Darin sagte er:
„Einen Augenblick lang möchte ich Sie 142 Jahre in die Vergangenheit mitnehmen, als es weder Tabernakel noch Tempel oder Tempelplatz gab. Am 24. Juli 1847 kamen die ersten Pioniere in dieses Tal. Ein paar von ihnen waren schon ein, zwei Tage vorher angekommen. Brigham Young traf am Samstag ein. Am nächsten Tag wurden am Vormittag und am Nachmittag Sonntagsversammlungen abgehalten. Es gab kein Versammlungsgebäude. Ich nehme an, die Leute saßen in der Gluthitze jenes Julitags auf der Deichsel ihres Wagens oder lehnten sich an ein Rad, während die Brüder sprachen. Es war schon spät im Jahr, und sie hatten eine gewaltige und dringende Aufgabe vor sich, wenn sie für das kommende Jahr noch etwas anbauen wollten. Brigham Young bat sie jedoch eindringlich, weder jetzt noch später den Sonntag zu entheiligen."12
Können wir uns überhaupt vorstellen, was für eine Versuchung es für unsere Pioniervorfahren gewesen sein muß, den Sabbat zu entweihen? Ihr Überleben hing von der Nahrung ab, die sie anpflanzen und ernten konnten. Und doch gaben ihre Führer ihnen den Rat, an die Verheißungen des Herrn zu glauben und den Sabbat heiligzuhalten.
Wie lauten die Verheißungen und Segnungen des Herrn für diejenigen, die den Sabbat in Ehren halten, indem sie am Sonntag nicht einkaufen? Der 59. Abschnitt in Lehre und Bündnisse und das 26. Kapitel des Buches Levitikus im Alten Testament enthalten ähnliche Verheißungen: „Euch gehört die Fülle der Erde; ich gebe euch Regen zur rechten Zeit und die Erde liefert ihren Ertrag; ich schaffe Frieden im Land; ich wende mich euch zu, mache euch groß und halte meinen Bund mit euch aufrecht."13
Präsident George Albert Smith nannte einmal eine weitere Segnung, die gleichzeitig eine Warnung ist:
„Ein großer Teil des Leids und des Elends, das die Menschheit quält, ist darauf zurückzuführen, daß sie seine (Gottes) Ermahnung mißachten, den Sabbat heiligzuhalten."14
Und schließlich zeigt die Art und Weise, wie wir den Sabbat heilighalten, den Grad unserer Bekehrung und unserer Bereitschaft, die heiligen Bündnisse einzuhalten, gerade auch in dieser wunderbaren Osterzeit. Elder Mark E. Petersen hat gesagt:
„Inwieweit wir den Sabbat heilighalten oder nicht, ist ein sicherer Maßstab für unsere Einstellung gegenüber dem Herrn selbst und gegenüber seinem Leiden in Getsemani, seinem Tod am Kreuz und seiner
Auferstehung von den Töten. Daran läßt sich erkennen, ob wir tatsächlich Christen sind oder ob unsere Bekehrung so oberflächlich ist, daß die Erinnerung an sein Sühnopfer uns nichts oder nur wenig bedeutet."15
Ich gebe demütig Zeugnis von der Heiligkeit des Sabbats und von der Notwendigkeit, daß wir uns fest vornehmen, am Sonntag nicht einzukaufen. Die Sabbatheiligung ist Teil unseres Glaubens und die Befolgung eines ewigen Grundsatzes. Sie ist ein Zeichen zwischen Gott und seinem auserwählten Volk. Sie ist ein wahres Gesetz und ein Gebot Gottes. Im Namen Jesu Christi. Amen.


FUSSNOTEN
1 Siehe Mose 3:3; Genesis 2:2,3.
2 Exodus 20:8.
3 Siehe Bruce R. McConkie, Mormon Doctrine, Seite 658; siehe auch Nehemia 13:15—22; Jesaja 56:1—8; Jeremia 17:19—27; Ezechiel 46:1—7; Exodus 31:12—17.
4 siehe Johannes 20:1; Lukas 24:1; Markus 16:1; Matthäus 28:1; Apostelgeschichte 20:7.
5 LuB 59:9—13.
6 Regionskonferenz Heber City/Springville Utah,
Priestertumsführerschaftsversammlung, 13. Mai 1995.
7 LuB 59:9.
8. Regionskonferenz Heber City /Springville Utah, Priestertumsführerschaftsversammlung, 13. Mai 1995.
9 Nehemia 10:32.
10 Der Stern, Januar 1987, Seite 19.
11 The Teachings of Spencer W. Kimball, Seite 227.
12 Der Stern, Januar 1990, Seite 52.
13 LuB 59:16—19; Levitikus 26:2—6,9.
14 Generalkonferenz, Oktober 1935 (ztiert von Präsident Ezra Taft Benson, Ensign, Mai 1971, Seite 7).
15 Generalkonferenz, April 1975.

von Bettina
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Donnerstag, 22. mai 2008
„Wer meine Bücher sehen könnte, wäre bestimmt nicht so darauf erpicht, sein Geschäft am Sonntag offenzuhalten! Ich kann rechnerisch beweisen, daß wir die ganzen Jahre, in denen unser Geschäft sonntags geöffnet war, am Sonntag keinen Gewinn gemacht haben.”
Als meine Frau und ich jung verheiratet waren, haben wir einige Jahre in Gaststätten in Idaho Falls gearbeitet. Diese Gaststätten wären sonntags geöffnet. Dabei haben wir gemerkt, daß der Sonntag fast immer ein Verlusttag war. Die Maschinen schienen immer dann ihren Geist aufzugeben, und wir konnten die Kunden nicht bedienen. Die Reparatur kostete am Sonntag doppelt so viel wie an anderen Tagen. Außerdem war es schwer, gute Hilfskräfte zu finden. Wir schworen uns, daß wir einiges anders machen würden, wenn wir uns selbst eine Gaststätte kauften.
Schließlich wurde dieser Wunsch Wirklichkeit. Wir kauften ein Schnellrestaurant. Wir mußten einen hohen Kredit aufnehmen, um das Restaurant kaufen zu können. Die Finanzmakler und die Eigentümer von anderen Restaurants in der Gegend versicherten uns, daß wir nicht die geringste Chance hätten, das Darlehen zurückzuzahlen, wenn wir beim größten Verkaufstag der Woche - dem Sonntag - nicht mitmachen würden. Weil wir bereits eine Anzahlung geleistet und unser Unternehmen zum Erfolg führen wollten, fühlten wir uns in die Enge getrieben. Wir öffneten also am Sonntag.
Wie vorausgesagt, erwies sich der Sonntag als der größte Verkaufstag.
Und da wir uns einmal entschlossen hatten, sonntags zu öffnen, konnten wir das jetzt nicht wieder rückgängig machen. Wir hatten Angst, daß der Verdienst zurückginge. Allmählich wuchs in unserem Hinterkopf die Befürchtung, daß wir unsere Kunden verlieren würden, wenn wir sonntags nicht bedienen würden, und daß wir dann nicht die hohe Summe aufbringen könnten, um das Geschäft in unseren Besitz zu bringen.
Wir hatten unser Ziel beinah erreicht, als ich einen Herzanfall hatte. Und weil gute Hilfskräfte für den Sonntag schwer zu finden sind, entschlossen wir uns, während der Wintermonate am Sonntag zu schließen.
Mein Arzt freute sich über diesen Entschluß, denn jetzt konnte ich mir die dringend nötige Ruhe gönnen. Aber als die Monate vergingen, sorgte ich mich wegen des geringen Umsatzes, den unsere Bücher aufwiesen. Eines Tages sprach ich mit meiner Frau darüber, ob wir sonntags nicht wieder öffnen sollten. Sie sah mich kurze Zeit schweigend an und sagte dann: „Schau erst mal in den Spiegel und sag mir, ob so ein Mann aussieht, der sieben Tage Arbeiten in der Woche durchhält.”
„Da muß ich wohl nicht erst in den Spiegel schauen”, sagte ich langsam. „Wir vergessen dieses Thema wohl am besten.”
Als wir uns später gemeinsam hinsetzten und die Bilanz für das Geschäftsjahr machten, bestätigten sich unsere Befürchtungen - wir hatten 17000 Dollar weniger umgesetzt als in den vorangegangenen Jahren! Aber trotz des geringeren Umsatzes wie die Bilanz nur einen um 10 Dollar geringeren Gewinn aus! Wir waren überrascht. Aufgrund dieser Zahlen entschlossen wir uns, unser Schnellrestaurant ein weiteres Jahr am Sonntag geschlossen zu halten. Und wieder war zwar der Umsatz gering, aber nicht der Gewinn! Unser Restaurant hatte auch Erfolg, ohne daß wir am Sonntag geöffnet hatten.
Wenn ich mir überlege, wie sehr ich meiner Gesundheit geschadet habe und daß ich alle Sonntage für nichts gearbeitet habe, dann kann ich mich nur wundern, wieso ich so lange gebraucht habe, bis ich gelernt habe, daß das Befolgen des Gebotes der Sabbatheiligung seinen Lohn in sich trägt. Der Sabbat ist der Tag des Herrn. Wenn wir ihn heilighalten, werden wir dafür gesegnet.
Quinten und LaRae Warr, niedergeschrieben von Ruth Heiner, April 1985

von Bettina
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Dienstag, 20. mai 2008
„Ich bezeuge: Wenn wir einmal alles vom Blickwinkel der ewigen Wahrheit aus sehen, dann werden wir überrascht sein, wie sehr wir auf wichtige, oft unbekannte Weise gesegnet worden sind, weil wir den Sabbat heilig gehalten haben.”

Ich bete sehr darum, daß der Geist des Herrn weiter wie bisher bei uns bleiben wird. Gott hat uns aufgefordert: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!” (Exodus 20:8.) Dieses Gebot ist schon während der gesamten Menschheitsgeschichte in Kraft. Es liegt Macht darin, wenn man den Sabbat heiligt. Ich bezeuge, daß Gott lebt, daß wir seine Kinder sind, daß er uns liebt und daß er uns Gebote gegeben hat, damit er uns segnen kann, wenn wir die Gebote halten, und dadurch Freude empfinden. Wenn wir den Sabbat heiligen, wird er uns segnen, und wir werden für uns selbst, für unsere Familie und für die ganze Nation eine stille Kraft erhalten, die uns auf keine andere Weise zuteil werden kann.
Ich möchte Ihnen zwei Beispiele vorlegen:
Die kleine Insel Tonga liegt in unmittelbarer Nähe der internationalen Datumslinie, deshalb ist Tonga das erste Land der Welt, das den Sabbat willkommen heißt. Tonga ist nur klein und nach den Maßstäben der Welt arm. Aber vor vielen Jahren bestimmte ein weiser König, daß der Sabbat auf Tonga für alle Zeit geheiligt werden sollte.
Die moderne Zivilisation hat Tonga auf vielfache Weise beeinflußt. Wenn man wochentags durch die Hauptstadt Nuku'alofa geht, sieht man das gewohnte Bild von dichtem Verkehr vor sich: Lastwagen, Personenwagen und Tausende von Kunden drängen sich und kaufen in den wohlbestückten Läden und Märkten ein. Man sieht die Leute Schlange stehen, um einen neuen Film zu sehen oder ein Videoband auszuleihen. Man sieht moderne Busse, die Touristen ausspucken, die ihr Flugzeug erwischen wollen, man kann per Satellit in die Vereinigten Staaten anrufen, die Leitung ist schnell und deutlich. Die Straßen sind voll, und die Geschäfte gehen gut. Sie fragen sich vielleicht: „Was unterscheidet diese Stadt denn nun von Hunderten anderer ähnlicher Städte auf der ganzen Welt?”
Wenn über dem Königreich Tonga aber der Sonntag heraufdämmert, dann sieht man die Wandlung. Wenn man in die Stadt geht, sieht man ausgestorbene Straßen – keine Taxis, keine Busse, keine Menschenmassen. Alle Geschäfte, alle Märkte, alle Kinos und alle Büros sind geschlossen. Die Flugzeuge fliegen nicht, Schiffe laufen weder ein noch aus, und nirgendwo wird Handel gleich welcher Art getrieben. Niemand spielt. Die Menschen gehen zur Kirche. Tonga hat nicht vergessen, den Sabbat zu heiligen.
Es ist bedeutsam, daß das Land, das als erstes auf der Welt den Sabbat willkommen heißt, ihn auch heilig hält.
Hat der Herr das Volk gesegnet? Vielleicht kann die Welt seine Segnungen nicht sehen, aber wo es wirklich darauf ankommt, hat er sie in überreichem Maße gesegnet. Er hat sie mit dem Evangelium Jesu Christi gesegnet, und auf Tonga gehört ein gräßerer Prozentsatz der Bevölkerung der Kirche an als in jedem anderen Land der Welt.
Einfache, gepflegte Gemeindehäuser überziehen das Land. Überall sieht man lächelnde eingeborene Missionare. In Tonga gibt es einen wunderschönen, außerordentlich gut besuchten Tempel, der eine Verheißung erfüllt, die vor unzähligen Jahren ausgesprochen wurde. Und, wie man es wohl nicht anders erwartet hat, liegt das Volk von Tonga mit seinen Anwesenheitszahlen und seinem Zehntenaufkommen beinahe an der Spitze. Vor kurzem sind die Heiligen mit einigermaßen intensivem Widerstand gesegnet worden, der aber nur dazu beiträgt, daß sich diejenigen, die wirklich nach dem ewigen Leben trachten, noch mehr heiligen können.
Liebt und segnet der Herr diejenigen, die den Sabbat heiligen? Ich bezeuge, daß er das tut, und zwar auf eine Weise, die Bedeutung für die Ewigkeit hat. Ich bezeuge weiter: Wenn wir einmal alles vom Blickwinkel der ewigen Wahrheit aus sehen, dann werden wir überrascht sein, wie sehr wir auf wichtige, oft unbemerkte Weise gesegnet worden sind, weil wir den Sabbat heilig gehalten haben. Wir werden dann möglicherweise auch zu unserem Kummer erkennen, wie viele Segnungen wir uns vorenthalten haben, weil wir den Sabbat nicht immer geheiligt haben.
Zwischen dem richtigen Heiligen des Sabbats und wahrer Ehrfurcht vor Gott, die sich im Halten der anderen Gebote zeigt, besteht ein direkter Zusammenhang.
Wir können nicht alle auf Tonga wohnen, aber wir können alle den Sabbat heiligen und die Segnungen erhalten, die sich daraus ergeben. Und diese Segnungen erfolgen, unabhängig davon, wo wir wohnen, sie kommen sowohl zu uns persönlich als auch als Gemeinschaft.
Ich möchte Ihnen noch ein Beispiel aus unseren Tälern hier erzählen:
Vor einiger Zeit wurde ich beauftragt, im Juni an einer Konferenz in Nordutah teilzunehmen. Als ich am Samstag durch das Cache-Valley fuhr, war ich von der Schönheit dieses friedlichen, grünen Tals sehr berührt. Ich bewunderte den Tempel in Logan auf so vielerlei Weise – ein ruhiges, friedliches Zeichen. Als ich an jenem klaren Sommertag weiter nordwärts fuhr, freute ich mich an den grünen Feldern, die eine reiche Ernte an vielerlei Getreide versprachen. Mir fiel besonders die hohe Zahl von Luzernefeldern auf und daß in fast allen ständig Bewegung herrschte. Es war so schön, das frisch gemähte Heu zu riechen und die geraden Furchen zu sehen, die die wohlbestellten Felder durchzogen.
Ich parkte das Auto am Straßenrand, oben auf einem Hügel, und stieg aus. Ich wurde richtig in das schöne Tal aufgesogen. So weit ich sehen konnte, spielte sich überall das gleiche ab: Gras wurde gemäht, aufgeschichtet und als Heu fortgefahren.
Ich fuhr schließlich weiter, in den Pfahl, wo wir eine wundervolle Konferenz hatten.
Meine Eltern wohnen im Südosten Idahos, und weil ich sowieso schon auf halbem Wege da war, beschloß ich, am Sonntagnachmittag zu ihnen zu fahren und sie zu besuchen, ehe ich mich auf den Weg nach Hause machte.
Also fuhr ich nach der Konferenz weiter durch das Cache-Valley nach Norden. Nach ein paar Meilen war ich bereits in Idaho, aber die Landschaft und das Gefühl waren die gleichen. Ich wurde wieder in die Schönheit der grünen Felder und den Geruch des frischen Heus um mich herum aufgesogen. Wieder hielt ich oben auf einem Hügel an und stieg aus. Ich sah mich in alle Richtungen um. Es war genauso schön wie am Tag vorher, vielleicht sogar schöner. „Ja, es ist eigentlich noch schöner”, dachte ich. „Aber warum?” Die Sonne, der Himmel, die Wolken und die Felder waren die gleichen. Warum hatte ich das Gefühl, daß der Anblick heute noch schöner war als am vorangegangenen Tag?
Wo lag der Unterschied? In der Ferne konnte ich ein kleines Gemeindehaus der Kirche sehen. Ich sah auch, wie ein paar Autos auf den Parkplatz fuhren. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: „Das ist anders! Niemand mäht heute oder fährt Heu.” Ich sah mich um, so weit ich konnte, und überall sah ich Felder, aber überall standen die Traktoren still, die Mähmaschinen waren abgestellt, und die Lastwagen standen still auf den Feldern. Niemand arbeitete, denn es war Sabbat, und im Cache-Valley leben zum großen Teil gute Heilige der Letzten Tage.
Als ich weiter nach Norden fuhr, sah ich überall Heu, das gemäht, aufgeschichtet und fortgefahren werden mußte. Es gab die nötigen Werkzeuge, und das Wetter war gut, aber niemand arbeitete auf den Feldern. Die Bewohner des Tals folgten einem höheren Gesetz; im Cache-Valley wurde der Sabbat heiliggehalten.
Ich fuhr an Dutzenden, ja sogar Hunderten von Bauernhöfen vorbei, wo die Maschinen auf den Feldern warteten. Sie waren am Samstagabend von gottesfürchtigen Männern stehengelassen worden und warteten auf den Montag, wo die Arbeit wieder anhub. Ich fragte mich: „Wird jemand diesen Zauber brechen, wird jemand heute draußen auf den Feldern arbeiten?”
Jedes Mal, wenn ich um eine Ecke gefahren oder einen Hügel hinaufgefahren war, sah ich mich um und stieß einen Seufzer der Erleichterung aus: Niemand arbeitete.
Ich fuhr immer weiter nach Norden und stellte fest, daß ich das wunderschöne Tal fast ganz durchquert hatte. „Wird jemand den Zauber brechen? Kann sich ein ganzes Tal Gott so sehr hingeben, daß niemand am Sabbat arbeitet?” Die Spannung wurde fast unerträglich. Nach jeder Kurve und auf jedem Hügel sah ich mich fast ängstlich um und lächelte dann, wenn sich die friedliche Szene fortsetzte.
Schließlich war ich an der letzten Kurve angelangt. Dort traf ich auf die Hauptstraße, und Cache-Valley war zu Ende. Ich schaute, so weit das Auge reichte, aber überall war es friedlich und ruhig. Ich war so aufgeregt, daß ich an die Seite fuhr, ausstieg, einen Luftsprung machte und rief: „Cache-Valley, du hast es geschafft. Du hast es geschafft! Ich bin der Länge nach durch dich hindurchgefahren. Du hast nicht gewußt, daß ich zugesehen habe, aber du hast es trotzdem geschafft – nicht ein einziges Feld ist gemäht worden, nicht ein einziger Traktor gefahren, nicht ein einziger Heuwagen unterwegs. Du hast es geschafft!” (Ich weiß schon, daß ich nur durch das nördliche Ende von Cache-Valley gefahren bin, aber es war immerhin Cache-Valley.)
Ich sah instinktiv zum Himmel auf und fragte: „Hast du das gesehen? Hast du Cache-Valley an diesem Sonntagnachmittag gesehen?”
Obwohl ich nichts hörte, war mir doch, als vernähme ich die Antwort: „Ja, wir wissen Bescheid. Wir sehen alles.”
In mir war so viel Freude, beinahe schon Ekstase, als ich nach Norden zu meinen Eltern fuhr, ehe ich mich auf den Heimweg machte.
Ich mußte noch lange an jenen Sonntagnachmittag denken. Ich dachte immer: „Du hast etwas Besonderes beobachtet, etwas wirklich sehr Bedeutendes: ein ganzes Tal hat den Sabbat des Herrn geheiligt.”
Ich habe seitdem oft darüber nachdenken müssen, aber wie so vieles andere geriet auch diese Erinnerung immer weiter in Vergessenheit, während ich mich mit aktuellen Problemen beschäftigen mußte. Der Winter kam, und ich vergaß das Erlebnis zur Gänze.
Ich reiste weiterhin jedes Wochenende in unterschiedliche Gebiete auf der Welt. Viele Monate später hatte ich den Auftrag, eine Konferenz in einer Stadt zu besuchen, von der bekannt ist, daß sie sich nicht an Gottes Gesetze hält. Die Heiligen dort waren wundervoll, aber – ach – die Dekadenz und Korruption, von der sie umgeben waren!
Als ich von diesem besonders hektischen Wochenende nach Hause kam, las ich in den Schriften. Ich dachte an Sodom und Gomorra. Waren die Menschen dort noch schlechter gewesen? Und doch hatte der Herr versprochen, er werde sie verschonen, wenn es dort nur fünfzig Gerechte, ja, sogar nur zehn Gerechte gab. Aber selbst diese ließen sich nicht finden.
Ich ließ meiner Fantasie freien Lauf, und es schien mir, als sähe ich Scharen von zerstörenden Engeln, die, vom Himmel Iosgelassen, über das Land donnerten. Und ehe ich noch Zeit hatte, über diesen Gedanken nachzudenken, sah ich mich selbst vor diesen zerstörenden Engeln stehen und rufen: „Halt, halt.” Und sie hielten inne. „Geht zurück”, sagte ich, und sie wendeten ihre Pferde; die Augen funkelten vor Ungeduld. Ihre Ungeduld war sichtbar, aber sie hielten inne.
Der Führer sah mir gerade in die Augen und fragte: „Mit welchem Recht befiehlst du uns, innezuhalten? Hast du nicht die Schlechtigkeit im Lande gesehen?”
Ich entgegnete: „Ja, ich weiß von der Verderbtheit der Welt. Ich sehe, wie sie ständig über Gottes Gebote spottet, wie die Menschen an seinem heiligen Tag Geschäfte machen, wie sie immer und immer wieder seine Gebote brechen. Ich sehe das Schlechte, das fast überall existiert. Ja, ja, all das stimmt ja, aber...” Und dann wurde ich besorgt. Welches Recht hatte ich denn, ihnen Einhalt zu gebieten?
Ich wendete meine Augen von dieser Szene ab, aber etwas in mir forschte weiter, forschte, bis mir schließlich wie ein Laserstrahl eine Erinnerung ins Gedächtnis zurückkam, etwas, was ich vor vielen Monaten erlebt hatte und das ich für solch eine Gelegenheit sorgfältig aufbewahrt hatte. Ich erinnerte mich an den Anblick des schönen grünen Tals, das ich durchfahren hatte. Alles kam mir wieder klar ins Gedächtnis zurück.
Ich hob den Blick und sah ihn an, als er mich erneut fragte: „Welches Recht hast du, uns Einhalt zu gebieten?”
Und dann entgegnete ich mit der Gewißheit des Wissens und der geistigen Weisung: „Ihr müßt innehalten, denn wißt ihr, ich bin an einem Sonntagnachmittag durch das Cache-Valley gefahren.”
Da gab es kein Zögern, keine Wut, keinen überraschten Blick, keine Enttäuschung, sondern nur Gehorsam. Er drehte sich um, kehrte zu seiner Schar zurück, und sie verschwanden.
Ja, meine lieben Brüder und Schwestern, es liegt Macht darin, wenn man den Sabbat heiligt – Macht, anderen als auch sich selbst zu helfen. Wenn wir Gottes Segnungen und Schutz für uns selbst und unsere Familie, unser Gemeinwesen und unser Land haben wollen, dann müssen wir den Sabbat heiligen.
Mögen wir alle so leben, daß wir irgendwann, irgendwie und irgendwo, wenn wir uns etwas sehr Ernsthaftem gegenübersehen, sagen können: „Halt, halt, halt.” Und wenn wir dann nach dem Grund gefragt werden, mögen wir dann selbst sagen können, aufgrund von Gehorsam und des Vertrauens, das der Geist vermittelt: „Weil ich an einem Sonntagnachmittag durch das Cache-Valley gefahren bin.” Darum bete ich demütig im Namen des Erretters, der lebt. Ich weiß, daß er lebt, ja Jesus Christus. Amen.
Elder John H. Groberg, Januar 1985
von Bettina
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Dienstag, 13. mai 2008
Als das Segelschiff, an dessen Bord sich Missionspräsident Ernest C. Rossiter und seine Frau befanden, in den Hafen von Takaroa einlief — Takaroa liegt eine Drei-Tage-Reise von Tahiti entfernt —, bemerkten sie besorgt, daß sich die Kokospalmen auf der Insel gelb gefärbt hatten und die Palmenzweige schlaff herunterhingen. Am nächsten Morgen stellten sie fest, daß dies auch den Eingeborenen auf der Insel große Sorge bereitete. Auf einer feierlichen Ratsversammlung trugen die Dorfbewohner Bruder Rossiter ihr Problem vor.
Äußerst würdevoll nannte ihn der Häuptling bei seinem Namen, den ihm die Eingeborenen beigelegt hatten, und sagte: „Ereneta, seit vielen, vielen Monaten versuchen wir Geld aufzubringen, um unsere Schulden abzutragen, die wir bei den weißen Händlern haben, aber der Herr ist uns nicht gnädig gewesen. Unsere Kokospalmen sind von einer Fäule befallen. Ihre Zweige hängen schlaff herunter, und die Nüsse fallen herab, ehe sie reif sind. Die Händler haben damit gedroht, Anspruch auf unsere Plantagen zu erheben, wenn wir nicht bezahlen, was wir ihnen schulden. Jedes Jahr, wenn die Saison dafür gekommen ist, brechen wir zum Perlentauchen auf, aber wenn wir zurückkehren, haben wir bei den Händlern noch größere Schulden als vorher. Du siehst also, daß wir deine Hilfe dringend brauchen, sonst verlieren wir alle unsere Habe.”
Bruder Rossiter war tief bekümmert und bat sich eine Frist von drei Tagen aus, wo er fasten und beten und über die Verschuldung der Eingeborenen nachdenken wolle. Seine Nachforschungen brachten eine erschreckende Erkenntnis: Die Leute befolgten das Wort der Weisheit nicht noch bezahlten sie den Zehnten und das Fastopfer; auch hielten sie ihr Priestertum nicht in Ehren.
Am Nachmittag des letzten Fasttags berief Bruder Rossiter eine Versammlung aller Heiligen ein. Im Gemeindehaus der Insel überkam ihn die Macht des Hejrn. Mit großem Nachdruck gab er seine Feststellungen bekannt und forderte die Mitglieder zur Buße auf. Er sagte ihnen, sie sollten sich vor dem Herrn demütigen und alle seine Gebote halten, dann werde Gott sie segnen und ihre Plantagen gesunden lassen, so daß sie wieder grün aussehen und reichlich Früchte tragen würden.
Sodann begann Bruder Rossiter mit der Ausführung eines Planes, womit er den Eingeborenen helfen wollte, ihre Schulden abzutragen. Er kehrte nach Tahiti zurück, und mit großer Überredungskunst gelang es ihm, ein Schiff und Ausrüstung zu mieten, welche die Eingeborenen während der Saison des Perlentauchens benutzen sollten. Er brachte das Schiff nach Takaroa, wo die Eingeborenen mit ihren Tieren und ihren Habseligkeiten an Bord gingen und zu einer anderen Insel segelten, wo man nach Perlen zu tauchen pflegte.
Unter Bruder Rossiters Aufsicht richteten sich die Heiligen dort Wohnstätten ein, führten strenge Vorschriften zur Beseitigung des Unrats ein und begannen mit den langen Stunden des mühseligen Perlentauchens: Sie waren jetzt sparsamer und arbeiteten härter und länger als je zuvor. Am Ende der Saison hatten die Perlentaucher, die der Kirche angehörten, 75% mehr Muscheln heraufgeholt als jede andere Gruppe von Tauchern auf der Insel. Einige Händler neideten ihnen jedoch ihre Einigkeit und ihren Erfolg und schlossen sich zusammen, um den Preis für die Perlmuscheln niedrig zu halten. Sie boten Bruder Rossiter und seinen Leuten nur 15 Cents für das Pfund, während sie anderen Gruppen 20 Cents zahlten.
Bruder Rossiter blieb jedoch fest. Er weigerte sich, die Muscheln zu diesem Preis zu verkaufen, und kündigte an, daß er sie ein Jahr lang lagern lassen würde, bis der Preis gestiegen wäre. Die Lagerung erübrigte sich aber, denn der größte Händler gab nach und erklärte sich nicht nur bereit, 30 Cents für das Pfund zu bezahlen, sondern auch, die Eingeborenen kostenlos zu ihrer Insel zu befördern.
Der Verkauf der Perlmuscheln brachte in dieser Saison über 50.000 $ ein. Auch während der nächsten und übernächsten Saison verfuhr man nach diesem Plan. Nach Ablauf dieses Zeitraums waren die Eingeborenen völlig schuldenfrei. Darüber hinaus hatten sie auch ihren Zehnten und ihr Fastopfer bezahlt und die Abendmahlsversammlungen besucht.
Als die Eingeborenen am Ende der ersten Saison auf ihre Heimatinsel zusegelten, betrachtete jeder ängstlich den Strand der geliebten Heimat. Sobald sie sich dem Strand so weit genähert hatten, daß sie die Plantagen deutlich sehen konnte, füllten sich die Augen aller treuen Heiligen, die zu den Eingeborenen gehörten, mit Tränen der Dankbarkeit. Im strahlenden Licht der Morgensonne sah man, daß das kranke Grün der Kokospalmenzweige in eine tiefe wächserne Farbe übergegangen war. Jeder Baum trug mehr Nüsse als je zuvor.
So hatten die Heiligen nach drei Jahren ihre Schulden bezahlt. Die Pflanzungen waren gesundet, und die Heiligen waren demütig und dem Herrn dankbar für diese großen Segnungen. Die Worte des Herrn hatten sich erfüllt: „Ich, der Herr, bin verpflichtet, wenn ihr tut, was ich sage .
September 1977
von Bettina
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Sonntag, 11. mai 2008
Die Feier war etwas so Besonderes, daß ich deswegen über 6000 Kilometer heim in das Dorf Faletele auf Samoa fuhr. Das Dorf sprudelte vor Aktivität. Über hundert meiner Verwandten aus vielen Teilen Samoas und zahlreiche Ehrengäste aus anderen Dörfern hatten sich unter die paar hundert Dorfbewohner gemischt.
Ich spazierte durch das Dorf in Richtung auf das große Fa/e (Haus) mit dem Kuppeldach, als ich plötzlich meinen Vetter Sama entdeckte. Und plötzlich fühlte ich Stolz, Trauer und Zuneigung zugleich, als ich nämlich daran dachte, wie ich Sama zum ersten Mal begegnet war – Sama, dem Daumen.
Ich war fünf Jahre alt, und Sama war zehn. Seine Eltern waren nach Neuseeland zur Weihung des Tempels gefahren, und Sama sollte solange bei uns bleiben.
Ich schaute zu, wie die jungen Männer und die Jungen Ball spielten. Da hielt auf der Straße ein Autobus an, und eine meiner Tanten stieg aus. Mit ihr kam ein Junge, der uns als unser Vetter Sama vorgestellt wurde. Dann gingen die beiden zum Fale des Tuita'ua, und ich folgte ihnen.
Tuita'ua Ioane war der Älteste und das Oberhaupt unserer Familie. Ihn ehrten und ihm gehorchten Hunderte von Verwandten – Geschwister, Ehemänner und Ehefrauen, Tanten und Onkel, Enkel, Vettern und Kusinen. Tuita'ua ist nämlich ein bedeutender Ehrentitel auf Samoa, und ein Tuita'ua wird von allen Samoanern geachtet.
Während der folgenden Tage hatten wir viel Spaß an Sama mit seinen Geschichten, seinen Witzen und seinem Sinn für Humor. Bald war er nicht nur unser Vetter, sondern auch unser guter Freund. Ob wir arbeiteten oder spielten – wenn Sama dabei war, lachten wir und hatten Spaß.
Am Sonntagmorgen konnte ich Sama nicht finden. Den ganzen Tag fragte ich die Leute aus dem Dorf, ob sie ihn gesehen hätten, aber keiner wußte, wo er war.
Am späten Nachmittag endlich, lange nach unserem Gottesdienst und der Mahlzeit am Nachmittag, kam Sama in weißem Hemd und weißem Lavalava (eine Art Rock der Einheimischen) ins Dorf zurück.
Tuita'ua Ioane rief ihn zu sich ins Fale. „Wo warst du, Sama?” fragte er.
„In Fuapa'epa'e.”
„Du bist zwölf Kilometer nach Fuapa'epa'e und zurück gelaufen?”
„Ja, Ehrwürdiger.”
„Warum?”
„Weil es das nächste Dorf ist, wo ich zu meiner Kirche gehen kann.”
Tuita'ua Ioane nahm seine Lesebrille ab und legte sie auf die Bibel, in der er gerade gelesen hatte. „Sama, es gibt eine Regel in Faletele, die besagt, daß es in unserem Dorf nur eine Kirche gibt und daß alle Einwohner diese Kirche besuchen. Verstehst du? Du gehörst zu meiner Familie, Sama, aber du bist auch Gast in diesem Dorf, und ich muß auf dich achtgeben.” Er beugte sich vor und blickte Sama in die Augen. „Tu, was du zu tun hast.”
Während der nächsten Woche erwähnte niemand Samas Ausflug nach Fuapa'epa"e. Wie zuvor scherzten und lachten wir miteinander bei Arbeit und Spiel.
Die Schwierigkeiten begannen am zweiten Sonntag. Ein Streit weckte mich. Zwei meiner Vettern, Malini und Tofo, liefen hinter Sama her, der wieder das weiße Hemd und den weißen Lavalava trug.
„Sama”, rief Tofo, „du kennst doch die Dorfregell”
Malini packte Samas Arm. „Wie kannst du Tuita'ua Ioane nur so vor den Kopf stoßen?”
Mutig stand Sama vor den beiden. „Tuita'ua Ioane hat gesagt, daß ich tun soll, was ich zu tun habe. Und das hier muß ich tun!”
Als er fortging, rief Malini ihm nach: „Sama, bring unsere Familie doch nicht so in Verlegenheitl”
Am Abend kam Sama nach Faletele zurück, und einige Leute machten sich über ihn lustig und gaben ihm Schimpfnamen. Ein paar verspotteten ihn und nannten ihn „Mamona” (Mormone). Alle Vettern waren böse auf ihn, und keiner wollte mit ihm reden. Das heißt, keiner außer mir. Die ganze Woche hatte ich Sama nur für mich. Wir unterhielten uns und sangen, er erzählte mir Geschichten – es war wunderbar.
Am Samstag abend sagte Malini zu Sama: „Hoffentlich wirst du unsere Familie morgen von der Schande befreien und mit uns in die Dorfkirche gehen."
Doch am Sonntag morgen war Sama wieder verschwunden. Neben jeder Schlafmatte lag ein Geschenk, das Sama angefertigt hatte.
Als Sama am Abend wiederkam, lief ich ihm entgegen, um ihn zu begrüßen. Er wollte auch gern mit den anderen sprechen, bis er sah, daß sie seine Geschenke zerbrochen und fortgeworfen hatten.
„Die Leute im Dorf haben unsere Vettern aufgehetzt”, erklärte ich. „Aber ich habe mein Geschenk noch. Es gefällt mir sehr, vielen Dank dafür!”
Sama lächelte mich an und hielt sich dann abseits, bis es Zeit fürs Abendessen war. Die Vettern schrien: „Du bist eine Schande für unsere Familie! Such dir eine andere Schlafstelle, im Fa/e der Jungen wollen wir dich nicht mehr haben!”
Sie stießen Sama zu Boden und hoben die Fäuste, um ihn zu schlagen. „Deinetwegen geben uns unsere Freunde Schimpfnamenl”
Ich hatte Angst, daß die Vettern Sama wehtun könnten, und so rannte ich los, um Tuita'ua Ioane zu holen. Doch der hatte den Streit gehört und war schon am Eingang seines Fale. „Hört sofort auf, Jungs!” befahl er. „Kommt alle herein zu mir!”
Die Jungen hörten sofort auf, als sie seine Stimme hörten. Beschämt gingen sie ins Fale und setzten sich hin.
„Seht meine Hand an!” Tuita'ua Ioane hielt ihnen eine Hand entgegen. „Seht ihr, wie diese Finger zusammenhängen? Und wie der Daumen hier ganz für sich selbst ist?”
Wir alle blickten auf seine Hand.
„Auf Samoa gibt es ein Sprichwort: Der Daumen steht allein, aber von allen Fingern ist er der stärkste.”
Dann deutete Tuita'ua auf jeden einzelnen von uns Vettern. „Ihr, Jungs, seid die Finger. Aber Sama ist der Daumen!”
Obwohl ich noch sehr jung war, habe ich an diesem Abend viel gelernt. Tuita'ua Ioane hat uns gezeigt, daß wir uns selbst treu sein und tapfer zu dem stehen müssen, was wir glauben. Seine Worte und Samas Beispiel haben mein Leben verändert.
Ich dachte an jene längst vergangenen Tage, dann schritt ich die Stufen des großen Fale hinauf und zog die Schuhe aus, wie es Brauch war. Sama sah mich sofort. Und dann umarmten wir einander. Alle waren nur aus einem Grund zusammengekommen – um dem neuen Tuita'ua die Ehre zu erweisen. Tuita'ua Sama.
Für mich jedoch würde er immer nur Sama sein – Sama, der Daumen.
Greg Larson, Kinderstern November 1989
von Bettina
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Samstag, 10. mai 2008
Nach einem Interview, das Kellene Ricks mit Elder Gene R. Cook von den Siebzigern geführt hat (Kinderstern November 1991)
„Füllt heute eure Hände mit Gaben für den Herrn! ... Der Herr hat Segen auf euch gelegt.” (Exodus 32:29.)
Es ist wichtig, daß wir die Gebote befolgen und das tun, was der Herr von uns möchte. Als ich elf Jahre alt war, fing ich an, Zeitungen auszutragen. Die Arbeit war schwer, aber sie hat mir Spaß gemacht, und fünf Jahre später habe ich noch immer Zeitungen ausgetragen.
Eines Tages bot mein Chef mir an, das Austragen der Zeitungen zu überwachen. Dazu gehörte, daß ich die anderen Zeitungsboten beaufsichtigte und ihnen half, neue Abonnements zu verkaufen. Jetzt ging ich also tagsüber in die Schule, trug anschließend meine Zeitungen aus und saß dann noch ein paar Stunden im Büro, wo ich aufgebrachte Anrufer beschwichtigte. Zwischen den einzelnen Anrufen erledigte ich meine Hausaufgaben. Die neue Arbeit bedeutete auch eine Gehaltserhöhung - ich verdiente jetzt dreimal soviel wie als Zeitungsbote.

Ich war begeistert, denn ich sparte für meine Mission und hatte wirklich das Gefühl, der Herr segne mich dafür, daß ich die Gebote hielt. Außerdem zahlte ich getreu den Zehnten und hielt den Sabbat heilig.
Anderthalb Jahre später sprach mich mein Chef erneut an. In Zukunft sollte auch eine Sonntagsausgabe unserer Zeitung erscheinen, und er bot mir begeistert an, ich könne meine Zeitungen gleich früh am Morgen austragen und dann von 7 bis 14 Uhr im Büro Anrufe entgegennehmen. Außerdem sollte ich natürlich eine weitere Gehaltserhöhung bekommen.
Mein Chef sah, daß ich zögerte. Er wußte, daß ich der Kirche angehörte, und sagte deshalb:
„Wenn du dir überlegst, ob du diese neue Aufgabe annimmst: falls du sie nicht annimmst, dann verlierst du auch deine bisherige Arbeit. Es gibt viele andere Zeitungsboten, die alles tun würden, um deinen Job zu bekommen. Wenn du die neue Arbeit nicht annimmst, kündige ich dir.” Als ich nach Hause ging, war ich entmutigt und völlig durcheinander.
Ich wußte, daß ich die Gebote befolgt hatte, und ich konnte nicht verstehen, warum ich eine so schwerwiegende Entscheidung treffen mußte. Ich sprach mit meinem Vater und mit meinem Bischof, aber sie sagten beide, die Entscheidung liege bei mir. Vater sagte: „Ich weiß keine Lösung, aber ich weiß, wer die Lösung kennt. (Er meinte den Herrn] Frag ihn.”
Nachdem ich zwei Tage gebetet und um eine Entscheidung gerungen hatte, wußte ich, was ich zu tun hatte. Ich wußte, daß es Menschen gibt, die am Sonntag arbeiten müssen, aber ich gehörte nicht dazu. Als ich meinem Chef meine Entscheidung mitteilte, wurde er wütend, kündigte mir und sagte, ich könne am Samstag meinen letzten Gehaltsscheck abholen. Dann ging er. Ich fragte mich, ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte, weil es jetzt schwierig wurde, genug Geld für meine Mission zu sparen.
Als ich meinen letzten Scheck abholen wollte, wartete mein Chef schon auf mich. „Entschuldige bitte”, sagte er. „Ich war im Unrecht. Ich hätte nicht versuchen dürfen, etwas von dir zu verlangen, was deinem Glauben widerspricht, und ein Gebot des Herrn zu übertreten. Ich habe einen Jungen gefunden, der bereit ist, am Sonntag zu arbeiten. Du kannst deine Stelle behalten. Bist du damit einverstanden?” Dann sagte er noch: „Außerdem werde ich dir in Zukunft soviel zahlen, wie du bekommen hättest, wenn du sonntags arbeiten würdest.”
Natürlich habe ich die Stelle behalten. Ich weiß, daß der Herr uns segnet, wenn wir seine Gebote halten.
von Bettina
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Donnerstag, 8. mai 2008
„Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!” (Exodus 20:8.)

Marco ging noch langsamer.

Irgendwie hatte er keine Lust, zum Mittagessen nach Hause zu gehen. Normalerweise lief Carlo mit ihm nach Hause, aber Carlo war ärgerlich.
„Warum kannst du nicht bei der Meisterschaft mitmachen?” hatte Carlo laut gefragt.
„Weil sie am Sonntag stattfindet.”
„Wenn du nicht mitspielst, müssen wir absagen!” hatte Carlo geschrien. „Giuseppe ist krank, und du bist unser einziger Torwart. Du mußt mitspielen!”
Als Marco zu Hause ankam, wollte er gar nicht ins Haus gehen. Aber er wußte, daß Mama und Papa auf ihn warteten, also stieg er langsam die Treppe zur Wohnung hinauf.
Mama war schon dabei, das Essen auf den Tisch zu stellen. „Ich habe mir schon Sorgen gemacht”, sagte sie lächelnd. „Wasch dir schnell die Hände.”
Marco war überhaupt nicht nach Essen zumute. Aber nach dem Tischgebet biß er in das knusprige warme Brot. Dann machte er sich über die Klößchen her, die in der leckeren Tomatensoße schwammen. Es schmeckte ihm so gut, daß er sich allmählich besser fühlte.
„Was ist los?” fragte Mama. „Du bist heute so still.”
„Sie haben in der Schule den Fußballplan angeschlagen”, antwortete er.
„Ja?”
„Ich muß am Sonntag spielen.”
Mama und Papa sagten erst einmal gar nichts. Sie wußten, daß Marcos Mannschaft, die Blitze, eifrig trainiert hatten, um die beste Mannschaft von Mailand zu werden.
Papa war erstaunt. „Du meinst, die Spiele finden alle am Sonntag statt?”
„Nein, das Viertelfinale und das Halbfinale finden Samstag statt. Die Siegermannschaft von Samstag spielt dann am Sonntag im Endspiel.”
Marco konnte in Papas braunen Augen ein Zwinkern entdecken.
„Kopf hoch, Marco!” sagte er fröhlich. „Vielleicht verliert deine Mannschaft am Samstag! Dann mußt du Sonntag nicht spielen.”
Marco lächelte auch. Aber die Blitze waren sehr gut. Sie hatten eine gute Chance, am Samstag beide Spiele zu gewinnen. „Giuseppe hat Grippe, und Tommaso hat sich den Knöchel verletzt”, erklärte er. „Wenn wir Samstag gewinnen, muß ich Sonntag spielen — sonst müssen wir absagen. Was soll ich bloß tun?“
Mama legte den Arm um ihn. „Wir haben dir beigebracht, was richtig ist. Wenn deine Mannschaft gewinnt, wirst du dich sicher richtig entscheiden. Iß jetzt, sonst kommst du zu spät zur Schule.”
In der Schule flüsterten ein paar der Jungen miteinander und starrten Marco an. Carlo ignorierte ihn einfach. Es tat Marco schrecklich weh, daß er seinen besten Freund verlieren sollte.
Am Abend, beim Training sprach Carlo endlich wieder mit ihm. „Hast du es dir überlegt?” fragte er zornig.
Marco fing an, selbst auch böse zu werden. Dann fiel ihm Papa ein, und er grinste Carlo an. „Ich glaube, wir üben lieber, damit wir die Spiele am Samstag auch gewinnen”, sagte er. „Wenn du nicht bald anfängst, brauchen wir erst gar nicht an Sonntag zu denken.”
Am Freitagabend war Marco sehr unruhig. Er wünschte sich, seine Eltern hätten ihm gesagt, er sollte nicht spielen. Dann hätten die Jungen ihnen die Schuld in die Schuhe schieben können. Ihm war zwar furchtbar elend zumute, aber er kniete doch zum Beten nieder. Er betete heftig und wartete dann auf eine Antwort. Er wartete und wartete, aber es geschah nichts. Er fragte sich, ob der himmlische Vater ihn überhaupt gehört hatte. Aber dann spürte er ein warmes Gefühl über sich kommen, und ihm war ganz friedlich zumute. Alle Unruhe verschwand, und er wußte, daß schon alles irgendwie in Ordnung kommen würde.
Am Samstag schien die Sonne strahlend vom Himmel. Es waren nur vereinzelt ein paar Wolken zu sehen. Die Luft war frisch, es war ein herrlicher Tag zum Fußballspielen.
Marcos Mannschaft war gut vorbereitet und gewann das erste Spiel leicht. Nach dem Mittagessen schauten sich die Jungen den Nachmittagsplan an.
„Wir spielen gegen die Tiger!” stöhnte Carlo. „Sie haben die größten Jungen, die bei der Meisterschaft mitmachen.”
„Und die schnellsten”, meinte Marco. „Da müssen wir uns aber anstrengen, wenn wir gegen die gewinnen wollen.”
Gewinnen wollte Marco das Spiel schon gern, aber irgend etwas in ihm wünschte sich auch, daß sie verloren — dann brauchte er sich nämlich wegen Sonntag keine Gedanken mehr zu machen.
Es war ein hartes Spiel. Die raschen Tiger schossen das erste Tor, aber die Blitze kämpften verbissen und glichen aus. Danach schossen beide Mannschaften abwechselnd immer wieder ein Tor, bis es in den Schlußminuten 4:4 stand. Da gelang Carlo ein Kopfballtor, und die Blitze lagen wieder vorn.
Es war nicht einmal mehr eine Minute zu spielen. Carlo war wieder am Ball. Er dribbelte zwischen den Tigern auf das Tor zu. Da stolperte er plötzlich und verlor den Ball! Die Tiger schossen ihn mit langen, sicheren Pässen direkt auf Marco zu. Marco stand vor seinem Tor – es waren nur noch wenige Sekunden zu spielen. Wenn er den Ball nicht ins Netz ließ, hatten die Blitze gewonnen!

Ein Tiger schoß – es war ein harter Schuß! Er war auf die eine Ecke des Tores gerichtet – gerade außer Marcos Reichweite. Marco hatte das Gefühl, ihm setzte das Herz aus. Er warf sich mit aller Kraft nach rechts. Der Ball prallte in dem Moment von seinen Händen ab, als der Schiedsrichter pfiff. Er hatte es geschafft! Die Blitze hatten gewonnen!
Marcos Mannschaftskameraden machten Freudensprünge und jubelten. Marco stand auf und wischte sich den Schmutz ab. Er sah seine Eltern auf sich zukommen. Sie winkten ihm lächelnd zu. Der leitende Schiedsrichter war bei ihnen.
„Marco, du hast gut gespielt”, sagte Papa und nahm ihn in den Arm. Dann sagte er, mit Blick auf den Schiedsrichter: „Ich möchte dich Signor Giovetti vorstellen.”
„Guten Tag, Signor Giovetti”, sagte Marco höflich.
„Guten Tag, Marco. Das war ein großartiges Spiel. Aber dein Vater hat mir erzählt, du hättest ein Problem.”
„Ich kann morgen nicht spielen”, sagte Marco. „Dann muß die Mannschaft absagen, weil wir keinen anderen Torwart haben.”
„Warum kannst du denn nicht mitspielen?”
„Das Spiel findet während der Abendmahlsversammlung meiner Kirche statt”, antwortete Marco. „Da muß ich hin. Aber auch wenn das Spiel später stattfinden würde, würde ich am Sonntag nicht spielen.”
„Aha.” Der Schiedsrichter dachte kurz nach und sagte dann: „Warte hier. Ich bin sofort wieder da.”
Die Mannschaft scharte sich um ihn. Als Signor Giovetti zurückkam, hatte er noch einen Mann bei sich. „Marco, das ist Signor Luigi. Er ist der Trainer der Mannschaft, gegen die ihr morgen spielen sollt.”
„Guten Tag, Marco”, sagte Signor Luigi. „Ich glaube, wir haben das gleiche Problem. Zwei von unseren besten Spielern haben sich heute verletzt. Wir haben zwar noch genug Jungen, um morgen zu spielen, aber wir wären nicht in bester Besetzung. Ich würde das Spiel gern verschieben. Wäre das den Blitzen recht?”
Marco schaute seine Freunde und den Trainer an. Alle nickten. Da fragte Marco: „Wann spielen wir denn dann?”
„Nächsten Samstag”, antwortete der Schiedsrichter. „Früh am Morgen.”
Als Marco nach Hause ging, war er müde aber glücklich. Auch wenn die Blitze die Meisterschaft nicht gewannen, würde sie ihm doch immer als Sieg im Gedächtnis bleiben.
Paula Hunt, Kinderstern März 1992
von Bettina
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Montag, 5. mai 2008
Richtige Vorbereitung ist die Voraussetzung dafür, daß man als Familie den Sonntag heilighalten kann. Für einen allein mag es möglich sein, ohne Vorbereitung einen schönen, friedlichen Sonntag zu genießen, aber für eine vielbeschäftigte Familie ist es unmöglich, den Sonntag so zu verbringen, wie der Herr es vorgeschrieben hat, wenn sie erst am Sonntagmorgen mit der Vorbereitung anfängt. Manches muß schon am Samstag vorbereitet werden.
Für die meisten Familien mit Kindern gehört es zur Vorbereitung auf den Sonntag, daß man die Sonntagskleider in Ordnung bringt und bügelt, die passenden Socken zusammensucht, Schuhe sucht und putzt und für jeden die heilige Schrift bereitlegt. Man muß einkaufen und anderes für den Sonntag Notwendige vorbereiten. Wenn wir rechtzeitig während der Woche einkaufen, bereiten wir uns nicht nur auf den Sonntag vor, sondern tragen auch dazu bei, daß andere den Sonntag heilighalten.
Wenn nicht alles richtig organisiert wird, ist es leider so, daß die Mutter bei der Vorbereitung das meiste zu tun hat. „Wenn das Haus am Sonntagmorgen nicht in Ordnung ist und das Essen nicht vorbereitet ist, brauche ich gar nicht auf einen schönen, ruhigen Sonntag zu hoffen”, seufzt eine Mutter.
„Wenn mein Mann und ich aber am Samstag Vorbereitungen für den Sonntag treffen, kann ich mich auf den Sonntag freuen, und er wird für mich wirklich ein Tag der Ruhe.”
Wenn der Vater bei der Vorbereitung auf den Sonntag mithilft, anstatt alles seiner Frau zu überlassen, wird sich das für seine Familie als äußerst segensreich erweisen. Ein Vater erzählt: „Bei uns gibt es am Sonntag viel weniger Durcheinander, wenn ich daran gedacht habe, rechtzeitig Vorbereitungen zu treffen, ehe die anfallenden Routineaufgaben den Frieden vertreiben, den ich mir für den Sonntag gewünscht habe. Deshalb sind meine Frau und ich übereingekommen, daß wir alle anstehenden Arbeiten früher als sonst erledigen, damit wir eher mit der Vorbereitung auf den Sonntag beginnen können.”
Auch eine alleinerziehende Mutter beziehungsweise ein alleinerziehender Vater können sich und ihre Kinder ebenso wie ein Elternpaar auf den Sonntag vorbereiten, wenn alles richtig organisiert wird und die Aufgaben verteilt werden.
Alle Eltern finden es nützlich, den Rat des Herrn zu befolgen, der ja geboten hat, daß wir am Sonntag nichts anderes tun sollen, als „mit Herzenslauterkeit” unsere Speise zu bereiten (siehe LuB 59:13). Manche Familien vereinfachen sich die Zubereitung des Sonntagsessens, indem sie es schon soweit wie möglich am Vorabend vorbereiten, bei anderen wiederum gibt es am Sonntag nur eine einfache Mahlzeit. Wenn der Vater und die Kinder mithelfen, hat die Mutter nicht soviel Arbeit mit dem Kochen, dem Tischdecken und dem Abräumen.

Angemessene Betätigungen

Der Herr hat für unsere Zeit nicht sehr viele Verhaltensregeln für den Sonntag offenbart. Er hat uns nur geboten, daß wir am Sonntag „ins Haus des Betens gehen” und unsere heiligen Handlungen darbringen sollen. Außerdem sollen wir von unserer Arbeit ruhen. (Siehe LuB 59:9,10.)
Wir müssen uns alle fest vornehmen, uns am Sonntag von der Arbeit und den weltlichen Ablenkungen der Woche auszuruhen. Das bedeutet, daß die ganze Familie am Sonntag nichts tut, was nicht während der Woche getan werden kann, und den Tag ausschließlich dem Herrn widmet.
Schon als die Israeliten aus Ägypten auszogen, gebot der Herr ihnen, daß sie den Sabbat heilighalten sollten. Er erklärte ihnen, daß sie an diesem Tag nicht selbst arbeiten und auch keinen Fremden arbeiten lassen durften. (Siehe Exodus 20:9-11.) Wenn wir also am Sonntag einkaufen oder essen gehen, dann sind wir zum Teil mit dafür verantwortlich, daß jemand anders am Sonntag arbeiten muß.
Wir dürfen am Sonntag nur dann arbeiten, wenn es unumgänglich notwendig ist. Junge Leute, die einen Job suchen, um sich Geld zu verdienen, meinen manchmal, daß es sich nicht vermeiden läßt, am Sonntag zu arbeiten. Wir müssen unsere Kinder aber davon abhalten, sich für einen Job zu entscheiden, bei dem sie regelmäßig sonntags arbeiten müssen.
Natürlich gibt es Berufe, in denen rund um die Uhr jemand präsent sein muß. Wenn jemand einen solchen Beruf hat, dann muß er seinen Kindern genau erklären, warum er am Sonntag arbeiten muß. Er kann ihnen auch zeigen, daß er am Sonntag zwar nicht zur Kirche gehen kann, sich aber die Zeit nimmt, gemeinsam mit seiner Familie das Evangelium zu studieren. Er kann mit seiner Familie und allein beten und sich vornehmen, während des ganzen Tages eine christusähnliche Einstellung zu haben, über das Evangelium zu sprechen und anderen Menschen Liebe zu erweisen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.
Wenn wir oder unsere Kinder entscheiden müssen, ob eine Betätigung für den Sonntag angemessen ist, können wir uns folgendes fragen:
Ehre ich damit den Herrn?
Tue ich damit Gutes?
Werde ich dadurch geistig erbaut? Wäre Jesus damit einverstanden?
Wenn wir uns so verhalten, werden wir am Tag des Herrn unsere Wonne haben (siehe Jesaja 58:13).

Kleidung am Sonntag

Der Sonntag ist der Tag des Herrn – der Tag, an dem wir uns von weltlichen Sorgen lösen sollen, um den Herrn zu ehren und anzubeten. Das tun wir, indem wir bestimmte Aufgaben beiseite legen, um die Versammlungen der Kirche zu besuchen und unser Leben nach Christus auszurichten. Wenn wir die Welt beiseite legen, sollen wir auch die bequeme Kleidung beiseite legen, die wir während der Woche tragen, und unsere besten Sachen anziehen. Damit zeigen wir, daß wir den Erretter achten und lieben.
Manche Menschen haben allerdings keine „Sonntagskleidung”; sie sollen dann die saubersten, ordentlichsten Sachen anziehen, die sie besitzen. Das Wichtigste dabei ist ja auch, daß die Kleidung nett und sauber ist und den Geist des Sabbats widerspiegelt; extravagante, auffallende Kleidung kann genauso vom Sabbat ablenken wie schmutzige oder unanständige Kleidung.
Die Eltern müssen ihren Kindern erklären, daß man den Sonntag auch noch nach den Versammlungen heilighalten muß. Manchmal ist es doch so, daß wir nach Hause kommen und unsere Alltagskleidung wieder anziehen. Natürlich muß man nicht den ganzen Tag Anzug und Krawatte tragen, aber man muß durch seine Kleidung doch den Geist bewahren, den man in den Versammlungen gespürt hat.

Gottesverehrung
Jesus hat gesagt: „Der Sabbat ist für den Menschen da.” (Markus 2:27.) Das heißt, daß der Sonntag einen Menschen bereichern und ihm zum Segen gereichen soll. Weiter hat der Herr gesagt, der Sonntag sei der Tag, „der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest” (LuB 59:10). Wenn wir am Sonntag von unserer Arbeit ruhen und Gott verehren, werden unser Geist und unser Körper erneuert. Das gilt vor allem für den Fastsonntag. Es gibt kaum etwas, was eine Familie besser eint, als wenn sie für ein gemeinsames Ziel fastet. Schon die kleinen Kinder können lernen, wie wichtig glaubenstreues, gebeterfülltes Fasten ist.
Kleine Kinder können auch lernen, wie wichtig es ist, in den Versammlungen stillzusitzen. Ein Ehepaar erzählt, wie es seinen Kindern geholfen hat, den Sonntag besser schätzenzulernen: „Wir fordern auch schon die Allerkleinsten auf, die Lieder mitzusingen. Sie dürfen mit ins Gesangbuch sehen, und wir deuten beim Singen auf die Wörter und Noten, die gerade an der Reihe sind.
Es ist auch hilfreich, wenn man die Kinder dazu anhält, bei Einsetzungen und Entlassungen die hand zu heben. Vor allem aber muß man sie dazu anhalten, das Abendmahl zu nehmen.
Während der Ansprachen flüstern wir den Kindern kurze Bemerkungen über das Thema des Sprechers zu.”
Eine andere Familie bringt Papier und Stifte mit zur Abendmahlsversammlung. Die älteren Kinder machen sich Notizen zu den Ansprachen und schreiben Fragen auf, über die sie später sprechen wollen.
Eine Familie hält jeden Sonntagmorgen am entsprechend gedeckten Tisch eine kurze Andacht ab. „Mein Mann oder ich sprechen über das Thema für den Sonntag”, erzählt eine Mutter. „Einmal haben wir über das Wort der Weisheit gesprochen. Dabei standen eine Schale mit frischem Obst, ein Glas mit selbsteingemachten Tomaten und etwas getrockneter Weizen auf dem Tisch. Andere Themen veranschaulichen wir, indem wir Lieder singen, Geschichten und Schriftstellen vorlesen und den ganzen Tag immer wieder auf Beispiele zu unserem Thema hinweisen.
Wenn wir uns am Abend wieder zu Tisch setzen, erzählen die Kinder, was sie über unser Thema gelernt haben. Und der Sonntag macht ihnen soviel Spaß, daß der Kasten mit den Vorschlägen für Sonntagsthemen immer voll ist.”

Evangeliumsstudium
Es gibt viele Möglichkeiten, die heilige Schrift zu studieren. Man kann zum Beispiel mit einem bestimmten Buch der heiligen Schrift beginnen oder sich mit einem Thema wie Glauben oder Sühnopfer beschäftigen und Schriftstellen dazu suchen.
Manche Familien forschen am Sonntag in der heiligen Schrift, während sie einander unter der Woche vorlesen. Andere wiederum nutzen den Sonntag zur Vorbereitung der Familienabendlektion. Noch andere besprechen die Lektion am Sonntag und unternehmen am Montagabend etwas gemeinsam. Die Familien, die sowohl am Sonntag als auch am Montag zusammen sind, berichten, daß die geistige Gesinnung innerhalb der Familie zugenommen hat und sie besser gegen Versuchungen gewappnet sind.

Viele Familien lesen während der Woche jeden Morgen in der heiligen Schrift; das gibt den Kindern die Möglichkeit, sich am Sonntag zwischen vielen familienorientierten Aktivitäten zu entscheiden und sich ausführlicher mit der heiligen Schrift zu befassen.
Man kann aber nicht nur gemeinsam in der heiligen Schrift lesen, sondern auch gemeinsam Tagebuch schreiben, Briefe an Verwandte und Missionare verfassen, evangeliumsbezogene Spiele machen und erbauende Musik hören.

Dienen
Wenn wir unseren Sonntag planen, müssen wir auch Zeit zum Dienst am Nächsten einplanen. Eine Familie hat sich beispielsweise fest vorgenommen, jeden Sonntag wenigstens etwas Zeit darauf zu verwenden, einem anderen Menschen zu dienen.
Nachharn oder Mitglieder der Gemeinde, die krank sind oder die im Krankenhaus liegen, freuen sich
bestimmt über einen Besuch. Eine Familie ist mit selbstgebackenen Plätzchen in ein nahegelegenes Altenheim gegangen, um Menschen zu besuchen, deren Angehörigen nicht in der Nähe wohnen.
Präsident Kimball hat gesagt, wir sollten am Sonntag „Verwandte und Freunde besuchen, Heimlehren gehen, an unseren genealogischen Aufzeichnungen arbeiten, ein Nickerchen machen, an Missionare, Soldaten oder Verwandte schreiben, uns auf den Unterricht am nächsten Sonntag vorbereiten, mit den kleinen Kindern spielen, mit einem Ziel vor Augen fasten, evangeliumsbezogene Gedichte schreiben und anderen angemessenen Betätigungen nachgehen, von denen es noch eine Vielzahl gibt." (Faith Precedes the Mirade, Salt Lake City, 1972, Seite 270f.)

Auf positive Weise lehren
Wir müssen unsere Kinder auf positive Weise dazu anhalten, den Sonntag heiligzuhalten. Eine Familie tut das folgendermaßen: Anstatt den Kindern immer wieder zu sagen, was sie nicht tun dürfen, hängen die Eltern eine Liste auf, auf der alles steht, was die Kinder tun dürfen. Immer wenn ein Kind sich beklagt, es dürfe dieses und jenes nicht tun, wird die Liste befragt. Je eher unsere Kinder das lernen, desto besser. Bei älteren Kindern wird es wahrscheinlich etwas länger dauern, bis sie sich an die neue Art gewöhnt haben, den Sonntag zu verbringen.
Vor allem aber müssen unsere Kinder am Sonntag spüren, daß wir sie und den Vater im Himmel lieben. Wir müssen nicht jede Minute des Tages mit Aktivitäten für die Kinder ausfüllen, im Gegenteil: wir brauchen alle etwas Zeit für uns allein, wo wir nachdenken, planen und uns entspannen können.
Wenn wir den Sonntag heilighalten, dann legen wir alles beiseite, was weltlich ist, und ziehen die Rüstung Gottes an.
Handbuch für die Familie, Februar 1991
von Bettina
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Freitag, 2. mai 2008

Mensch, Jodi! Es ist doch nur ein einziges Fußballspiel! Gott wird dich schon nicht hassen, nur weil du ein einziges Mal an einem Sonntag spielst."

„Das stimmt, dachte Jodi Allen, ein siebzehnjähriges Mädchen aus Sandy, Utah, der beste Torwart der Fußballmannschaft. Aber wenn sie spielte, brach sie damit ein Versprechen, das sie dem himmlischen Vater vor Jahren gegeben hatte.

Nur – wie konnte sie das ihren Mannschaftskameradinnen erklären, die sie bedrängten, sie solle doch mitspielen? Die Mannschaft hatte sich die ganze Saison lang sehr angestrengt und die Meisterschaft in Utah gewonnen. Dann waren sie zur Regionsausscheidung nach San Francisco gefahren, um gegen die anderen Siegermannschaften aus dem Westen der USA anzutreten. Sie hatten einige Spiele erfolgreich hinter sich gebracht und sollten jetzt gegen eine Mannschaft spielen, gegen die sie ein Jahr zuvor verloren hatten..Jodis Mannschaft dürstete nach Rache, und wenn sie gewannen, kamen sie in die Endausscheidung.

Aber das Spiel war für Sonntag angesetzt.

„Ach, Jodi! Was du dir bloß einbildest! Ein paar von uns sind auch Mitglieder der Kirche, und wir spielen Sonntag auch mit. Meinst du etwa, du wärst etwas Besseres als wir?”

Darum ging es doch gar nicht. Es war einfach so: Als Jodi zur Highschool gekommen war und angefangen hatte, Fußball zu spielen, da hatte sie dem Herrn versprochen, niemals am Sonntag zu spielen, und sie hatte ihn gebeten, ihr zu helfen, damit sie ihr Bestes geben konnte. Und er hatte ihr geholfen – viel mehr, als sie erwartet hatte. Weil Jodi ihr Versprechen gehalten hatte, hatte sie viele Gelegenheiten gehabt, mit anderen über die Kirche zu sprechen.

„Bei einem Turnier habe ich einen Fußballspieler aus einem anderen Bundesstaat kennengelernt, der wissen wollte, warum ich sonntags nicht spiele, erzählt Jodi. „Daraufhin habe ich ihm vom Evangelium erzählt. Als wir wieder zu Hause waren, haben wir einander geschrieben. Ich habe ihm ein Buch Mormon geschickt. Dabei hatte ich ein bißchen Angst, weil ich nicht wußte, wie er reagieren würde. Aber er hat es gelesen und wollte mehr darüber wissen. Da habe ich ihm ein paar Broschüren von der Kirche geschickt, und nach einer Weile hat er sich taufen lassen.

Dann waren wir einmal mit dem Bus zu einem Fußballspiel unterwegs. (Die Mädchen- und Jungenmannschaften fahren gemeinsam.) Ich las im Buch Mormon. Ich hatte eine dicke Vierfachkombination mit, die ziemlich auffällig war.

der Nähe von San Francisco wohnte, und baten sie, Jodi beizustehen.

Am nächsten Morgen stand Jodi auf und zog das Kleid an, das sie auch trug, als sie dann am Spielfeldrand stand, um ihrer Mannschaft zuzusehen. Das Spiel endete eins zu eins - unentschieden. Nach dem Spiel entschuldigten sich viele

Ein Junge, der in Utah wohnte, sagte, er habe noch nie ein Buch Mormon gesehen, und wollte es sich ansehen. Er hat es sich angeschaut und dazu Fragen gestellt. Bald war der hintere Bus in eine Diskussion über das Buch Mormon verwickelt. Es war, als sei zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil des Busses ein Vorhang zugezogen worden; vorne wurden nämlich unanständige Witze erzählt."

Jodi hat zusammen mit ihrem Fußballdreß immer extra ein Buch Mormon in der Tasche, und sie hat schon viele Exemplare verschenkt. Sie hört es zwar gern, wenn man ihr Fußballspiel lobt, aber noch lieber ist es ihr, wenn die Leute sehen, daß sie „nach ihrer Religion lebt”.

Es ging also gar nicht darum, oh sie am Sonntag spielen sollte oder nicht - auch nicht bei diesem Turnier, sondern es ging darum, wie sie es ihren Mannschaftskameradinnen begreiflich stachen sollte.

Sie versuchte es so: „Wenn ich Sonntag nicht spiele, enttäusche ich meine Mannschaft, und das mag ich gar nicht. Aber wenn ich Sonntag doch spiele, enttäusche ich noch viel mehr Leute. Ich enttäusche mich selbst, weil ich mein Versprechen brechen würde. Ich würde meine Eltern enttäuschen, die wissen, wie wichtig mir dieses Versprechen ist. Ich würde meine Vettern und Kusinen enttäuschen, die wegen mir sonntags nicht spielen, und ich würde meine Seminarlehrer enttäuschen, die mir etwas anderes beigebracht haben. Vor allem aber würde ich Gott enttäuschen, und das kann ich nicht.

Das war eine großartige Erklärung, aber sie nützte Jodi nicht viel. Den ganzen Samstagabend bemühte sich ihre Mannschaft noch, sie umzustimmen. Sie machten sich über sie lustig und beschimpften sie. Gegen Mitternacht rief Jodi weinend ihre Eltern an, nicht weil sie versucht gewesen wäre nachzugeben, sondern weil sie sich so einsam fühlte.

Ihre Eltern hörten zu und verstanden sie. Ihr Vater und ihre Mutter kamen ans Telefon und beteten gemeinsam mit ihr. Anschließend riefen sie noch eine Freundin an, die in

ihrer Mannschaftskameradinnen bei ihr, weil sie sie so heftig kritisiert hatten.

Die Mannschaft kam hei dem Turnier auf den dritten Platz; so weit vorne waren sie noch nie gewesen. Jodi meinte, das sei ein Höhepunkt, an dem sie ihre Fußballkarriere beenden sollte.

„Ich habe so ungefähr alles erreicht, was ich im Fußball erreichen wollte, meint sie. Sie war als bester weiblicher Torwart in ihrem Bundesstaat eingestuft worden, und mehrere Universitäten hatten sie darauf angesprochen, ob sie für sie spielen wolle, dann aber abgewunken, als sie hörten, sie spiele sonntags nie. „Ich möchte jetzt auch mal meine anderen Talente entwickeln - zum Beispiel Musik und Theaterspielen. Außerdem bin ich im Seminarrat, und das kostet auch viel Zeit, meint Jodi.

Und so wird Jodi in ihrem letzten Jahr an der Highschool sehr beschäftigt sein, auch wenn sie nicht mehr Fußball spielt, was sie lange so intensiv getan hat. Sie meint, sie werde das nicht so sehr vermissen, und was sie dabei gelernt habe, werde ihr auch in anderen Lebensbereichen helfen.

„Alles hat seine Stunde', und die Stunde des Fußballs ist vorbei, sagt Jodi. „Es tut mir nicht leid. Durch das Fußballspielen haben sich mir in missionarischer Hinsicht viele Türen geöffnet. Der Herr hat mich sehr gesegnet und durch mich auch andere Menschen. Ich habe meinen Lohn erhalten. Ich hin gedemütigt und herumgestoßen worden, aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich damit fertig werde. Der Herr weiß, daß er auf mich zählen kann, und ich weiß auch, daß ich auf mich zählen kann.”

Und Jodi ist sehr froh, daß sie sich all das nicht durch ein einziges Fußballspiel verdorben hat.

Lisa A. Johnson, September 1990

von Bettina
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Donnerstag, 1. mai 2008
Nachdem ich mich zur Kirche bekehrt hatte, brauchte ich einige Zeit, um alle Grundsätze des Evangeliums zu begreifen. Manche Gebote und Lehren waren mir zuerst einfach nicht klar — zum Beispiel die Sonntagheiligung.
Vor meiner Taufe hatte ich eine Jugendgruppe geleitet, und wir hatten am Sonntagnachmittag alles Mögliche gemacht — Football gespielt, Drachen steigen lassen usw. Ich fand nichts dabei, auch nicht, als ich mich taufen ließ. Ich hatte das Gefühl, es fördere die Solidarität und Kameradschaft innerhalb der Gruppe. Aber vor allem ein bestimmter Sonntagnachmittag brachte mich dazu, über das, was ich da tat, nachzudenken.
Die Gruppe wollte Eishockey spielen, aber wir hatten nicht genug Spieler. Da kam mir eine großartige Idee. Ich konnte doch die Harrisons, die Familie des Zweigpräsidenten, anrufen. Vier ihrer sieben Kinder waren alt genug um mitzuspielen. Dann hatten wir doppelt so viele Spiele, und es den ältesten in der Familie an, und er sagte begeistert zu.
Aber als ich ins Haus kam und darauf wartete, daß sie ihre Schlittschuhe und Extrahosen zusammensuchten, spürte ich, daß etwas nicht in Ordnung war. Präsident Harrison sah sehr mißvergnügt aus, und Les blickte sehr verwirrt drein, und mir war klar, daß ich in eine ernste Diskussion zwischen den beiden geplatzt war. Schließlich wurde das Schweigen dadurch unterbrochen, daß der Zweigpräsident mich ansah und freundlich meinte, seine Kinder hätten ihre Entscheidungsfreiheit, aber er sei dagegen, und wüßte ich überhaupt, daß Sonntag sei? Drei der vier kamen mit, aber ich hatte ein schlechtes Gewissen, als wir das Haus verließen.
Die Zeitschrift der Kirche kam in der Woche, und ich sah, daß mehrere Artikel vom Sonntag handelten. Ich las die ganze Zeitschrift durch, um festzustellen, was die Führer der Kirche zu dem Thema zu sagen hatten. Dann stellte ich mir eine ausführliche Liste dessen auf, was am Sonntag verboten war, war eine gute Möglichkeit, meine ' und beschloß, den Sonntag zu Gruppe mit Mitgliedern der Kirche bekanntzumachen. Ich rief Les, heiligen, auch wenn es mich umbrachte. Schwestern in dem Altenheim zu besuchen.
Unser erster Besuch war eine Katastrophe. Wir besuchten jede Schwester für sich und kamen kaum über ein „Wie geht es Ihnen?” hinaus. Als wir gingen, war uns zweierlei klar: erstens brauchten sie uns, und zweitens konnten wir das besser machen. Am nächsten Sonntagnachmittag hatten wir zwar die 240 Kilometer von der Distriktskonferenz nach Hause zu fahren, aber Keith und ich überredeten Les Harrison, sei-ne Schwester LeAnn und Portia, eine Krankenpflegeschülerin, gemeinsam mit uns die beiden Frauen zu besuchen.
Wir fuhren die beiden Schwestern im Rollstuhl in eine stille Ecke. Keith las einen Artikel aus einer Zeitschrift der Kirche vor, Les las eine Schriftstelle vor, und Portia sprach ein wunderschönes Gebet. Wir hatten ein gutes Gefühl, und am nächsten Sonntag kamen wir mit sieben Jungen Erwachsenen und Jugendlichen. Mit Präsident Harrisons Erlaubnis segneten Les und Keith das Abendmahl und teilten es an die Schwestern aus. Dann schoben wir sie im Rollstuhl in die kleine Kapelle des Altenheims und

Es war eine gute Erfahrung.
Am nächsten Sonntag wußte ich nicht, was ich tun sollte. Ich hielt mich an den Buchstaben des Gesetzes, aber nicht an den Geist, und irgend etwas fehlte. Die Eishockeyepisode fand irgendwann in der Weihnachtszeit statt, und die Sonntage im Januar vergingen, aber es war doch nicht das Richtige.
Dann zog im Februar ein neues Mitglied namens Keith in unseren kleinen Zweig. Er war erst seit fünf Monaten Mitglied und hatte die Begeisterung von vier Missionaren in sich. Als das College, an dem wir studierten, ein „Adoptivgroßelternprogramm” ankündigte, das ein Altenheim am Ort einbezog, schlug Keith vor, daß wir, als die einzigen Mitglieder der Kirche am College, mitmachen und ein gutes Beispiel geben sollten. Wir sprachen darüber, daß wir zwei Mitglieder unseres Zweigs besuchen wollten, die in dem Altenheim lebten, aber es wurde nichts daraus.
An einem Sonntag im Februar hielt Präsident Harrison dann eine Ansprache zum Thema Glauben. Er sagte, wahrer Glauben heiße, daß man seine Worte und seine Glaubensvorstellungen in die Tate umsetze. An dem Nachmittag beschlossen Keith und ich, die
sangen ein Kirchenlied. Anschließend lasen wir abwechselnd einen Artikel aus einer Zeitschrift der Kirche, ein Gedicht und eine Schrift-stelle vor. Zum Abschluß sangen wir noch ein Lied und sprachen ein Gebet.
Um drei Uhr gingen wir nach Hause, und weil wir alle Hunger hatten, lud Les uns zu einer Suppe zu sich nach Hause ein. So kam ich an dem Sonntag wieder ins Haus des Zweigpräsidenten, aber dies-mal war es ganz anders als an dem Sonntag, als ich dort jemanden zum Eishockeyspielen gesucht hatte. Unter der Woche waren wir sieben über die ganze Stadt verstreut, und viele von uns hatten keine Angehörigen in der Kirche. Aber an jenem Sonntagnachmittag saßen wir um den Tisch herum und unterhielten uns miteinander und mit den Eltern von Les, erzählten Witze und Geschichten und sprachen darüber, wie es ist, wenn man als einsamer Heiliger der Letzten Tage von lauter Nichtmitgliedern umgeben ist. Es war wirklich ein inspirierendes Erlebnis.
Als ich um zehn Uhr abends nach mehreren weiteren Versammlungen endlich nach Hause kam, hatte ich keine Zeit mehr, an meiner Genealogie zu arbeiten oder einem Missionar einen Brief zu schreiben, wie ich es mir vorgenommen hatte. Als ich an dem Abend zum Beten niederkniete, wurde mir klar, daß man am Sonntag viel mehr machen konnte, als ich an einem einzigen Tag überhaupt schaffte, und ich dankte dem himmlischen Vater dafür, daß er uns diesen besonderen Tag geschenkt hatte.
Clytee Kleager, Mai 1992
von Bettina
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