Sonntag, 11. mai 2008
Die Feier war etwas so Besonderes, daß ich deswegen über 6000 Kilometer heim in das Dorf Faletele auf Samoa fuhr. Das Dorf sprudelte vor Aktivität. Über hundert meiner Verwandten aus vielen Teilen Samoas und zahlreiche Ehrengäste aus anderen Dörfern hatten sich unter die paar hundert Dorfbewohner gemischt.
Ich spazierte durch das Dorf in Richtung auf das große Fa/e (Haus) mit dem Kuppeldach, als ich plötzlich meinen Vetter Sama entdeckte. Und plötzlich fühlte ich Stolz, Trauer und Zuneigung zugleich, als ich nämlich daran dachte, wie ich Sama zum ersten Mal begegnet war – Sama, dem Daumen.
Ich war fünf Jahre alt, und Sama war zehn. Seine Eltern waren nach Neuseeland zur Weihung des Tempels gefahren, und Sama sollte solange bei uns bleiben.
Ich schaute zu, wie die jungen Männer und die Jungen Ball spielten. Da hielt auf der Straße ein Autobus an, und eine meiner Tanten stieg aus. Mit ihr kam ein Junge, der uns als unser Vetter Sama vorgestellt wurde. Dann gingen die beiden zum Fale des Tuita'ua, und ich folgte ihnen.
Tuita'ua Ioane war der Älteste und das Oberhaupt unserer Familie. Ihn ehrten und ihm gehorchten Hunderte von Verwandten – Geschwister, Ehemänner und Ehefrauen, Tanten und Onkel, Enkel, Vettern und Kusinen. Tuita'ua ist nämlich ein bedeutender Ehrentitel auf Samoa, und ein Tuita'ua wird von allen Samoanern geachtet.
Während der folgenden Tage hatten wir viel Spaß an Sama mit seinen Geschichten, seinen Witzen und seinem Sinn für Humor. Bald war er nicht nur unser Vetter, sondern auch unser guter Freund. Ob wir arbeiteten oder spielten – wenn Sama dabei war, lachten wir und hatten Spaß.
Am Sonntagmorgen konnte ich Sama nicht finden. Den ganzen Tag fragte ich die Leute aus dem Dorf, ob sie ihn gesehen hätten, aber keiner wußte, wo er war.
Am späten Nachmittag endlich, lange nach unserem Gottesdienst und der Mahlzeit am Nachmittag, kam Sama in weißem Hemd und weißem Lavalava (eine Art Rock der Einheimischen) ins Dorf zurück.
Tuita'ua Ioane rief ihn zu sich ins Fale. „Wo warst du, Sama?” fragte er.
„In Fuapa'epa'e.”
„Du bist zwölf Kilometer nach Fuapa'epa'e und zurück gelaufen?”
„Ja, Ehrwürdiger.”
„Warum?”
„Weil es das nächste Dorf ist, wo ich zu meiner Kirche gehen kann.”
Tuita'ua Ioane nahm seine Lesebrille ab und legte sie auf die Bibel, in der er gerade gelesen hatte. „Sama, es gibt eine Regel in Faletele, die besagt, daß es in unserem Dorf nur eine Kirche gibt und daß alle Einwohner diese Kirche besuchen. Verstehst du? Du gehörst zu meiner Familie, Sama, aber du bist auch Gast in diesem Dorf, und ich muß auf dich achtgeben.” Er beugte sich vor und blickte Sama in die Augen. „Tu, was du zu tun hast.”
Während der nächsten Woche erwähnte niemand Samas Ausflug nach Fuapa'epa"e. Wie zuvor scherzten und lachten wir miteinander bei Arbeit und Spiel.
Die Schwierigkeiten begannen am zweiten Sonntag. Ein Streit weckte mich. Zwei meiner Vettern, Malini und Tofo, liefen hinter Sama her, der wieder das weiße Hemd und den weißen Lavalava trug.
„Sama”, rief Tofo, „du kennst doch die Dorfregell”
Malini packte Samas Arm. „Wie kannst du Tuita'ua Ioane nur so vor den Kopf stoßen?”
Mutig stand Sama vor den beiden. „Tuita'ua Ioane hat gesagt, daß ich tun soll, was ich zu tun habe. Und das hier muß ich tun!”
Als er fortging, rief Malini ihm nach: „Sama, bring unsere Familie doch nicht so in Verlegenheitl”
Am Abend kam Sama nach Faletele zurück, und einige Leute machten sich über ihn lustig und gaben ihm Schimpfnamen. Ein paar verspotteten ihn und nannten ihn „Mamona” (Mormone). Alle Vettern waren böse auf ihn, und keiner wollte mit ihm reden. Das heißt, keiner außer mir. Die ganze Woche hatte ich Sama nur für mich. Wir unterhielten uns und sangen, er erzählte mir Geschichten – es war wunderbar.
Am Samstag abend sagte Malini zu Sama: „Hoffentlich wirst du unsere Familie morgen von der Schande befreien und mit uns in die Dorfkirche gehen."
Doch am Sonntag morgen war Sama wieder verschwunden. Neben jeder Schlafmatte lag ein Geschenk, das Sama angefertigt hatte.
Als Sama am Abend wiederkam, lief ich ihm entgegen, um ihn zu begrüßen. Er wollte auch gern mit den anderen sprechen, bis er sah, daß sie seine Geschenke zerbrochen und fortgeworfen hatten.
„Die Leute im Dorf haben unsere Vettern aufgehetzt”, erklärte ich. „Aber ich habe mein Geschenk noch. Es gefällt mir sehr, vielen Dank dafür!”
Sama lächelte mich an und hielt sich dann abseits, bis es Zeit fürs Abendessen war. Die Vettern schrien: „Du bist eine Schande für unsere Familie! Such dir eine andere Schlafstelle, im Fa/e der Jungen wollen wir dich nicht mehr haben!”
Sie stießen Sama zu Boden und hoben die Fäuste, um ihn zu schlagen. „Deinetwegen geben uns unsere Freunde Schimpfnamenl”
Ich hatte Angst, daß die Vettern Sama wehtun könnten, und so rannte ich los, um Tuita'ua Ioane zu holen. Doch der hatte den Streit gehört und war schon am Eingang seines Fale. „Hört sofort auf, Jungs!” befahl er. „Kommt alle herein zu mir!”
Die Jungen hörten sofort auf, als sie seine Stimme hörten. Beschämt gingen sie ins Fale und setzten sich hin.
„Seht meine Hand an!” Tuita'ua Ioane hielt ihnen eine Hand entgegen. „Seht ihr, wie diese Finger zusammenhängen? Und wie der Daumen hier ganz für sich selbst ist?”
Wir alle blickten auf seine Hand.
„Auf Samoa gibt es ein Sprichwort: Der Daumen steht allein, aber von allen Fingern ist er der stärkste.”
Dann deutete Tuita'ua auf jeden einzelnen von uns Vettern. „Ihr, Jungs, seid die Finger. Aber Sama ist der Daumen!”
Obwohl ich noch sehr jung war, habe ich an diesem Abend viel gelernt. Tuita'ua Ioane hat uns gezeigt, daß wir uns selbst treu sein und tapfer zu dem stehen müssen, was wir glauben. Seine Worte und Samas Beispiel haben mein Leben verändert.
Ich dachte an jene längst vergangenen Tage, dann schritt ich die Stufen des großen Fale hinauf und zog die Schuhe aus, wie es Brauch war. Sama sah mich sofort. Und dann umarmten wir einander. Alle waren nur aus einem Grund zusammengekommen – um dem neuen Tuita'ua die Ehre zu erweisen. Tuita'ua Sama.
Für mich jedoch würde er immer nur Sama sein – Sama, der Daumen.
Greg Larson, Kinderstern November 1989
von Bettina
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Samstag, 10. mai 2008
Nach einem Interview, das Kellene Ricks mit Elder Gene R. Cook von den Siebzigern geführt hat (Kinderstern November 1991)
„Füllt heute eure Hände mit Gaben für den Herrn! ... Der Herr hat Segen auf euch gelegt.” (Exodus 32:29.)
Es ist wichtig, daß wir die Gebote befolgen und das tun, was der Herr von uns möchte. Als ich elf Jahre alt war, fing ich an, Zeitungen auszutragen. Die Arbeit war schwer, aber sie hat mir Spaß gemacht, und fünf Jahre später habe ich noch immer Zeitungen ausgetragen.
Eines Tages bot mein Chef mir an, das Austragen der Zeitungen zu überwachen. Dazu gehörte, daß ich die anderen Zeitungsboten beaufsichtigte und ihnen half, neue Abonnements zu verkaufen. Jetzt ging ich also tagsüber in die Schule, trug anschließend meine Zeitungen aus und saß dann noch ein paar Stunden im Büro, wo ich aufgebrachte Anrufer beschwichtigte. Zwischen den einzelnen Anrufen erledigte ich meine Hausaufgaben. Die neue Arbeit bedeutete auch eine Gehaltserhöhung - ich verdiente jetzt dreimal soviel wie als Zeitungsbote.

Ich war begeistert, denn ich sparte für meine Mission und hatte wirklich das Gefühl, der Herr segne mich dafür, daß ich die Gebote hielt. Außerdem zahlte ich getreu den Zehnten und hielt den Sabbat heilig.
Anderthalb Jahre später sprach mich mein Chef erneut an. In Zukunft sollte auch eine Sonntagsausgabe unserer Zeitung erscheinen, und er bot mir begeistert an, ich könne meine Zeitungen gleich früh am Morgen austragen und dann von 7 bis 14 Uhr im Büro Anrufe entgegennehmen. Außerdem sollte ich natürlich eine weitere Gehaltserhöhung bekommen.
Mein Chef sah, daß ich zögerte. Er wußte, daß ich der Kirche angehörte, und sagte deshalb:
„Wenn du dir überlegst, ob du diese neue Aufgabe annimmst: falls du sie nicht annimmst, dann verlierst du auch deine bisherige Arbeit. Es gibt viele andere Zeitungsboten, die alles tun würden, um deinen Job zu bekommen. Wenn du die neue Arbeit nicht annimmst, kündige ich dir.” Als ich nach Hause ging, war ich entmutigt und völlig durcheinander.
Ich wußte, daß ich die Gebote befolgt hatte, und ich konnte nicht verstehen, warum ich eine so schwerwiegende Entscheidung treffen mußte. Ich sprach mit meinem Vater und mit meinem Bischof, aber sie sagten beide, die Entscheidung liege bei mir. Vater sagte: „Ich weiß keine Lösung, aber ich weiß, wer die Lösung kennt. (Er meinte den Herrn] Frag ihn.”
Nachdem ich zwei Tage gebetet und um eine Entscheidung gerungen hatte, wußte ich, was ich zu tun hatte. Ich wußte, daß es Menschen gibt, die am Sonntag arbeiten müssen, aber ich gehörte nicht dazu. Als ich meinem Chef meine Entscheidung mitteilte, wurde er wütend, kündigte mir und sagte, ich könne am Samstag meinen letzten Gehaltsscheck abholen. Dann ging er. Ich fragte mich, ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte, weil es jetzt schwierig wurde, genug Geld für meine Mission zu sparen.
Als ich meinen letzten Scheck abholen wollte, wartete mein Chef schon auf mich. „Entschuldige bitte”, sagte er. „Ich war im Unrecht. Ich hätte nicht versuchen dürfen, etwas von dir zu verlangen, was deinem Glauben widerspricht, und ein Gebot des Herrn zu übertreten. Ich habe einen Jungen gefunden, der bereit ist, am Sonntag zu arbeiten. Du kannst deine Stelle behalten. Bist du damit einverstanden?” Dann sagte er noch: „Außerdem werde ich dir in Zukunft soviel zahlen, wie du bekommen hättest, wenn du sonntags arbeiten würdest.”
Natürlich habe ich die Stelle behalten. Ich weiß, daß der Herr uns segnet, wenn wir seine Gebote halten.
von Bettina
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Donnerstag, 8. mai 2008
„Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!” (Exodus 20:8.)

Marco ging noch langsamer.

Irgendwie hatte er keine Lust, zum Mittagessen nach Hause zu gehen. Normalerweise lief Carlo mit ihm nach Hause, aber Carlo war ärgerlich.
„Warum kannst du nicht bei der Meisterschaft mitmachen?” hatte Carlo laut gefragt.
„Weil sie am Sonntag stattfindet.”
„Wenn du nicht mitspielst, müssen wir absagen!” hatte Carlo geschrien. „Giuseppe ist krank, und du bist unser einziger Torwart. Du mußt mitspielen!”
Als Marco zu Hause ankam, wollte er gar nicht ins Haus gehen. Aber er wußte, daß Mama und Papa auf ihn warteten, also stieg er langsam die Treppe zur Wohnung hinauf.
Mama war schon dabei, das Essen auf den Tisch zu stellen. „Ich habe mir schon Sorgen gemacht”, sagte sie lächelnd. „Wasch dir schnell die Hände.”
Marco war überhaupt nicht nach Essen zumute. Aber nach dem Tischgebet biß er in das knusprige warme Brot. Dann machte er sich über die Klößchen her, die in der leckeren Tomatensoße schwammen. Es schmeckte ihm so gut, daß er sich allmählich besser fühlte.
„Was ist los?” fragte Mama. „Du bist heute so still.”
„Sie haben in der Schule den Fußballplan angeschlagen”, antwortete er.
„Ja?”
„Ich muß am Sonntag spielen.”
Mama und Papa sagten erst einmal gar nichts. Sie wußten, daß Marcos Mannschaft, die Blitze, eifrig trainiert hatten, um die beste Mannschaft von Mailand zu werden.
Papa war erstaunt. „Du meinst, die Spiele finden alle am Sonntag statt?”
„Nein, das Viertelfinale und das Halbfinale finden Samstag statt. Die Siegermannschaft von Samstag spielt dann am Sonntag im Endspiel.”
Marco konnte in Papas braunen Augen ein Zwinkern entdecken.
„Kopf hoch, Marco!” sagte er fröhlich. „Vielleicht verliert deine Mannschaft am Samstag! Dann mußt du Sonntag nicht spielen.”
Marco lächelte auch. Aber die Blitze waren sehr gut. Sie hatten eine gute Chance, am Samstag beide Spiele zu gewinnen. „Giuseppe hat Grippe, und Tommaso hat sich den Knöchel verletzt”, erklärte er. „Wenn wir Samstag gewinnen, muß ich Sonntag spielen — sonst müssen wir absagen. Was soll ich bloß tun?“
Mama legte den Arm um ihn. „Wir haben dir beigebracht, was richtig ist. Wenn deine Mannschaft gewinnt, wirst du dich sicher richtig entscheiden. Iß jetzt, sonst kommst du zu spät zur Schule.”
In der Schule flüsterten ein paar der Jungen miteinander und starrten Marco an. Carlo ignorierte ihn einfach. Es tat Marco schrecklich weh, daß er seinen besten Freund verlieren sollte.
Am Abend, beim Training sprach Carlo endlich wieder mit ihm. „Hast du es dir überlegt?” fragte er zornig.
Marco fing an, selbst auch böse zu werden. Dann fiel ihm Papa ein, und er grinste Carlo an. „Ich glaube, wir üben lieber, damit wir die Spiele am Samstag auch gewinnen”, sagte er. „Wenn du nicht bald anfängst, brauchen wir erst gar nicht an Sonntag zu denken.”
Am Freitagabend war Marco sehr unruhig. Er wünschte sich, seine Eltern hätten ihm gesagt, er sollte nicht spielen. Dann hätten die Jungen ihnen die Schuld in die Schuhe schieben können. Ihm war zwar furchtbar elend zumute, aber er kniete doch zum Beten nieder. Er betete heftig und wartete dann auf eine Antwort. Er wartete und wartete, aber es geschah nichts. Er fragte sich, ob der himmlische Vater ihn überhaupt gehört hatte. Aber dann spürte er ein warmes Gefühl über sich kommen, und ihm war ganz friedlich zumute. Alle Unruhe verschwand, und er wußte, daß schon alles irgendwie in Ordnung kommen würde.
Am Samstag schien die Sonne strahlend vom Himmel. Es waren nur vereinzelt ein paar Wolken zu sehen. Die Luft war frisch, es war ein herrlicher Tag zum Fußballspielen.
Marcos Mannschaft war gut vorbereitet und gewann das erste Spiel leicht. Nach dem Mittagessen schauten sich die Jungen den Nachmittagsplan an.
„Wir spielen gegen die Tiger!” stöhnte Carlo. „Sie haben die größten Jungen, die bei der Meisterschaft mitmachen.”
„Und die schnellsten”, meinte Marco. „Da müssen wir uns aber anstrengen, wenn wir gegen die gewinnen wollen.”
Gewinnen wollte Marco das Spiel schon gern, aber irgend etwas in ihm wünschte sich auch, daß sie verloren — dann brauchte er sich nämlich wegen Sonntag keine Gedanken mehr zu machen.
Es war ein hartes Spiel. Die raschen Tiger schossen das erste Tor, aber die Blitze kämpften verbissen und glichen aus. Danach schossen beide Mannschaften abwechselnd immer wieder ein Tor, bis es in den Schlußminuten 4:4 stand. Da gelang Carlo ein Kopfballtor, und die Blitze lagen wieder vorn.
Es war nicht einmal mehr eine Minute zu spielen. Carlo war wieder am Ball. Er dribbelte zwischen den Tigern auf das Tor zu. Da stolperte er plötzlich und verlor den Ball! Die Tiger schossen ihn mit langen, sicheren Pässen direkt auf Marco zu. Marco stand vor seinem Tor – es waren nur noch wenige Sekunden zu spielen. Wenn er den Ball nicht ins Netz ließ, hatten die Blitze gewonnen!

Ein Tiger schoß – es war ein harter Schuß! Er war auf die eine Ecke des Tores gerichtet – gerade außer Marcos Reichweite. Marco hatte das Gefühl, ihm setzte das Herz aus. Er warf sich mit aller Kraft nach rechts. Der Ball prallte in dem Moment von seinen Händen ab, als der Schiedsrichter pfiff. Er hatte es geschafft! Die Blitze hatten gewonnen!
Marcos Mannschaftskameraden machten Freudensprünge und jubelten. Marco stand auf und wischte sich den Schmutz ab. Er sah seine Eltern auf sich zukommen. Sie winkten ihm lächelnd zu. Der leitende Schiedsrichter war bei ihnen.
„Marco, du hast gut gespielt”, sagte Papa und nahm ihn in den Arm. Dann sagte er, mit Blick auf den Schiedsrichter: „Ich möchte dich Signor Giovetti vorstellen.”
„Guten Tag, Signor Giovetti”, sagte Marco höflich.
„Guten Tag, Marco. Das war ein großartiges Spiel. Aber dein Vater hat mir erzählt, du hättest ein Problem.”
„Ich kann morgen nicht spielen”, sagte Marco. „Dann muß die Mannschaft absagen, weil wir keinen anderen Torwart haben.”
„Warum kannst du denn nicht mitspielen?”
„Das Spiel findet während der Abendmahlsversammlung meiner Kirche statt”, antwortete Marco. „Da muß ich hin. Aber auch wenn das Spiel später stattfinden würde, würde ich am Sonntag nicht spielen.”
„Aha.” Der Schiedsrichter dachte kurz nach und sagte dann: „Warte hier. Ich bin sofort wieder da.”
Die Mannschaft scharte sich um ihn. Als Signor Giovetti zurückkam, hatte er noch einen Mann bei sich. „Marco, das ist Signor Luigi. Er ist der Trainer der Mannschaft, gegen die ihr morgen spielen sollt.”
„Guten Tag, Marco”, sagte Signor Luigi. „Ich glaube, wir haben das gleiche Problem. Zwei von unseren besten Spielern haben sich heute verletzt. Wir haben zwar noch genug Jungen, um morgen zu spielen, aber wir wären nicht in bester Besetzung. Ich würde das Spiel gern verschieben. Wäre das den Blitzen recht?”
Marco schaute seine Freunde und den Trainer an. Alle nickten. Da fragte Marco: „Wann spielen wir denn dann?”
„Nächsten Samstag”, antwortete der Schiedsrichter. „Früh am Morgen.”
Als Marco nach Hause ging, war er müde aber glücklich. Auch wenn die Blitze die Meisterschaft nicht gewannen, würde sie ihm doch immer als Sieg im Gedächtnis bleiben.
Paula Hunt, Kinderstern März 1992
von Bettina
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Montag, 5. mai 2008
Richtige Vorbereitung ist die Voraussetzung dafür, daß man als Familie den Sonntag heilighalten kann. Für einen allein mag es möglich sein, ohne Vorbereitung einen schönen, friedlichen Sonntag zu genießen, aber für eine vielbeschäftigte Familie ist es unmöglich, den Sonntag so zu verbringen, wie der Herr es vorgeschrieben hat, wenn sie erst am Sonntagmorgen mit der Vorbereitung anfängt. Manches muß schon am Samstag vorbereitet werden.
Für die meisten Familien mit Kindern gehört es zur Vorbereitung auf den Sonntag, daß man die Sonntagskleider in Ordnung bringt und bügelt, die passenden Socken zusammensucht, Schuhe sucht und putzt und für jeden die heilige Schrift bereitlegt. Man muß einkaufen und anderes für den Sonntag Notwendige vorbereiten. Wenn wir rechtzeitig während der Woche einkaufen, bereiten wir uns nicht nur auf den Sonntag vor, sondern tragen auch dazu bei, daß andere den Sonntag heilighalten.
Wenn nicht alles richtig organisiert wird, ist es leider so, daß die Mutter bei der Vorbereitung das meiste zu tun hat. „Wenn das Haus am Sonntagmorgen nicht in Ordnung ist und das Essen nicht vorbereitet ist, brauche ich gar nicht auf einen schönen, ruhigen Sonntag zu hoffen”, seufzt eine Mutter.
„Wenn mein Mann und ich aber am Samstag Vorbereitungen für den Sonntag treffen, kann ich mich auf den Sonntag freuen, und er wird für mich wirklich ein Tag der Ruhe.”
Wenn der Vater bei der Vorbereitung auf den Sonntag mithilft, anstatt alles seiner Frau zu überlassen, wird sich das für seine Familie als äußerst segensreich erweisen. Ein Vater erzählt: „Bei uns gibt es am Sonntag viel weniger Durcheinander, wenn ich daran gedacht habe, rechtzeitig Vorbereitungen zu treffen, ehe die anfallenden Routineaufgaben den Frieden vertreiben, den ich mir für den Sonntag gewünscht habe. Deshalb sind meine Frau und ich übereingekommen, daß wir alle anstehenden Arbeiten früher als sonst erledigen, damit wir eher mit der Vorbereitung auf den Sonntag beginnen können.”
Auch eine alleinerziehende Mutter beziehungsweise ein alleinerziehender Vater können sich und ihre Kinder ebenso wie ein Elternpaar auf den Sonntag vorbereiten, wenn alles richtig organisiert wird und die Aufgaben verteilt werden.
Alle Eltern finden es nützlich, den Rat des Herrn zu befolgen, der ja geboten hat, daß wir am Sonntag nichts anderes tun sollen, als „mit Herzenslauterkeit” unsere Speise zu bereiten (siehe LuB 59:13). Manche Familien vereinfachen sich die Zubereitung des Sonntagsessens, indem sie es schon soweit wie möglich am Vorabend vorbereiten, bei anderen wiederum gibt es am Sonntag nur eine einfache Mahlzeit. Wenn der Vater und die Kinder mithelfen, hat die Mutter nicht soviel Arbeit mit dem Kochen, dem Tischdecken und dem Abräumen.

Angemessene Betätigungen

Der Herr hat für unsere Zeit nicht sehr viele Verhaltensregeln für den Sonntag offenbart. Er hat uns nur geboten, daß wir am Sonntag „ins Haus des Betens gehen” und unsere heiligen Handlungen darbringen sollen. Außerdem sollen wir von unserer Arbeit ruhen. (Siehe LuB 59:9,10.)
Wir müssen uns alle fest vornehmen, uns am Sonntag von der Arbeit und den weltlichen Ablenkungen der Woche auszuruhen. Das bedeutet, daß die ganze Familie am Sonntag nichts tut, was nicht während der Woche getan werden kann, und den Tag ausschließlich dem Herrn widmet.
Schon als die Israeliten aus Ägypten auszogen, gebot der Herr ihnen, daß sie den Sabbat heilighalten sollten. Er erklärte ihnen, daß sie an diesem Tag nicht selbst arbeiten und auch keinen Fremden arbeiten lassen durften. (Siehe Exodus 20:9-11.) Wenn wir also am Sonntag einkaufen oder essen gehen, dann sind wir zum Teil mit dafür verantwortlich, daß jemand anders am Sonntag arbeiten muß.
Wir dürfen am Sonntag nur dann arbeiten, wenn es unumgänglich notwendig ist. Junge Leute, die einen Job suchen, um sich Geld zu verdienen, meinen manchmal, daß es sich nicht vermeiden läßt, am Sonntag zu arbeiten. Wir müssen unsere Kinder aber davon abhalten, sich für einen Job zu entscheiden, bei dem sie regelmäßig sonntags arbeiten müssen.
Natürlich gibt es Berufe, in denen rund um die Uhr jemand präsent sein muß. Wenn jemand einen solchen Beruf hat, dann muß er seinen Kindern genau erklären, warum er am Sonntag arbeiten muß. Er kann ihnen auch zeigen, daß er am Sonntag zwar nicht zur Kirche gehen kann, sich aber die Zeit nimmt, gemeinsam mit seiner Familie das Evangelium zu studieren. Er kann mit seiner Familie und allein beten und sich vornehmen, während des ganzen Tages eine christusähnliche Einstellung zu haben, über das Evangelium zu sprechen und anderen Menschen Liebe zu erweisen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.
Wenn wir oder unsere Kinder entscheiden müssen, ob eine Betätigung für den Sonntag angemessen ist, können wir uns folgendes fragen:
Ehre ich damit den Herrn?
Tue ich damit Gutes?
Werde ich dadurch geistig erbaut? Wäre Jesus damit einverstanden?
Wenn wir uns so verhalten, werden wir am Tag des Herrn unsere Wonne haben (siehe Jesaja 58:13).

Kleidung am Sonntag

Der Sonntag ist der Tag des Herrn – der Tag, an dem wir uns von weltlichen Sorgen lösen sollen, um den Herrn zu ehren und anzubeten. Das tun wir, indem wir bestimmte Aufgaben beiseite legen, um die Versammlungen der Kirche zu besuchen und unser Leben nach Christus auszurichten. Wenn wir die Welt beiseite legen, sollen wir auch die bequeme Kleidung beiseite legen, die wir während der Woche tragen, und unsere besten Sachen anziehen. Damit zeigen wir, daß wir den Erretter achten und lieben.
Manche Menschen haben allerdings keine „Sonntagskleidung”; sie sollen dann die saubersten, ordentlichsten Sachen anziehen, die sie besitzen. Das Wichtigste dabei ist ja auch, daß die Kleidung nett und sauber ist und den Geist des Sabbats widerspiegelt; extravagante, auffallende Kleidung kann genauso vom Sabbat ablenken wie schmutzige oder unanständige Kleidung.
Die Eltern müssen ihren Kindern erklären, daß man den Sonntag auch noch nach den Versammlungen heilighalten muß. Manchmal ist es doch so, daß wir nach Hause kommen und unsere Alltagskleidung wieder anziehen. Natürlich muß man nicht den ganzen Tag Anzug und Krawatte tragen, aber man muß durch seine Kleidung doch den Geist bewahren, den man in den Versammlungen gespürt hat.

Gottesverehrung
Jesus hat gesagt: „Der Sabbat ist für den Menschen da.” (Markus 2:27.) Das heißt, daß der Sonntag einen Menschen bereichern und ihm zum Segen gereichen soll. Weiter hat der Herr gesagt, der Sonntag sei der Tag, „der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest” (LuB 59:10). Wenn wir am Sonntag von unserer Arbeit ruhen und Gott verehren, werden unser Geist und unser Körper erneuert. Das gilt vor allem für den Fastsonntag. Es gibt kaum etwas, was eine Familie besser eint, als wenn sie für ein gemeinsames Ziel fastet. Schon die kleinen Kinder können lernen, wie wichtig glaubenstreues, gebeterfülltes Fasten ist.
Kleine Kinder können auch lernen, wie wichtig es ist, in den Versammlungen stillzusitzen. Ein Ehepaar erzählt, wie es seinen Kindern geholfen hat, den Sonntag besser schätzenzulernen: „Wir fordern auch schon die Allerkleinsten auf, die Lieder mitzusingen. Sie dürfen mit ins Gesangbuch sehen, und wir deuten beim Singen auf die Wörter und Noten, die gerade an der Reihe sind.
Es ist auch hilfreich, wenn man die Kinder dazu anhält, bei Einsetzungen und Entlassungen die hand zu heben. Vor allem aber muß man sie dazu anhalten, das Abendmahl zu nehmen.
Während der Ansprachen flüstern wir den Kindern kurze Bemerkungen über das Thema des Sprechers zu.”
Eine andere Familie bringt Papier und Stifte mit zur Abendmahlsversammlung. Die älteren Kinder machen sich Notizen zu den Ansprachen und schreiben Fragen auf, über die sie später sprechen wollen.
Eine Familie hält jeden Sonntagmorgen am entsprechend gedeckten Tisch eine kurze Andacht ab. „Mein Mann oder ich sprechen über das Thema für den Sonntag”, erzählt eine Mutter. „Einmal haben wir über das Wort der Weisheit gesprochen. Dabei standen eine Schale mit frischem Obst, ein Glas mit selbsteingemachten Tomaten und etwas getrockneter Weizen auf dem Tisch. Andere Themen veranschaulichen wir, indem wir Lieder singen, Geschichten und Schriftstellen vorlesen und den ganzen Tag immer wieder auf Beispiele zu unserem Thema hinweisen.
Wenn wir uns am Abend wieder zu Tisch setzen, erzählen die Kinder, was sie über unser Thema gelernt haben. Und der Sonntag macht ihnen soviel Spaß, daß der Kasten mit den Vorschlägen für Sonntagsthemen immer voll ist.”

Evangeliumsstudium
Es gibt viele Möglichkeiten, die heilige Schrift zu studieren. Man kann zum Beispiel mit einem bestimmten Buch der heiligen Schrift beginnen oder sich mit einem Thema wie Glauben oder Sühnopfer beschäftigen und Schriftstellen dazu suchen.
Manche Familien forschen am Sonntag in der heiligen Schrift, während sie einander unter der Woche vorlesen. Andere wiederum nutzen den Sonntag zur Vorbereitung der Familienabendlektion. Noch andere besprechen die Lektion am Sonntag und unternehmen am Montagabend etwas gemeinsam. Die Familien, die sowohl am Sonntag als auch am Montag zusammen sind, berichten, daß die geistige Gesinnung innerhalb der Familie zugenommen hat und sie besser gegen Versuchungen gewappnet sind.

Viele Familien lesen während der Woche jeden Morgen in der heiligen Schrift; das gibt den Kindern die Möglichkeit, sich am Sonntag zwischen vielen familienorientierten Aktivitäten zu entscheiden und sich ausführlicher mit der heiligen Schrift zu befassen.
Man kann aber nicht nur gemeinsam in der heiligen Schrift lesen, sondern auch gemeinsam Tagebuch schreiben, Briefe an Verwandte und Missionare verfassen, evangeliumsbezogene Spiele machen und erbauende Musik hören.

Dienen
Wenn wir unseren Sonntag planen, müssen wir auch Zeit zum Dienst am Nächsten einplanen. Eine Familie hat sich beispielsweise fest vorgenommen, jeden Sonntag wenigstens etwas Zeit darauf zu verwenden, einem anderen Menschen zu dienen.
Nachharn oder Mitglieder der Gemeinde, die krank sind oder die im Krankenhaus liegen, freuen sich
bestimmt über einen Besuch. Eine Familie ist mit selbstgebackenen Plätzchen in ein nahegelegenes Altenheim gegangen, um Menschen zu besuchen, deren Angehörigen nicht in der Nähe wohnen.
Präsident Kimball hat gesagt, wir sollten am Sonntag „Verwandte und Freunde besuchen, Heimlehren gehen, an unseren genealogischen Aufzeichnungen arbeiten, ein Nickerchen machen, an Missionare, Soldaten oder Verwandte schreiben, uns auf den Unterricht am nächsten Sonntag vorbereiten, mit den kleinen Kindern spielen, mit einem Ziel vor Augen fasten, evangeliumsbezogene Gedichte schreiben und anderen angemessenen Betätigungen nachgehen, von denen es noch eine Vielzahl gibt." (Faith Precedes the Mirade, Salt Lake City, 1972, Seite 270f.)

Auf positive Weise lehren
Wir müssen unsere Kinder auf positive Weise dazu anhalten, den Sonntag heiligzuhalten. Eine Familie tut das folgendermaßen: Anstatt den Kindern immer wieder zu sagen, was sie nicht tun dürfen, hängen die Eltern eine Liste auf, auf der alles steht, was die Kinder tun dürfen. Immer wenn ein Kind sich beklagt, es dürfe dieses und jenes nicht tun, wird die Liste befragt. Je eher unsere Kinder das lernen, desto besser. Bei älteren Kindern wird es wahrscheinlich etwas länger dauern, bis sie sich an die neue Art gewöhnt haben, den Sonntag zu verbringen.
Vor allem aber müssen unsere Kinder am Sonntag spüren, daß wir sie und den Vater im Himmel lieben. Wir müssen nicht jede Minute des Tages mit Aktivitäten für die Kinder ausfüllen, im Gegenteil: wir brauchen alle etwas Zeit für uns allein, wo wir nachdenken, planen und uns entspannen können.
Wenn wir den Sonntag heilighalten, dann legen wir alles beiseite, was weltlich ist, und ziehen die Rüstung Gottes an.
Handbuch für die Familie, Februar 1991
von Bettina
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Freitag, 2. mai 2008

Mensch, Jodi! Es ist doch nur ein einziges Fußballspiel! Gott wird dich schon nicht hassen, nur weil du ein einziges Mal an einem Sonntag spielst."

„Das stimmt, dachte Jodi Allen, ein siebzehnjähriges Mädchen aus Sandy, Utah, der beste Torwart der Fußballmannschaft. Aber wenn sie spielte, brach sie damit ein Versprechen, das sie dem himmlischen Vater vor Jahren gegeben hatte.

Nur – wie konnte sie das ihren Mannschaftskameradinnen erklären, die sie bedrängten, sie solle doch mitspielen? Die Mannschaft hatte sich die ganze Saison lang sehr angestrengt und die Meisterschaft in Utah gewonnen. Dann waren sie zur Regionsausscheidung nach San Francisco gefahren, um gegen die anderen Siegermannschaften aus dem Westen der USA anzutreten. Sie hatten einige Spiele erfolgreich hinter sich gebracht und sollten jetzt gegen eine Mannschaft spielen, gegen die sie ein Jahr zuvor verloren hatten..Jodis Mannschaft dürstete nach Rache, und wenn sie gewannen, kamen sie in die Endausscheidung.

Aber das Spiel war für Sonntag angesetzt.

„Ach, Jodi! Was du dir bloß einbildest! Ein paar von uns sind auch Mitglieder der Kirche, und wir spielen Sonntag auch mit. Meinst du etwa, du wärst etwas Besseres als wir?”

Darum ging es doch gar nicht. Es war einfach so: Als Jodi zur Highschool gekommen war und angefangen hatte, Fußball zu spielen, da hatte sie dem Herrn versprochen, niemals am Sonntag zu spielen, und sie hatte ihn gebeten, ihr zu helfen, damit sie ihr Bestes geben konnte. Und er hatte ihr geholfen – viel mehr, als sie erwartet hatte. Weil Jodi ihr Versprechen gehalten hatte, hatte sie viele Gelegenheiten gehabt, mit anderen über die Kirche zu sprechen.

„Bei einem Turnier habe ich einen Fußballspieler aus einem anderen Bundesstaat kennengelernt, der wissen wollte, warum ich sonntags nicht spiele, erzählt Jodi. „Daraufhin habe ich ihm vom Evangelium erzählt. Als wir wieder zu Hause waren, haben wir einander geschrieben. Ich habe ihm ein Buch Mormon geschickt. Dabei hatte ich ein bißchen Angst, weil ich nicht wußte, wie er reagieren würde. Aber er hat es gelesen und wollte mehr darüber wissen. Da habe ich ihm ein paar Broschüren von der Kirche geschickt, und nach einer Weile hat er sich taufen lassen.

Dann waren wir einmal mit dem Bus zu einem Fußballspiel unterwegs. (Die Mädchen- und Jungenmannschaften fahren gemeinsam.) Ich las im Buch Mormon. Ich hatte eine dicke Vierfachkombination mit, die ziemlich auffällig war.

der Nähe von San Francisco wohnte, und baten sie, Jodi beizustehen.

Am nächsten Morgen stand Jodi auf und zog das Kleid an, das sie auch trug, als sie dann am Spielfeldrand stand, um ihrer Mannschaft zuzusehen. Das Spiel endete eins zu eins - unentschieden. Nach dem Spiel entschuldigten sich viele

Ein Junge, der in Utah wohnte, sagte, er habe noch nie ein Buch Mormon gesehen, und wollte es sich ansehen. Er hat es sich angeschaut und dazu Fragen gestellt. Bald war der hintere Bus in eine Diskussion über das Buch Mormon verwickelt. Es war, als sei zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil des Busses ein Vorhang zugezogen worden; vorne wurden nämlich unanständige Witze erzählt."

Jodi hat zusammen mit ihrem Fußballdreß immer extra ein Buch Mormon in der Tasche, und sie hat schon viele Exemplare verschenkt. Sie hört es zwar gern, wenn man ihr Fußballspiel lobt, aber noch lieber ist es ihr, wenn die Leute sehen, daß sie „nach ihrer Religion lebt”.

Es ging also gar nicht darum, oh sie am Sonntag spielen sollte oder nicht - auch nicht bei diesem Turnier, sondern es ging darum, wie sie es ihren Mannschaftskameradinnen begreiflich stachen sollte.

Sie versuchte es so: „Wenn ich Sonntag nicht spiele, enttäusche ich meine Mannschaft, und das mag ich gar nicht. Aber wenn ich Sonntag doch spiele, enttäusche ich noch viel mehr Leute. Ich enttäusche mich selbst, weil ich mein Versprechen brechen würde. Ich würde meine Eltern enttäuschen, die wissen, wie wichtig mir dieses Versprechen ist. Ich würde meine Vettern und Kusinen enttäuschen, die wegen mir sonntags nicht spielen, und ich würde meine Seminarlehrer enttäuschen, die mir etwas anderes beigebracht haben. Vor allem aber würde ich Gott enttäuschen, und das kann ich nicht.

Das war eine großartige Erklärung, aber sie nützte Jodi nicht viel. Den ganzen Samstagabend bemühte sich ihre Mannschaft noch, sie umzustimmen. Sie machten sich über sie lustig und beschimpften sie. Gegen Mitternacht rief Jodi weinend ihre Eltern an, nicht weil sie versucht gewesen wäre nachzugeben, sondern weil sie sich so einsam fühlte.

Ihre Eltern hörten zu und verstanden sie. Ihr Vater und ihre Mutter kamen ans Telefon und beteten gemeinsam mit ihr. Anschließend riefen sie noch eine Freundin an, die in

ihrer Mannschaftskameradinnen bei ihr, weil sie sie so heftig kritisiert hatten.

Die Mannschaft kam hei dem Turnier auf den dritten Platz; so weit vorne waren sie noch nie gewesen. Jodi meinte, das sei ein Höhepunkt, an dem sie ihre Fußballkarriere beenden sollte.

„Ich habe so ungefähr alles erreicht, was ich im Fußball erreichen wollte, meint sie. Sie war als bester weiblicher Torwart in ihrem Bundesstaat eingestuft worden, und mehrere Universitäten hatten sie darauf angesprochen, ob sie für sie spielen wolle, dann aber abgewunken, als sie hörten, sie spiele sonntags nie. „Ich möchte jetzt auch mal meine anderen Talente entwickeln - zum Beispiel Musik und Theaterspielen. Außerdem bin ich im Seminarrat, und das kostet auch viel Zeit, meint Jodi.

Und so wird Jodi in ihrem letzten Jahr an der Highschool sehr beschäftigt sein, auch wenn sie nicht mehr Fußball spielt, was sie lange so intensiv getan hat. Sie meint, sie werde das nicht so sehr vermissen, und was sie dabei gelernt habe, werde ihr auch in anderen Lebensbereichen helfen.

„Alles hat seine Stunde', und die Stunde des Fußballs ist vorbei, sagt Jodi. „Es tut mir nicht leid. Durch das Fußballspielen haben sich mir in missionarischer Hinsicht viele Türen geöffnet. Der Herr hat mich sehr gesegnet und durch mich auch andere Menschen. Ich habe meinen Lohn erhalten. Ich hin gedemütigt und herumgestoßen worden, aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich damit fertig werde. Der Herr weiß, daß er auf mich zählen kann, und ich weiß auch, daß ich auf mich zählen kann.”

Und Jodi ist sehr froh, daß sie sich all das nicht durch ein einziges Fußballspiel verdorben hat.

Lisa A. Johnson, September 1990

von Bettina
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Donnerstag, 1. mai 2008
Nachdem ich mich zur Kirche bekehrt hatte, brauchte ich einige Zeit, um alle Grundsätze des Evangeliums zu begreifen. Manche Gebote und Lehren waren mir zuerst einfach nicht klar — zum Beispiel die Sonntagheiligung.
Vor meiner Taufe hatte ich eine Jugendgruppe geleitet, und wir hatten am Sonntagnachmittag alles Mögliche gemacht — Football gespielt, Drachen steigen lassen usw. Ich fand nichts dabei, auch nicht, als ich mich taufen ließ. Ich hatte das Gefühl, es fördere die Solidarität und Kameradschaft innerhalb der Gruppe. Aber vor allem ein bestimmter Sonntagnachmittag brachte mich dazu, über das, was ich da tat, nachzudenken.
Die Gruppe wollte Eishockey spielen, aber wir hatten nicht genug Spieler. Da kam mir eine großartige Idee. Ich konnte doch die Harrisons, die Familie des Zweigpräsidenten, anrufen. Vier ihrer sieben Kinder waren alt genug um mitzuspielen. Dann hatten wir doppelt so viele Spiele, und es den ältesten in der Familie an, und er sagte begeistert zu.
Aber als ich ins Haus kam und darauf wartete, daß sie ihre Schlittschuhe und Extrahosen zusammensuchten, spürte ich, daß etwas nicht in Ordnung war. Präsident Harrison sah sehr mißvergnügt aus, und Les blickte sehr verwirrt drein, und mir war klar, daß ich in eine ernste Diskussion zwischen den beiden geplatzt war. Schließlich wurde das Schweigen dadurch unterbrochen, daß der Zweigpräsident mich ansah und freundlich meinte, seine Kinder hätten ihre Entscheidungsfreiheit, aber er sei dagegen, und wüßte ich überhaupt, daß Sonntag sei? Drei der vier kamen mit, aber ich hatte ein schlechtes Gewissen, als wir das Haus verließen.
Die Zeitschrift der Kirche kam in der Woche, und ich sah, daß mehrere Artikel vom Sonntag handelten. Ich las die ganze Zeitschrift durch, um festzustellen, was die Führer der Kirche zu dem Thema zu sagen hatten. Dann stellte ich mir eine ausführliche Liste dessen auf, was am Sonntag verboten war, war eine gute Möglichkeit, meine ' und beschloß, den Sonntag zu Gruppe mit Mitgliedern der Kirche bekanntzumachen. Ich rief Les, heiligen, auch wenn es mich umbrachte. Schwestern in dem Altenheim zu besuchen.
Unser erster Besuch war eine Katastrophe. Wir besuchten jede Schwester für sich und kamen kaum über ein „Wie geht es Ihnen?” hinaus. Als wir gingen, war uns zweierlei klar: erstens brauchten sie uns, und zweitens konnten wir das besser machen. Am nächsten Sonntagnachmittag hatten wir zwar die 240 Kilometer von der Distriktskonferenz nach Hause zu fahren, aber Keith und ich überredeten Les Harrison, sei-ne Schwester LeAnn und Portia, eine Krankenpflegeschülerin, gemeinsam mit uns die beiden Frauen zu besuchen.
Wir fuhren die beiden Schwestern im Rollstuhl in eine stille Ecke. Keith las einen Artikel aus einer Zeitschrift der Kirche vor, Les las eine Schriftstelle vor, und Portia sprach ein wunderschönes Gebet. Wir hatten ein gutes Gefühl, und am nächsten Sonntag kamen wir mit sieben Jungen Erwachsenen und Jugendlichen. Mit Präsident Harrisons Erlaubnis segneten Les und Keith das Abendmahl und teilten es an die Schwestern aus. Dann schoben wir sie im Rollstuhl in die kleine Kapelle des Altenheims und

Es war eine gute Erfahrung.
Am nächsten Sonntag wußte ich nicht, was ich tun sollte. Ich hielt mich an den Buchstaben des Gesetzes, aber nicht an den Geist, und irgend etwas fehlte. Die Eishockeyepisode fand irgendwann in der Weihnachtszeit statt, und die Sonntage im Januar vergingen, aber es war doch nicht das Richtige.
Dann zog im Februar ein neues Mitglied namens Keith in unseren kleinen Zweig. Er war erst seit fünf Monaten Mitglied und hatte die Begeisterung von vier Missionaren in sich. Als das College, an dem wir studierten, ein „Adoptivgroßelternprogramm” ankündigte, das ein Altenheim am Ort einbezog, schlug Keith vor, daß wir, als die einzigen Mitglieder der Kirche am College, mitmachen und ein gutes Beispiel geben sollten. Wir sprachen darüber, daß wir zwei Mitglieder unseres Zweigs besuchen wollten, die in dem Altenheim lebten, aber es wurde nichts daraus.
An einem Sonntag im Februar hielt Präsident Harrison dann eine Ansprache zum Thema Glauben. Er sagte, wahrer Glauben heiße, daß man seine Worte und seine Glaubensvorstellungen in die Tate umsetze. An dem Nachmittag beschlossen Keith und ich, die
sangen ein Kirchenlied. Anschließend lasen wir abwechselnd einen Artikel aus einer Zeitschrift der Kirche, ein Gedicht und eine Schrift-stelle vor. Zum Abschluß sangen wir noch ein Lied und sprachen ein Gebet.
Um drei Uhr gingen wir nach Hause, und weil wir alle Hunger hatten, lud Les uns zu einer Suppe zu sich nach Hause ein. So kam ich an dem Sonntag wieder ins Haus des Zweigpräsidenten, aber dies-mal war es ganz anders als an dem Sonntag, als ich dort jemanden zum Eishockeyspielen gesucht hatte. Unter der Woche waren wir sieben über die ganze Stadt verstreut, und viele von uns hatten keine Angehörigen in der Kirche. Aber an jenem Sonntagnachmittag saßen wir um den Tisch herum und unterhielten uns miteinander und mit den Eltern von Les, erzählten Witze und Geschichten und sprachen darüber, wie es ist, wenn man als einsamer Heiliger der Letzten Tage von lauter Nichtmitgliedern umgeben ist. Es war wirklich ein inspirierendes Erlebnis.
Als ich um zehn Uhr abends nach mehreren weiteren Versammlungen endlich nach Hause kam, hatte ich keine Zeit mehr, an meiner Genealogie zu arbeiten oder einem Missionar einen Brief zu schreiben, wie ich es mir vorgenommen hatte. Als ich an dem Abend zum Beten niederkniete, wurde mir klar, daß man am Sonntag viel mehr machen konnte, als ich an einem einzigen Tag überhaupt schaffte, und ich dankte dem himmlischen Vater dafür, daß er uns diesen besonderen Tag geschenkt hatte.
Clytee Kleager, Mai 1992
von Bettina
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Freitag, 11. april 2008

Sonntag ist der Tag dafür!

Seit der Geburt unserer Kinder haben wir uns jeden Sonntag gefragt: „Was kann die Familie tun, um den Sabbat zu heiligen?” Es hat für meinen Mann und mich nichts Wichtigeres gegeben, als daß unsere Kinder den himmlischen Vater kennen und Seine Gebote halten lernen. Wir haben alle den Sabbat heiligen wollen und haben stets auf das geachtet, was ein jedes von uns tut, in der Hoffnung, daß unser Tun dem Herrn angenehm sei.

Die Priestertumsversammlung, die Sonntagsschule, die Abendmahlsversammlung und andere angesetzte Kirchenversammlungen sind für uns am Sonntag das Wichtigste. Die Anwesenheit bei diesen Versammlungen nimmt den größten Teil des Tages in Anspruch. Gleichwohl finden wir während des Tages Zeit, in der Familie etwas Besonderes zu tun. Viel von dem, was am Sonntag erlaubt und was nicht erlaubt ist, haben wir den Schriften und Ansprachen unserer Propheten entnommen. Anderes haben wir nach Bewertung unserer Erfahrungen bestimmt. Wir haben folgende Kriterien für die Bestimmung gelten lassen:

1.   Erweitert die Tätigkeit unsere Evangeliumskenntnis?

2.   Vereint sie die Familie?

3.   Bringt sie Liebe und Frieden in unsere Familie?


4.      Ist sie einzigartig für den Sonntag?

 

Der Sonntag ist der Tag gewesen, wo wir die Großeltern zu uns eingeladen oder wo wir sie besucht haben. Wir sind mit vier liebevollen, großmütigen und geistigen Großeltern gesegnet. Wir haben viele glückliche Sonntage mit Zuhören verbracht, wenn sie uns von Erlebnissen ihrer Jugend und denen berühmter Vorfahren erzählt haben. Welch große Gabe können wir den Kindern schenken: daß sie Vorfahren haben, die ihr Leben in den Dienst Gottes und ihrer Mitmenschen gestellt haben. Diese Erkenntnis erfüllt uns mit dem Wunsch, so zu leben, daß wir ihres Vorbilds würdig sind.

Der Sonntag war der von meinem Mann und mir auserwählte Tag, um mit unseren Kindern den Missionarsplan durchzunehmen, den wir mit Untersuchern auf unseren Missionsfeldern benützt hatten. Wir wollten, daß unsere Kinder dieselbe Freude über die Beantwortung von Gebeten erfahren sollten wie die Bekehrten, wenn sie das Buch Mormon und die Evangeliumsgrundsätze studieren und nach einem Zeugnis trachten. Dies ist der Tag, wo andere Evangeliumslektionen aus Leitfäden und Zeitschriften der Kirche gelehrt und wo Ansprachen geschrieben werden.

Einige unserer jetzigen Sonntagsbeschäftigungen sind nicht mehr die gleichen wie vor einigen Jahren. Unsere älteste Tochter ist das zweite Jahr an der Oberschule und unser jüngstes Kind, unser einziger Sohn, geht in die sechste Klasse. Der Geist des Sabbats bleibt dennoch in unserer Familie derselbe, da wir neue Wege finden, ihn auszudrücken.

Der Sonntag ist immer noch der Tag, wo wir unsere persönlichen Photoalben und Tagebücher ergänzen. Jedes Familienmitglied hat mindestens drei mit bestimmten Erinnerungen und persönlicher Geschichte gefüllte Sammelalben.

Der Sonntag ist der einzige Tag, wo wir Zeit gefunden haben, innerhalb der Familie zu singen. Wir sind von klugen Großeltern ermuntert worden, an besonderen Anlässen — wie Geburtstagsessen, Zusammenkünfte, Erntedankfest, Weihnachten und Heimabend — Programme darzubieten. Dies macht notwendig, daß wir Manuskripte schreiben, Instrumente und Theater spielen und zusammen singen. Unsere Kinder haben sich nicht nur, solange sie klein waren, für Marionettenaufführungen interessiert — erst letzte Woche haben unsere Teenager am Sonntagabend zwei Stunden damit verbracht, eine Dramatisierung ihres eigenen Theaterstücks auf Tonband aufzunehmen, um der Familie eine Marionettenvorstellung zu geben. Der Sonntag ist der Tag, wo wir unsere beste Wäsche, unser bestes Besteck und unsere besten Gläser für die Mahlzeiten verwenden, obschon das Essen meistens einfacher vorbereitet wird als an anderen Tagen, und zwar wegen unserer vielen Beschäftigungen in der Kirche.

Dies ist ein Tag, wo wir hoffen, daß uns Freunde besuchen kommen — mit oder ohne Einladung.

Es ist der eine Tag in der Woche, wo sich die Familie um den Küchentisch versammelt und die Tätigkeiten der vergangenen Woche bewertet und für die folgende plant. Wir erzählen einander diejenigen Geschehnisse der Woche, worüber wir uns freuen, und die, die wir ändern möchten. Wir bringen unsere Wünsche und Gefühle dem Leben gegenüber — unser Interesse für öffentliche Ereignisse — unsere Liebe zu einander in Worte.

Dies ist der Tag, wo mein Mann von jedem Kind eine Feststellung über die in den nächsten Wochen kommenden besonderen Schul- und Kirchenaufgaben verlangt – damit keine Aufgabe auf den „Abend vorher“ aufgeschoben wird. Er ermutigt ebenso jedes von ihnen, die anderen an seiner Steinsammlung, an Prüfungsarbeiten, an der Ehrenabzeichen-Aufgabe, an der Pfadfinderauszeichnung, an einem gelesenen Buch – am Erreichtem und Gelerntem – teilhaben zu lassen, damit jedes für die Familie zu einem Lehrer wird. Wir bezeugen einander in unseren Gesprächen gelernte Wahrheiten und Segnungen, die wir vom himmlischen Vater erhalten haben.

Dies ist der Tag, wo wir nicht ins Kino gehen, nicht Ball spielen, nicht einkaufen und nicht schwimmen gehen. Dies ist der Tag, wo wir wissen, dass wir schlafen, uns ausruhen oder eine ruhige Stunde mit Lesen verbringen können.

Der Sonntag ist für uns der wichtigste Faktor gewesen,  um in unserer Familie den Wunsch wachzuhalten, miteinander zu sein und sich für einander zu interessieren. Wir danken dem himmlischen Vater für diesen Tag, wo wir uns an Ihn erinnern und uns weihen, ihm mehr ähnlich zu werden.

Von Ethna R. Reid, Mai 1970
von Bettina
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Freitag, 28. märz 2008
In meinem ganzen Leben habe ich nie den Glauben meines Vaters in Frage gestellt. Seine Überzeugung hat in meinem Leben einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen. Sie war mir so fest eingeprägt, daß sie jeder Prüfung, jeder Anfechtung und jeder Herausforderung standhielt.
Als ich ein Junge war, wohnten wir auf einer kleinen Farm in Utah, wo es wenig Geld, dafür aber genug Arbeit gab. In diesen frühen Jugendjahren erschienen mir die Sommer besonders schwierig und voll endloser langweiliger Arbeit. Die Rüben mußten ausgedünnt werden, der Mais geharkt. die Bewässerungsgräben ausgeputzt; das lästige Unkraut wuchs immer wieder nach, und die Heuernte nahm kein Ende.
Die einzige Rettung, die einzige Oase in der ganzen Sommerarbeit war der Sabbat. Wir wußten alle: der Sonntag war der Tag des Herrn. Das Unkraut, das Heu auf den Wiesen und das schnittreife Korn mußten bis Montag warten.
Am Sonntag nicht zu arbeiten war nicht ganz so einfach. Es war nicht damit getan, das Arbeitsgerät hinzuhängen und daheim zu bleiben. Es gab Komplikationen. Der Sommer war nämlich die einzige Zeit, wo sich der Farmer finanziell absichern konnte. Wenn er in den kurzen Sommermonaten nicht gut wirtschaftete, folgte ein langer und karger Winter. Die Ernte mußte einfach gut ausfallen, und meistens war das Wasser dafür ausschlaggebend, ob man diesen bescheidenen Erfolg erzielte. Und Wasser war in Utah Mangelware. Es kam nur selten in Form von Regen, sondern mußte im Winter und Frühling sorgfältig in einem Reservoir aufgefangen und dann über die heißen, trockenen Sommerwochen verteilt werden.
Jede Farm war auf den Bewässerungskanal angewiesen. Der Kanal mit seinem lebensspendenden Wasser bewahrte den Farmer vor dem sicheren Ruin. Bewässerung war eine Grundvoraussetzung, und manchmal ergab sich daraus ein regelrechtes Sabbatdilemma. In manchen Jahren war ein Farmer am Montag an der Reihe, manchmal am Dienstag und manchmal an einem anderen Wochentag. Gelegentlich aber fiel der Tag auf einen Sonntag. Dem Farmer blieb keine Wahl.
So wie alle anderen war auch Vater in manchen Jahren am Sabbat an der Reihe. Ich kann mich gut an diese Jahre erinnern, weil mich die Entschlossenheit meines Vaters. den Sabbat heilig zu halten, immer sehr beeindruckte. Der Herr hätte ihn wahrscheinlich nicht verdammt. wenn er seine Farm am Sabbat bewässert hätte. Er kannte das Herz meines Vaters. und er kannte die Umstände, unter denen er und die anderen Farmer arbeiten mußten. Vater wollte aber sogar diese Sabbatarbeit vermeiden. Er war überzeugt davon, daß niemand am Sabbat eingeteilt würde, wenn der Herr die Einteilung selbst vornähme. Ich habe Vater nie ein Wort über seinen Entschluß, am Sonntag nicht zu arbeiten, sagen hören, aber sein Leben spiegelte diesen Entschluß wider.
Wenn Vater am Sonntag an die Reihe kam, tat er alles in seiner Macht Stehende, damit er am Sabbat nicht bewässern mußte. Er wartete Freitag und Samstag am Kanal, ob von den Farmern über ihm überschüssiges Wasser kam. Er holte jeden Tropfen aus dem Kanal, und am Sonntag waren die Felder bewässert. Ich kann mich nicht entsinnen, daß er jemals gezwungen gewesen wäre, am Sabbat zu arbeiten. Es bedeutete, daß er mehr zu tun hatte, aber er brachte das Opfer gern. wenn er dafür am Sabbat ruhen konnte. Es schien immer alles gutzugehen. Ich beobachtete ihn im Lauf der Jahre, und seine Hingabe und Entschlossenheit waren mir immer ein Zeugnis, daß der Herr jeden segnet, der sich bemüht, seine Gebote zu halten.
Eines Jahres aber kam für ihn eine besondere Glaubensprobe. Die sengende Sommerhitze schien in diesem Jahr früher als sonst zu kommen – schlimme Anzeichen für eine Trockenheit. Die Tage zogen sich langsam dahin, und die Sonne verbrannte alles: den Rasen, den Gemüsegarten und die Felder, die unter ihren sengenden Strahlen verdorrten. Ausgerechnet in diesem Jahr kam Vater am Sonntag zum Bewässern an die Reihe. Die Felder brauchten Wasser. Am Freitag und Samstag kam kein überschüssiges Wasser, und so waren die Felder am Sonntag trocken.
An einem Sonntagmorgen wandte sich meine Mutter sorgenvoll an meinen Vater. „Joseph”, sagte sie, „ich glaube. du solltest lieber Wasser vom Kanal herleiten. wenigstens auf den Rasen und in den Garten. Alles wird welk.”
Und so war es auch. Ohne Wasser verbrannte alles. Es blieb nichts anderes übrig. Die Felder brauchten Wasser, und wenn Vater nicht wässerte, solange er an der Reihe war, würde es erst am folgenden Sonntag wieder Wasser geben. Eine ganze Woche würden die Felder nicht mehr überstehen.
Vater verließ also das Haus. bevor er sich für die Versammlungen kleidete. Die Schaufel trug er auf der Schulter. Es muß für ihn furchtbar enttäuschend gewesen sein, an diesem Morgen hängenden Kopfes den Berg hinaufzugehen. All die Jahre hatte er sich bemüht, diese Arbeit zu vermeiden, und jetzt konnte er nicht anders. Wir waren sicher, daß der Herr ihn nicht verdammen würde. Trotzdem hatte er den starken Wunsch, einen Ausweg zu finden.
Er kam an den Kanal und stellte das Wehr aus Zelttuch auf, aber bevor er noch irgend etwas anderes tat, hielt er inne und überlegte, immer noch über den Kanal gebeugt. Was sollte er tun? Er dachte an das Gebot des Herrn, den Sabbat heilig zu halten. Glaubte er das wirklich? War es nicht nur ein Lippenbekenntnis. sondern lebte er auch danach?
Während er noch in Gedanken versunken war, empfing er eine machtvolle und deutliche Kundgebung, die er nie vergessen sollte: „Zieh das Wehr heraus. Nimm die Schaufel und das Werkzeug. Ich werde für alles sorgen. Vielleicht nicht früh am Tag, aber ich sorge dafür. Was den Sommer angeht, überlaß das mir. Ich sorge für dich.”
Mein Vater richtete sich auf. Es war niemand da. Er blickte zum Himmel – er war klar und blau, keine Wolke war in Sicht. Es wehte eine trockene Brise. Der Tag würde heiß und drückend werden. Die Sonne stach herab, und die Erde war ausgedörrt und staubtrocken. Vater zog das Zelttuchwehr heraus, kehrte dem Kanal den Rücken und ging nach Hause. Er hatte ein Gebot empfangen, das war ihm klar. Er wußte nicht, auf welche Weise für ihn gesorgt werden würde, aber soviel stand fest, daß er eine Verheißung empfangen hatte. Er zog sich an und ging zu den Sonntagsversammlungen. Die Farm überließ er der Macht, auf die er sein Leben lang vertraut hatte.
Der Himmel war noch immer wolkenlos, die Luft heiß, und die Felder welkten immer noch unter der sengenden Sonne, als sie von den Versammlungen nach Hause kamen. Da kein Anzeichen der Besserung zu erkennen war, wandte sich Mutter in ihrer Sorge um den Garten an Vater, der ihr gegenüber von seinem Erlebnis am Morgen noch nichts erwähnt hatte: „Es sieht nicht nach Regen aus”, sagte sie. „Was wirst du wegen des Gartens tun?”
Zum zweiten Mal an diesem Tag stieg Vater den Hügel zum Bewässerungskanal hinauf, bedrückt von der Lage, in der er sich befand. Zögernd stellte er wieder das Wehr auf. aber dann hielt er inne, verwundert über seine schwindende Überzeugung. „Wo ist denn dein Glaube?” fragte er sich.
Von einem neuen Vorsatz erfüllt, zog er das Wehr wieder aus dem Kanal und ging den Hügel hinab, fest entschlossen, nie wieder am Sabbat zum Kanal zu gehen. Als er den Hügel herabkam, blickte er zum Himmel auf und sah, wie Wolken aufzogen. Eine Stunde später goß es in Strömen. Die trockene Erde sog das ersehnte Naß auf, und Rasen, Garten und Felder belebten sich.
Dieser Regen war ein Wunder, aber es war nur ein Anfang. Der Sommer begann erst richtig. Die heißen Monate Juli und August standen noch bevor. Doch Vater machte sich keine Sorgen. Der, der das Gesetz gab, hatte ihm seine Hilfe verheißen. Er würde es möglich machen, das Gesetz zu befolgen. Eine Woche darauf bat ein Nachbar meinen Vater, ob er nicht einen Teil seines Wassers am Sonntag gegen eine kurze Bewässerungszeit am Samstag tauschen wolle. Vater freute sich. Während dieser kurzen Zeit am Samstag konnte er wenigstens den Garten und den Rasen bewässern. Trotzdem würde er es unmöglich schaffen, all die Hektar Mais, Gerste und Wiese zu bewässern. Doch der Herr segnete ihn auf andere Weise. Immer wieder zogen während des Sommers Wolken herauf, es fiel Regen, und die Felder bekamen Wasser – gerade dann, wenn es am notwendigsten war.
Mein Vater war sich so gewiß, daß der Herr für ihn sorgen würde, daß er den ganzen Sommer keinen einzigen Wassergraben ausputzte und in den Maisfeldern die Bewässerungsfurchen nicht nachzog. Und das im heißen, trockenen Utah, wo der Farmer bedingungslos auf die Bewässerung angewiesen ist. In diesem Sommer wurden die Wassergräben auf Vaters Feldern kein einziges Mal gebraucht. Noch nie hatte Vater einen ganzen Sommer lang auf das Bewässern verzichten können, aber dieser Sommer war anders. Es war der Sommer des Herrn, und er sorgte für uns.
Als der Sommer vorüber war, hatte Vater drei Rekordernten Heu eingebracht, der Gersteertrag war überreichlich und auch Silomais war im Überfluß vorhanden. Des Himmels Schleusen hatten sich wahrlich aufgetan, und der Herr hatte in der Tat für uns gesorgt.
Seitdem ist schon einige Zeit vergangen, doch mein eigener Glaube ist seit jenem Sommer nur stärker geworden. Wie oft möchte uns der Herr segnen, doch wir hindern ihn daran. Wir wagen es nicht, auf ihn zu vertrauen, der uns ja alles gegeben hat, und doch möchte er nichts lieber, als uns das Wasser des Lebens zu senden. Sein Segen erwartet uns, doch müssen wir ihm ganz und rückhaltlos vertrauen. Vielleicht müssen wir manchmal zusehen, wie unsere Träume welken und verdorren, ohne daß am Horizont das geringste Zeichen der Besserung sichtbar ist. Dann aber, nachdem unser Glaube geprüft ist, folgt das Wunder
Alma J. Yates, Februar 1983

von Bettina
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Freitag, 14. märz 2008
Einmal an einem Herbsttag fuhr ich auftragsgemäß zu einer Pfahlkonferenz in einem ländlichen Gebiet im Westen der Vereinigten Staaten. Ich traf am Samstagabend ein und übernachtete bei der Familie des Pfahlpräsidenten. Am nächsten Morgen brachen wir auf, um die zwölf bis fünfzehn Kilometer zum Gemeindehaus zu fahren. Unterwegs kamen wir an mehreren Farmen vorbei. Augenscheinlich hielten die Bewohner dieser Farmen den Sabbat heilig.
Wir sahen schöne Felder mit reifem Weizen. Die Landmaschinen standen noch auf dem Feld, wo man sie am Abend davor hatte stehen lassen. Dazu sahen wir Heuhaufen, die noch nicht fertig aufgeschichtet waren, und auf den Feldern befand sich weiteres Heu. das noch eingebracht werden mußte. Ein Teil des Getreides war bereits geerntet. das andere stand noch auf dem Feld. Es schien, als würde das Land selbst ruhen. Wir gelangten ins Dorf und fanden auch dort alles friedlich und heiter vor. Man hörte weder Hammerschläge, noch das Geräusch von Maschinen oder irgendeiner Arbeit. Statt dessen sahen wir, wie die Leute aus allen Richtungen des Tales zum Gemeindehaus strömten.
Ich sprach mit dem Pfahlpräsidenten über diesen ungewöhnlichen Anblick und fragte, ob die Heimlehrer das ganze Gebiet des Pfahles bestürmt und die Menschen darauf hingewiesen hätten, daß aus Salt Lake City Besuch erwartet werde. „Nein", sagte er, „wir sind sehr zufrieden damit, wie unsere Mitglieder den Sabbat heiligen. Fast jede Familie im Pfahl ist jeden Sonntag bei unseren Versammlungen vertreten." Die Berichte bestätigten seine Worte.
Es war ein schöner, stiller Tag. Ein sanfter, angenehm warmer Wind wehte. Die fernen Hügel nahmen allmählich herbstliche Farben an. Es gab dort schöne Farmen und Felder, anheimelnde Häuser und eine Atmosphäre der Zufriedenheit. Die Versammlungen und Ratssitzungen dieses Tages waren bemerkenswert friedlich, produktiv und zufriedenstellend.
Als ich eine Pfahlkonferenz in einer anderen Ortschaft besuchte, erlebte ich das krasse Gegenteil. Sehr früh am Sonntagmorgen wurde ich durch beträchtlichen Lärm geweckt. Ich stellte fest, daß er von einer Anzahl Männer herrührte. die Jägerkleidung und Gewehre trugen. Sie waren auf dem Weg zu den Bergen und Canyons, um Rotwild zu jagen.
An einem anderen Sabbat fuhr ich durch ein ländliches Gebiet und erblickte zahlreiche Mähmaschinen sowie Maschinen, mit denen das Heu zu Ballen zusammengepackt wurde, dazu schwitzende Menschen auf den Feldern beim Einbringen der Heuernte.
An einem weiteren Sabbat bemerkte ich lange Menschenschlangen vor den Kinos, die auf ihre Eintrittskarte warteten. Andere waren augenscheinlich auf dem Weg zum Strand oder zum Canyon und trugen Picknickkörbe und Sportausrüstungen.
Unsere Welt ist überwiegend eine Welt von Sabbatschändern geworden. Am Sabbat sind die Seen mit Booten geradezu übersät, an den Stränden drängen sich die Menschen, und bei Shows werden die höchsten Besucherzahlen erreicht. Auf den Golfplätzen wimmelt es von Spielern. Der Sabbat wird für Rodeos, Tagungen und Picknickausflüge der Familie bevorzugt, selbst Wettspiele werden für diesen heiligen Tag angesetzt. Viele führen wie üblich ihre Geschäfte weiter, und so ist Aus unserem heiligen Tag ist ein Vergnügungstag geworden. Und weil viele Menschen diesen Tag als Vergnügungstag begehen, stellen sich zahlreiche andere auf die Wünsche derer ein, die dem Geld und dem Vergnügen nachjagen.
Vielen erscheint das Entheiligen des Sabbats nur als geringfügiger Verstoß, aber unser Vater im Himmel sieht darin die Übertretung eines seiner wichtigsten Gebote. In alter Zeit kam Mose von dem bebenden und rauchenden Berg Sinai herab und brachte den Kindern Israel, die durch die Wüste zogen, die Zehn Gebote als Grundregeln der Lebensführung. Es waren aber keine neuen Gebote. Schon Adam und seine Nachkommen hatten sie empfangen: ihnen war von Anbeginn geboten worden, danach zu leben. Der Herr wiederholte diese Gebote lediglich gegenüber Mose. Sie wurden bereits vor dem irdischen Dasein erlassen als Teil der Prüfung, die beim Rat im Himmel für die Menschen beschlossen wurde, um zu erweisen. „ob sie alles tun werden. was immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebieten wird” (Abraham 3:2)).
Das erste der Zehn Gebote verlangt vom Menschen, den Herrn zu verehren, während das vierte den Sabbat eigens für die Gottesverehrung bestimmt:
„Du sollst keine anderen Götter haben neben mir .. .
Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest.
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling. der in deiner Stadt lebt.
Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn” (2. Mose 20:3. 8-11).
Somit brachte Mose, als er vom donnernden Berg Sinai herabkam, ein feierliches Gebot mit: „Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest." Dieses Gebot ist niemals für nichtig erklärt noch verändert worden, im Gegenteil, der Herr hat in der Neuzeit abermals Nachdruck darauf gelegt:
„Bedenke aber, daß an diesem, dem Tag des Herrn, du dem Allerhöchsten deine Gaben und heiligen Gelübde darbringen und deine Sünden vor deinen Brüdern und dem Herrn bekennen sollst.
An diesem Tage aber sollst du nichts tun als mit lauterem Herzen deine Speise bereiten. damit ... deine Freude vollkommen sei" (LuB 59:12,13).
Wer am Tag des Herrn auf die Jagd geht oder angelt, der heiligt den Sabbat nicht. Ebenso verstößt man gegen das Gebot der Sabbatheiligung, wenn man an diesem Tag sein Land bestellt oder die Ernte einbringt. Das gleiche gilt für alle, die am Sabbat, anstatt der Heiligkeit dieses Tages zu gedenken, Picknickausflüge unternehmen und zu Ballspielen oder Wettkämpfen, Shows oder anderen Vergnügungen gehen.
Seltsamerweise gibt es einige Heilige der Letzten Tage, die zwar sonst in jeder Hinsicht getreu sind, aber gelegentlich den kirchlichen Versammlungen fernbleiben, um sich zu erholen. Sie führen allerlei als Rechtfertigung dafür an: Sie hätten als Angler am Sonntag das meiste Glück, oder der Urlaub sei nicht lang genug, wenn sie nicht schon am Sonntag dazu aufbrechen, oder sie versäumen einen Film, den sie gern sehen möchten. Häufig verleiten sie dabei ihre ganze Familie, das Gebot der Sabbatheiligung zu übertreten.
Der Erlöser hat gesagt. „Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich" (Matthäus 5:19).
Es ist nichts dagegen einzuwenden, daß man sich in legitimer Weise erholt — Sport treibt, Picknickausflüge und Spiele unternimmt oder ins Kino geht. Dies alles ist dazu angetan, neue Lebenskraft zu spenden, und die Kirche fördert als Organisation selbst derartige Aktivitäten. Doch muß man für jede lohnende Betätigung die rechte Zeit und den rechten Ort wählen für .Arbeit, Spiel und Gottesverehrung.

Manche stellen die Sabbatheiligung als ein Gebot hin, das Opfer und Selbstverleugnung verlangt. Diese Ansicht trifft indes nicht zu. Man braucht seine Zeit nur richtig einzuteilen und für jede Betätigung den geeigneten Zeitpunkt zu wählen. Die sechs Wochentage, die uns für Arbeit und Spiel zur Verfügung stehen, bieten genug Zeit für alles, vor allem in der heutigen Zeit. Man könnte vieles unternehmen, um Aktivitäten an Wochentagen zu organisieren und zu fördern.
Ein Pfadfinderrat legte den Zeitplan für das Zeltlager im Sommer gewohnheitsmäßig so fest, daß die Pfadfinder am Sabbat anreisten und am nächsten Sabbat zurückfuhren. Dadurch wurde den Jugendlichen, die der Kirche angehörten, an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen die Möglichkeit zu religiöser Betätigung genommen. Den Beamten des Pfadfinderrates wurde daraufhin freundlich ein Vorschlag unterbreitet, der Abhilfe schaffte. Die Lagerfahrt begann jetzt am Freitag und endete auch am Freitag. Der Sonntag wurde so gestaltet, daß die Jungen im Zeltlager einem Gottesdienst beiwohnen konnten.
Eine Seminargruppe wollte an einem Sonntag in den Bergen Gottesdienst halten. Die Jugendlichen meinten, gegen den Ausflug sei nichts einzuwenden, weil sie eine Zeugnisversammlung in den Tagesablauf eingeplant hatten. Sie veranstalteten die Zusammenkunft wie geplant und erlebten gemeinsam eine Stunde der Geistigkeit. Die übrigen Stunden des Tages wurden jedoch mit Picknicken und Spielen, Wandern und Klettern zugebracht: an den Sabbat dachte man nicht weiter. Die eine andächtige Stunde machte den Sonntag nicht zu einem heiligen Tag.
Das Gebot der Sabbatheiligung ist nicht dazu bestimmt, dem Menschen etwas zu nehmen. Jedes Gebot, das Gott seinen Dienern gegeben hat, soll denen nützen, die es empfangen und befolgen. Der Mensch hat nur Nutzen davon, daß er den Sabbat gewissenhaft heiligt, und er selbst nimmt Schaden, wenn er Gottes Gesetze bricht.
Das Gebot, daß man den Sabbat heiligen soll, schließt ein Verbot und ein Gebot ein: „Dies ist der Tag, für dich zur Ruhe von deiner Arbeit bestimmt" und: „Du (sollst) zum Hause des Gebets gehen (und) am Abendmahl teilnehmen,.... damit du dem Allerhöchsten deine Verehrung bezeugest mit freudigem Herzen und fröhlichem Angesicht.' (LuB 59:9, 10, 15).
Der Sabbat ist nicht dazu bestimmt, daß man träge im Haus herumlungert oder sich im Garten zu schaffen macht. Vielmehr soll man am Sabbat regelmäßig die Versammlungen besuchen, um den Herrn zu verehren und zu lernen, sich am Familienleben zu erfreuen und sich mit Musik und Gesang zu erbauen.
Der Sabbat ist ein heiliger Tag, wo man sich mit schönen und heiligen Dingen befassen soll. Zwar ist es wichtig, daß man sich jeglicher Arbeit und aller Vergnügungen enthält, doch genügt dies nicht. Der Sabbat verlangt vorn Menschen, daß er Positives denkt und tut, und wenn jemand am Sabbat untätig herumlungert, so verstößt er gegen das Gebot, diesen Tag zu heiligen. Um den Tag richtig zu begehen, kniet man sich zum Beten nieder, bereitet sich auf Unterrichtsstunden vor und vertieft sich in das Evangelium, denkt nach und besucht Kranke und Betrübte, schreibt an Missionare, schlummert ein wenig, liest gute Bücher und besucht alle Versammlungen, wo die Anwesenheit von einem erwartet wird.
Ich kenne einen guten Mann, der irrigerweise behauptet hat, er habe sonntags mehr davon, wenn er ein gutes Buch lese, als wenn er die Gottesdienste besuche, denn die Predigten reichten, wie er erklärte, kaum an sein Niveau heran. Wir gehen am Sabbat nicht zu den Versammlungen, um unterhalten zu werden, nicht einmal nur, um etwas zu lernen. Wir besuchen die Versammlungen, um den Herrn zu verehren. Dies ist die Pflicht jedes einzelnen. Ganz gleich, was am Rednerpult gesprochen wird — wer den Herrn im Geist und in der Wahrheit anzubeten wünscht, der kann dies tun, indem er den Versammlungen beiwohnt, am Abendmahl teilnimmt und über die Schönheit und Erhabenheit des Evangeliums nachsinnt. Wer den Gottesdienst als Mißerfolg betrachtet, ist selbst erfolglos gewesen. Niemand kann Gott stellvertretend für einen anderen verehren, jeder muß es selbst tun.
Laßt uns, was dieses und andere Gebote angeht, auf die Worte des Propheten Josua hören: „So fürchtet nun den Herrn und dient ihm treulich und rechtschaffen ... Wählt euch heute, wem ihr dienen wollt... Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen” (Josua 24:14, 15).
Unter diesen Bedingungen können wir auf die Segnungen hoffen, die den Kindern Israels verheißen wurden: „Haltet meine Sabbate und habt Ehrfurcht vor meinem Heiligtum. Ich bin der Herr.
Werdet ihr in meinen Satzungen wandeln und meine Gebote halten und tun, so will ich euch Regen geben zur rechten Zeit, und das Land soll sein Gewächs gehen und die Bäume auf dem Felde ihre Früchte bringen.
Und die Dreschzeit soll reichen bis zur Weinernte, und die Weinernte soll reichen bis zur Zeit der Saat. Und ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen.
Ich will Frieden geben in eurem Lande, daß ihr schlafet und euch niemand aufschrecke” (3. Mose 26:2-6).
In vielen Industriezweigen gibt es angeblich Arbeitsprozesse, die am Sabbat nicht unterbrochen werden können. Dort „muß" das Personal auch am Sonntag arbeiten. Dies mag wahr sein. Doch „Not macht erfinderisch". und ich habe mich oft gefragt, wie lange es dauern würde, neue Produktionsmethoden zu entwickeln, die keine Sonntagsarbeit verlangen, wenn sich jeder in einem bestimmten Industriezweig einfach vornähme, den Sabbat zu heiligen.
Der Erlöser hat gewußt, daß der Ochse zuweilen in den Schlamm fällt, und wenn es notwendig ist, muß man ihn herausziehen. Man stößt den Ochsen aber nicht mutwillig jede Woche in den Schlamm und sieht auch nicht tatenlos zu, wie er von selbst hineingerät.
Gewiß, einige Leute müssen am Sabbat arbeiten. Einige Arbeiten, die am Sonntag unbedingt notwendig sind, können sogar der Sabbatheiligung dienen, z. B. die Krankenpflege. Bei solchen Aktivitäten kommt es freilich entscheidend auf unsere Motive an.
Wenn Männer und Frauen nur deshalb am Sabbat arbeiten, weil sie ihren materiellen Wohlstand vergrößern wollen, übertreten sie die Gebote. Geld, das man für unnötige Sonntagsarbeit einnimmt, ist unreines Geld. Können Sie sich vorstellen, wie jemand entgegen dem ausdrücklichen Gebot des Herrn am Sabbat arbeitet und ihm dann den Zehnten oder einen anderen Anteil an den unrechtmäßig erworbenen Früchten seiner Arbeit darbringt? Für Opfergaben gilt auch heute noch die Vorschrift des Alten Testaments, nämlich daß sie makellos sein müssen. Dies kann man jedoch keineswegs von Einnahmen behaupten, die man durch unnötige Sonntagsarbeit erzielt hat.
Ein Sabbatschänder ist auch, wer am Sonntag einkauft oder Vergnügungsstätten aufsucht, denn er trägt dazu bei, daß Geschäfte und Vergnügungsstätten auch sonntags geöffnet sind, was sonst nicht der Fall wäre. Wenn wir am Sonntag etwas kaufen, verkaufen oder Handel treiben oder derlei Aktivitäten unterstützen, sind wir ebenso widersätzlich wie einst die Kinder Israels. Weil sie diese und andere Übertretungen begangen haben, mußten sie schreckliche Folgen dafür tragen, die uns ständig als Warnung dienen sollten.
Die Gesetze im alten Israel sahen vor, daß Sahbatschänder auf der Stelle streng bestraft wurden. Dennoch brauchen wir nicht anzunehmen, daß diesem Gesetz damals mehr Bedeutung beigemessen wurde als heute.
Der Herr hat dem Propheten Joseph Smith in unserer Zeit erneut offenbart, wie wichtig es ist, den Sabbat zu heiligen: „Und um dich noch völliger von der Welt unbefleckt zu halten, sollst du zum Hause des Gebets gehen, am Abendmahl teilnehmen und deine Gelübde an meinem heiligen Tage darbringen" (I.uB 59:9).
Man beachte, daß es in diesem Gebot „Du sollst" heißt!
,.Denn wahrlich, dies ist der Tag, für dich zur Ruhe von deiner Arbeit bestimmt und damit du dem Allerhöchsten deine Verehrung bezeugest.
Dessenungeachtet sollen deine Gelübde jeden Tag und zu allen Zeiten in Gerechtigkeit dargebracht werden. Bedenke aber, daß an diesem, dem Tag des Herrn du dem Allerhöchsten deine Gaben und heiligen Gelübde darbringen.
Verantwortlich werden ist etwas Allmähliches und kommt nicht plötzlich, und die schon reifere Vorstellung, daß man Jesus ein Versprechen macht und dafür Segnungen von ihm empfängt, kann und soll ihren Anfang nehmen, bevor das Kind acht Jahre alt ist.
Sowohl im Gottesdienst der Juniorsonntagsschule als auch in der Abendmahlsversammlung sehen die Kinder ihre Familie und ihre älteren Freunde am Abendmahl teilnehmen, und diese wöchentliche Wiederholung vom Kleinkindalter bis hinauf zu acht Jahren hilft ihnen beim Versuch, so zu werden wie diese für sie wichtigen Menschen.
Unter den eben genannten Umständen kann die Teilnahme am Abendmahl nicht nur der Anfang einer Verhaltensweise sein, die sich ein ganzes Leben hindurch fortsetzt, sondern es kann auch ein dynamisches, belebendes und sozusagen ausbaufähiges Fundament für geistiges Wachstum werden. Deshalb ist es nicht bloß eine müßige Geste, Kinder am Abendmahl teilnehmen zu lassen, wenn sie emotional noch relativ unreif sind und nicht viel über den Plan der Erlösung wissen. Geist kann zu Geist sprechen, eine Einstellung kann entstehen. Obwohl Kinder das Abendmahl vielleicht nicht im gleichen Maße verstehen wie Erwachsene, so kann man doch einigen ihrer wichtigen Bedürfnisse durch diese heilige Handlung entsprechen.

Präsident Spencer W. Kimball, Juli 1978
von Bettina
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Donnerstag, 6. märz 2008

 AIs mein Sohn Davy in der vierten Klasse in die Geländelauf-Mannschaft seiner Schule eintrat, kam seine große Laufbegabung rasch zum Vorschein. Bei Wettläufen war er immer einer der Schnellsten, und wir waren sehr stolz auf ihn.

Bald wurde er aufgefordert, in einen Leichtathletikverein einzutreten, den mehrere Trainer am Ort gegründet hatten. Es war eine großartige Chance, aber es war auch ein Problem dabei — viele Wettbewerbe fanden am Sonntag statt. Deshalb trat Davy nicht in den Verein ein.

Als Davy auch im nächsten Jahr nicht in den Verein eintreten wollte, nahmen die Trainer an, mein Mann und ich wollten ihn davon abhalten. Aber wir teilten ihnen mit, Davy habe sich selbst entschieden.

Davy erklärte den Trainern: „Ich würde wirklich gerne in den Verein eintreten, aber sonntags laufe ich nicht.”

Bis zum sechsten Schuljahr war Davy schon ein so guter Läufer geworden, daß er hei jedem schulischen Wettbewerb unter den ersten Drei war. Wieder wurde er aufgefordert, dem Verein beizutreten. Diesmal war noch ein weiterer Anreiz dabei — die Jungen hatten vor, in den ganzen Vereinigten Staaten umherzureisen und an der Landesfinale für ihre Altersklasse teilzunehmen. Die Trainer und die Mannschaft wünschten sich sehr, daß Davy mitmachte.

Davy empfing in dem Jahr das Priestertum und wurde zum Diakon ordiniert. Als er uns von der Einladung des Leichtathletikvereins erzählte, fragten wir nur: „Und was ist mit deinen Priestertumsaufgaben!”

Davy antwortete dem Verein: „Ich muß sonntags in der Kirche sein.”

Der Verein kam ins Landesfinale und trat gegen Mannschaften aus dem ganzen Land an und gewann; jetzt waren sie US-Meister. Als die Jungen nach Hause kamen, waren die Schule, die Eltern und die Trainer völlig aus dem Häuschen. In der Schule fand eine Versammlung statt, zu der auch Zeitungsreporter und Leute vom Fernsehen kamen. Die Jungen wurden einer nach dem anderen aufgerufen, und das Publikum klatschte laut.

Davy saß da und sah zu, wie die Jungen die Anerkennung erhielten, die auch er hätte bekommen können, wenn er sich anders entschieden hätte. Mir tat das Herz weh, als ich die Tränen in seinen Augen sah. Ich klopfte ihm auf die Schulter, und wir verließen die jubelnde Menge. An einer abgeschiedenen Stelle nahm ich ihn fest in die Arme, und wir weinten beide ein bißchen. Dann erklärte ich ihm, wie stolz ich auf ihn sei. Davy hatte das getan, was der himmlische Vater von ihm erwartete. Die Bewunderung der Menge und die Anerkennung der Welt besitzen große Anziehungskraft, aber mit unserem ewigen Fortschritt haben sie wenig zu tun.


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Ein paar Tage darauf erzählte ich einer Freundin davon. Kurz danach schickte sie ihm einen Brief, zusammen mit einer Trophäe. Darauf war eingraviert: „Für Davy, einen jungen Champion.”

In dem Brief stand: „Du hast Entscheidungsfreiheit bekommen. Danke für dein Beispiel. Du bist wahrhaftig ein Champion.”

 

Susan E. Tanner; Mai 1993

 

von Bettina
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